Baseball-EM

Israels Nationalteam setzt auf US-Profis

Für zahlreiche MLB-Clubs spielte Danny Valencia bereits.

Für zahlreiche MLB-Clubs spielte Danny Valencia bereits.

Bonn. Innerhalb des vergangenen Jahres hat der Israelische Baseball Verband 18 Spieler eingebürgert - die dürfen jetzt bei der EM in Bonn spielen. Sie sollen helfen, die Qualifikation für Olympia 2020 in Tokio perfekt zu machen.

864 Spiele hat Danny Valencia in seiner Karriere absolviert – in der Major League Baseball (MLB), der höchsten amerikanischen Profiliga. Der 34-Jährige spielte dort unter anderem für die Minnesota Twins, die Boston Red Sox oder Baltimore Orioles. Auch Ty Kelly spielt in der MLB. 188 Mal lief er für die Philadelphia Phillies und die New York Mets auf. Aktuell spielen die Baseball-Profis in der Rheinaue in Bonn.

Geboren wurde Valencia in Miami, Kelly stammt aus Dallas. In Bonn nehmen die beiden gebürtigen US-Sportler an der Europameisterschaft teil – für Israel. Erst vor wenigen Wochen wurden die beiden Profis eingebürgert. „Für uns als Veranstalter ist das vollkommen in Ordnung“, sagt Angela Beckmann vom Organisationsteam der EM. „Sie haben die israelische Staatsangehörigkeit, also können sie auch spielen.“

Innerhalb des vergangenen Jahres hat der Israelische Baseball Verband (IAB) 18 Spieler eingebürgert. Valencia ist einer von ihnen. Er holte erst am 4. September seinen Reisepass in Tel Aviv ab, bevor es einen Tag später mit der Mannschaft nach Deutschland ging. Kelly wie auch einige andere aktuelle Spieler waren in den Wochen zuvor in der israelischen Hauptstadt. Alle haben israelische Wurzeln, in der Regel stammt ein Elternteil aus Israel. „In erster Linie bin ich in Israel, um Baseball zu spielen“, sagte Valencia der israelischen Tageszeitung „Haaretz“. „Auch wenn es großartig in Israel ist, bin ich nicht als Tourist hier hergekommen, ich bin als Olympionike hier.“

Einige Deutsch-Amerikaner in deutschen Team

Denn darum geht es: Das Turnier in Bonn ist neben der Europameisterschaft auch eine Vor-Qualifikation für einen weiteren Wettbewerb. Die besten fünf Teams in Bonn und Solingen reisen am nächsten Wochenende weiter nach Italien, um bei einem weiteren Turnier einen der begehrten sechs Plätze für die Olympischen Spiele in Tokio 2020 zu ergattern. Und Israel will mit seinem Team nach Japan. „Olympia zu erreichen, könnte einen Umbruch bedeuten. Olympia ist so groß in Israel“, sagte IAB-Präsident Peter Kurz der „Haaretz“. Nicht nur für Israel sind die Spiele bereits jetzt in Bonn das mittelfristige Ziel . „Bei Olympia zu spielen, ist für alle ein großer Traum“, sagt Philipp Würfel, Pressesprecher des Deutschen Baseball und Softball Verbandes (DBV).

Neu ist diese Praxis allerdings nicht. So hat Großbritannien vor der EM 2007 ebenfalls Spieler aus der amerikanischen Profiliga eingebürgert und überraschend die Silbermedaille und somit auch den Platz im Qualifikationsturnier in Taiwan für die Olympischen Spiele in Peking 2008 gewonnen. Auch Griechenland hat in der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele im eigenen Land 2004 Spieler mit griechischen Wurzeln aus Amerika und Kanada verpflichtet. Bei der EM 2003 reichte es für Griechenland zum Vize-Europameister-Titel.

Auch im deutschen Team spielen einige Deutsch-Amerikaner. Unter anderem die beiden Bonner Maurice Wilhelm und Eric Brenk. „Der gravierende Unterschied ist nur, wie schnell es mit der Einbürgerung klappt“, sagt Beckmann. „In Deutschland wäre es in diesem Zeitfenster nicht möglich.“ Tatsächlich gilt ein Baseballspieler als Baseball-Deutscher, wenn er fünf Jahre in Deutschland lebt. Die „Erlaubnis“, für Deutschland zu starten, erhält ein Spieler aber erst, wenn er acht Jahre in Deutschland lebt und einen deutschen Pass hat.

DBV setzt auf Nachwuchsförderung

„Ich halte den Weg, den Israel geht, für schwierig. Das EM-Ergebnis zeigt ja nicht die aktuelle Stärke Israels“, sagt Georg Apfelbaum, Vorsitzender der Cologne Cardinals und Baseball-Dozent an der Deutschen Sporthochschule in Köln. „Natürlich ist kurzfristig ein Erfolg zu sehen. Aber es fehlt die Nachhaltigkeit. Ich glaube nicht, dass die Einbürgerung dem israelischen Baseball langfristig hilft. Ziel muss immer die Jugendarbeit sein.“

Das zeigen auch die Beispiele aus der Vergangenheit. Das britische Nationalteam ist bei den vergangenen beiden Europameisterschaften nur auf Rang acht und elf gelandet. Das griechische Team kam seit der Vize-Europameisterschaft und dem siebte Platz bei den Olympischen Spielen in Athen 2004 nur noch 2010 in Medaillennähe.

Der DBV setzt hingegen auf eigene Nachwuchsförderung, die Erfolg zeigt. „Wir sind im Nachwuchsbereich im Kommen“, sagt Würfel. Bei den vergangenen Jugend-Europameisterschaften haben die U12, U15 und U23 jeweils eine Medaille erzielt. Ziel sei es nun, diesen Erfolg auch in den Herrenbereich zu tragen, so Würfel. Diese Nachwuchsförderung zielt auch auf eine Verknüpfung mit der MLB ab. Dann könnten auch weitere deutsche Spieler wie Max Keppler bald ähnlich viele Spiele aufweisen wie Danny Valencia.