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Alternative Olympia-Vorbereitung für Max Rendschmidt

Training während der Corona-Pandemie : Wie sich der Bonner Max Rendschmidt für Olympia vorbereitet

Das alternative Trainingsprogramm in Kienbaum ist abgesagt. Trotzdem versucht sich Kanu-Olympiasieger Max Rendschmidt weiter auf die Spiele in Tokio vorzubereiten.

Den Sonntagnachmittag verbringt Max Rendschmidt auf der Autobahn. Knapp 600 Kilometer gilt es für den Doppel-Olympiasieger zurückzulegen. Noch vor wenigen Tagen hatte der 26-Jährige ein Trainingslager im Bundesleistungszentrum Kienbaum geplant. Gemeinsam mit einem Großteil des deutschen Olympia-Kaders sollte es vor die Tore Berlins gehen. Zwar fährt Rendschmidt Richtung Bundeshauptstadt, aber eben nur Richtung. Rendschmidt ist unterwegs nach Potsdam.

Das Trainingslager in Kienbaum ist abgesagt. Die Sorge, ein Teil des Olympia-Kaders könnte sich dort mit dem Coronavirus infizieren und damit die Teilnahme an den Spielen in Tokio in Gefahr bringen war zu groß. „Eine Ansteckungsgefahr ist nicht mit absoluter Sicherheit auszuschließen“, sagte Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). „Wir sehen daher in der angedachten Konzeption ein zu hohes Risiko für unsere Athleten und die Allgemeinheit.“ Nun heißt es für Rendschmidt einmal mehr zu improvisieren. „Mittlerweile kenne ich das ja schon“, sagt er. „Von den vergangenen fünf Monaten war ich vier immer unterwegs.“

Eigentlich wollte Rendschmidt auf die Heimstrecke seines Vereins, der KG Essen, ausweichen. „Daraus ist nichts geworden“, erklärt der Bonner. „Der Essener Baldeneysee ist ein städtisches Gewässer und insofern zurzeit gesperrt. Wir haben uns um eine Ausnahmegenehmigung bemüht, daraus ist aber nichts geworden.“ Eine optimale Vorbereitung auf die Olympischen Spiele sieht anders aus. Und das nicht nur für die Kanuten. Qualifikationsturniere werden abgesagt, Trainingslager verschoben, Heimtraining bedeutet erschwerte Bedingungen, in manchen Sportarten ist „nur“ ein Grundlagentraining möglich.

Auch deswegen sprechen sich zahlreiche Sportler gegen das Festhalten an den Spielen im Sommer aus. Erst am Samstag erklärte Athletensprecher Max Hartung, dass er in diesem Sommer trotz bereits geschaffter Qualifikation nicht an den Spielen teilnehmen würde. Er wolle so die Hängepartie beenden. Hartungs Stimme hat unter den Sportlern Gewicht, seine Ansichten werden aber nicht von allen Athleten geteilt. „Ich kann ihn schon verstehen, aber sein Vorgehen fand ich nicht so gelungen“, sagt Rendschmidt. „Man könnte glauben, dass er die Meinung aller deutschen Sportler vertritt. Dem ist aber nicht so.“

Rendschmidt steht den Spielen im Sommer zwiegespalten gegenüber. „Es hat alles Nachteile. In beiden Fällen gibt es – wenn man so will – nur Verlierer“, sagt der 26-Jährige. „Wenn die Spiele wie geplant stattfinden, hatten viele Sportler so gut wie keine Vorbereitung, es wurden nicht alle Qualifikationen ausgetragen. Verschiebt man die Spiele aber, gibt es auch zahlreiche Fragezeichen.“ So sei nicht geklärt, wie es mit Fördergeldern oder Sponsorenverträgen aussehe. „Wir wissen ja gar nicht, wie im kommenden Jahr die wirtschaftliche Situation allgemein ist. Ich bin in der glücklichen Lage, Berufssoldat zu sein. Ich halte mich über Wasser. Aber es gibt auch andere Sportler, denen es schlechter geht.“ Außerdem gebe es Athleten, die sich möglicherweise nicht noch einmal aufraffen würden, sich auf Spiele in ein oder zwei Jahren vorzubereiten. „Da sind Familienväter dabei oder Athleten, die in die Berufswelt wollen oder müssen.“

Rendschmidt bereitet sich so vor, als würden die Spiele wie ursprünglich geplant stattfinden. Zumindest so gut ihm das möglich ist. Improvisation ist angesagt. So wurde das heimische Trainingslager notgedrungen nach Potsdam verlagert. Gemeinsam mit Caro Arft, Max Hoff und Tobias-Pascal Schultz trainiert Rendschmidt nun mit weiteren Kaderathleten vor den Toren Berlins. „Die Anfahrt müssen wir privat organisieren und selbst bezahlen“, sagt Rendschmidt. „Wohnen kann ich bei einem anderen Kanuten, der aktuell in Dortmund trainiert.“ Vorausgesetzt die Kaderathleten erhalten in Potsdam eine Ausnahmegenehmigung.