Olympischer Stichtag

Lake Placid 1980: Wo ist Behle?

Lake Placid. Mit dem Ausspruch "Wo ist Behle?" verhilft Sportreporter Bruno Moravetz eben jenem Jochen Behle eine ungeahnte Popularität. Um eine Medaille kämpfte der heutige TV-Experte nie.

Wo ist Behle? In diesen olympischen Tagen fällt die Antwort nicht schwer. Natürlich an den Loipen und Skating-Strecken von Pyeongchang, wo der Eurosport-Experte die Wettbewerbe kommentiert, mit den Athleten im regen Kontakt steht und zuweilen auch mit jenen leidet, die er früher als Bundestrainer betreut hat. Schließlich ist der frühere Langläufer zehn Jahre lang – von 2002 bis 2012 – in verantwortlicher Position für den Deutschen Skiverband tätig gewesen.

Die Frage „Wo ist Behle?“ hat wie kaum eine andere im deutschen Sport jenen Jochen Behle bekannt gemacht, der ansonsten wohl kaum über seine Sportart hinaus diese Popularität erfahren hätte. Denn das, was zählt im Sport, nämlich Medaillen, konnte der gebürtige Nordhesse von Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften nicht mitbringen. Einen einzigen Weltcup-Sieg hat er auf seiner Habenseite.

„Wo ist Behle?“ Am 17. Februar 1980 stellt der ZDF-Reporter Bruno Moravetz diese Frage. An diesem Tag ist der 19-jährige Nachwuchslangläufer aus Willingen im Hochsauerland einer von vier bundesdeutschen Startern beim olympischen 15-Kilometer-Lauf von Lake Placid. Mit einer frühen Startnummer ausgestattet stürmt der junge Mann bei der 5-Kilometer-Marke an die Spitze des Feldes. Das aber kann Moravetz nur auf der Liste der Zwischenzeiten erkennen. Weil die Fernsehkameras in den verschneiten Wäldern des Mount van Hoevenberg den jungen Behle nicht einfangen, ruft der ZDF-Mann mit seiner tiefen Stimme fast schon verzweifelt nach ihm.

Am Ende kommt Behle als bester Mitteleuropäer sensationell auf den zwölften Platz. In einem Rennen, das auch aus einem anderen Grund in die Sportgeschichte eingegangen ist. Denn den Sieger Thomas Wassberg aus Schweden trennt vom Zweiten Juha Mieto (Finnland) nur eine Hundertstelsekunde – der Internationale Skiverband schafft daraufhin die Messung in Hundertsteln ab.

Auch nach seiner Läuferkarriere begleitet Behle die Frage immer noch, wie er einmal dem WDR sagte. Mehr als früher sogar. Dass es ihn nervt, wenn die Menschen immer wieder fragen „Wo ist Behle?“ - das könne er aber nicht sagen. „Der Spruch ist mit mir verbunden, und ich werde ihn wohl auch nicht mehr loswerden.“ Seine Popularität und die seiner Sportart haben darunter jedenfalls nicht gelitten.