Ballfangzaun, Stolperstellen und Hartgummipömpel: 1. FC Hardtberg verzweifelt am neuen Kunstrasen

Ballfangzaun, Stolperstellen und Hartgummipömpel : 1. FC Hardtberg verzweifelt am neuen Kunstrasen

Blaue Linien, fehlende Hülsen und schlechte Pflege ärgern den 1. FC Hardtberg. Die Stadtverwaltung plant außerdem, die Hausmeisterwohnung wohnungssuchenden Flüchtlingen anzubieten.

Da wundert sich der Laie, und der Fußballer fasst sich an den Kopf. Was die Stadt sich beim Bau des neuen Kunstrasens am Wesselheideweg in Medinghoven einfallen ließ, lässt einen ratlos zurück.

Am auffälligsten ist die blaue Linie, die zwei Meter vor den Torauslinien mit Farbe abmarkiert wurden. Ein Warnsignal für schnelle Stürmer, dass der Platz bald zu Ende ist? Nein, es soll der Sicherheit dienen. Beim Querspielen auf Jugendtore will die Stadt damit zeigen, dass der Platz dort endet und Kinder nicht gegen die Pfosten der großen Tore laufen. „Aber da stellen wir doch sowieso immer Hütchen hin, damit das nicht passiert“, sagt Vereinsvorsitzender Bernd Schmidt.

Den Ballfangzaun wollte die Stadt nur zwei Meter hoch haben, nach einem Machtwort des Oberbürgermeisters setzte man noch drei Meter obendrauf. Dafür gibt es jetzt keine Öffnung, um dahinter liegende Bälle holen zu können. Auch nachträglich soll es keinen Durchgang im Zaun geben, so die Stadt. Schmidt: „Das bedeutet, jetzt müssen die Spieler immer ganz außen um den Zaun herumlaufen.“ Ganz bewusst, sagt die Stadt, damit sich Spieler nicht gegenseitig stören, wenn beide Plätze belegt sind. Als ob durch den fehlenden Durchgang ein Ball weniger verschossen würde.

Auf Hülsen für Eckfahnen wurde ebenfalls verzichtet, weil das laut Stadt Stolperstellen sind und sie sich mit Schmutz zusetzen. Statt dessen kaufte die Stadt Hartgummipömpel, worauf die gelben Fahnenmasten gesteckt werden. Die haben aber Spiel und stehen nun schief.

Die gebaute Umzäunung verlief zunächst um den gesamten Kunstrasenplatz, ohne eine Lücke zu lassen, um Jugendtore aufs Feld zu transportieren – ein Missverständnis, wie die Stadt sagt. Die Lücken wurden zwar nachträglich geschaffen, auch um den Platz überhaupt betreten zu können, aber das Pflaster wurde nicht versetzt. Schmidt: „Jetzt stehen die Jugendtore außerhalb des Platzes entweder im Matsch oder auf dem Pflaster, so dass sich die Zuschauer an der Stelle nicht mehr hinstellen können.“

Mit einem Nachbarn, der seit langer Zeit links der Umkleidekabinen wohnt, kommt der Fußballverein schon immer gut aus. Er spendete sogar für den Kunstrasenbau, weil er künftig weniger Staub und Lärm hinnehmen muss als beim alten Tennenbelag.

Trotzdem will die Stadt ihm jetzt womöglich eine Lärmschutzwand vor den Garten setzen, was dieser ablehnte. Schmidt: „Aber da wurde von dem Nachbarn verlangt, er hätte eine Baulast eintragen lassen sollen. Dass er das nicht gemacht hat, ist völlig verständlich.“ Also wird wohl noch die Wand vor die Naturhecke gesetzt, die Nachbars Garten und Sportplatz abtrennt. Die Stadt argumentiert, laut Schallgutachten sind die Lärmwerte zu hoch, deshalb müsse über Maßnahmen nachgedacht werden.

Nächster Fauxpas, wenn auch ein kleiner: Die Tore der Senioren wurden mit gelb-weißem Fangnetz ausgestattet, die Vereinsfarben sind aber rot-weiß-schwarz. Schmidt: „Es hätte dasselbe Geld gekostet, Netze in rot-weiß anzuschaffen.“ Die Stadt sagt, sie kaufe Netze immer in großen Mengen. „Deshalb kann keine Rücksicht auf Farben genommen werden.“

Der Kunstrasen auf dem Großspielfeld wird seit vier Wochen von den Mannschaften bespielt, muss aber nach Herstellerangaben einmal pro Woche abgezogen werden. Schmidt: „Das ist bisher noch nicht einmal passiert.“ Wohin schlechte Pflege führt, sehe man in Ippendorf und auf dem Brüser Berg, wo der Kunstrasenbelag so hinüber ist, dass man ihn jetzt komplett neu verlegt. Der Baufirma, die am Wesselheideweg tätig war, macht Schmidt ausdrücklich keine Vorwürfe. „Die haben gut gearbeitet. Die Vorgaben kommen von der Stadt Bonn.“

Und immer noch herrscht Baustopp auf dem Kleinspielfeld neben dem großen Kunstrasen, was in der Politik für Verärgerung sorgt: „Wenn ich mir den aktuellen Stand der Sanierung des Sportplatzes in Medinghoven anschaue, bekomme ich vor Wut Tränen in die Augen“, sagt der örtliche CDU-Stadtverordnete Bert Moll, der auch Planungssprecher seiner Ratsfraktion und eigentlich für seine Zurückhaltung bekannt ist. „Bereits im Frühjahr war die Eröffnung des neuen Kunstrasenplatzes mit angrenzendem Kleinspielfeld für den Trainingsbetrieb geplant“, erinnert Moll. „Dann kamen die Horrormeldungen noch ausstehender Lärm- und Lichtgutachten, die angeblich nötig seien, obwohl die Verwaltung dies schon zu Baubeginn hätte prüfen müssen.“ Die Stadt sagt, sobald die Genehmigung der Bezirksregierung aus Köln vorliegt, kann weitergebaut werden. Von dort habe es vor einigen Tagen aber noch Rückfragen gegeben.

Auch Moll sieht in den blauen Linien eine Verunstaltung, die keiner verstehe. „Ganz zu schweigen vom Zustand der Außenanlagen, der Umkleiden und Aufenthaltsbereiche im angrenzenden Gebäude, deren dringend notwendige Sanierung trotz Anfragen und Hinweisen auf die lange Bank geschoben wird.“ Obendrein wolle die Stadtverwaltung wohl die Hausmeisterwohnung auf dem Sportplatz wieder wohnungssuchenden Flüchtlingen anbieten, obwohl diese Wohnung sich in keinem guten Zustand befinde und nach ihrer Renovierung eigentlich für die Sport- und Quartiersarbeit in Medinghoven zur Verfügung stehen sollte.

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