Nach Tod eines Läufers in Heimerzheim: Wie Veranstalter das Risiko gering halten können

Nach Tod eines Läufers in Heimerzheim : Wie Veranstalter das Risiko gering halten können

Ein tragischer Todesfall hat am vergangenen Samstag den Sechs-Stundenlauf in Heimerzheim überschattet. Auch beim Kölner RheinEnergie-Marathon war 2017 ein Läufer verstorben. Veranstalter versuchen, das gesundheitliche Risiko möglichst gering zu halten.

Bei Sportveranstaltungen sollen vor allem die Freude über die eigene Leistung, das Ergebnis des monatelangen Trainings oder einfach nur der Spaß an der Bewegung im Vordergrund stehen. Umso tragischer ist es, wenn solche Events von Todesfällen überschattet werden, wie am Wochenende in Heimerzheim. Dort war beim 2. Sechs-Stundenlauf der Heimerzheimer LG am Samstag ein Teilnehmer im Zielbereich zusammengebrochen. Der 58-Jährige wurde vor Ort notärztlich versorgt, verstarb jedoch wenig später im Krankenhaus.

Auch beim Kölner RheinEnergie-Marathon war 2017 ein Läufer auf der Halbmarathondistanz nach elf Kilometern zusammengebrochen und später im Krankenhaus gestorben. In Bonn kam es beim Marathon 2005 zu einem Todesfall. Damals war ein 38-Jähriger auf der Halbmarathondistanz kollabiert und trotz sofort eingeleiteter Wiederbelebungsmaßnahmen durch das Deutsche Rote Kreuz verstorben.

„Wir weisen die Teilnehmer im Vorfeld auf die gesundheitlichen Risiken hin“, erklärt Kai Meesters, Pressesprecher von der Agentur MMP Event, die den Deutsche Post Marathon in Bonn veranstaltet. Wer sich an den Start begibt – dabei sei es egal, ob für einen Halbmarathon, Marathon oder eine Staffel –, sollte ausreichend trainiert und gesund sein und sich das auch von einem Arzt attestieren lassen, so Meesters.

Bei der Anmeldung zum Bonner Marathon können Teilnehmer über einen anonymen und freiwilligen Onlinefragebogen eine Einschätzung dazu erhalten, ob bei ihnen ein gesundheitliches Risiko vorliegen könnte, das untersucht werden sollte. Die Organisatoren bieten dafür einen Test an, den die Vereinigung German-Road-Races – ein bundesweiter Zusammenschluss von Laufveranstaltungen – gemeinsam mit der Deutschen Sporthochschule Köln und der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention konzipiert hat.

„Niemand weiß, ob er gefährdet ist"

Innerhalb weniger Minuten klicken sich die Teilnehmer durch die Seiten und beantworten dabei Fragen zu Vorerkrankungen sowie Trainings- und Ernährungsgewohnheiten. Unter anderem sollen die Teilnehmer angeben, ob sie übergewichtig, Raucher oder Diabetiker sind. Am Ende gibt das System eine Empfehlung ab, welche gesundheitlichen Risiken die Teilnehmer vorher untersuchen lassen sollten. Das Ergebnis kann ausgedruckt zu einer sportärztlichen Untersuchung mitgebracht werden.

„Niemand weiß, ob er gefährdet ist. Umso wichtiger ist es, sich durchchecken zu lassen“, sagt Meesters. Auch verschleppte Erkältungen oder versteckte Entzündungen im Körper könnten bei der ungewohnten Wettkampfbelastung zu Problemen führen.

Der Veranstalter des Bonn Triathlons weist auf seiner Homepage darauf hin, dass „jeder auf eigene Gefahr und eigenes Risiko startet und der Trainings- und Gesundheitszustand den Anforderungen des Wettkampfes entspricht“. Die Organisatoren kleinerer Veranstaltungen sichern sich mit einer standardisierten Formulierung ab: „Haftung erfolgt lediglich im Rahmen der Sporthilfe NRW. Die Teilnahme erfolgt auf eigenes Risiko. Der Veranstalter übernimmt keinerlei Haftung für Unfälle, Diebstähle und sonstige Schadensfälle.“

Sonderregelungen zum Fitnesszustand gibt es im Prinzip nur bei Marathon- oder Ultraläufen. Auch die Organisatoren des Kölner Marathons bietet einen solchen Online-Selbsttest an. Neben der Anmeldung finden Läufer auf der Internetseite den „Persönlichen Aktivitäts- und Präventions-Screening-Test“ – kurz Paps-Test. Beide Fragebögen basieren im Kern auf dem Physical Activity Readiness Questionnaires, kurz PAR-Q, den kanadische Wissenschaftler entwickelt haben, und der den allgemeinen Gesundheitszustand analysieren sollen. „Wir raten jedem Teilnehmer, gesund an den Start zu gehen“, sagt auch Jan Broniecki, Pressesprecher des RheinEnergie Marathons.

Wie die medizinische Betreuung während der Veranstaltung aussehen soll, ist hingegen klar geregelt. So stehen in Köln im Abstand von zwei bis drei Kilometern Rettungswagen und mobile Einheiten, die sich mit Fahrrädern den Weg zu Verletzten bahnen können. Zusätzlich gibt es im Zielbereich ein Versorgungszelt mit 20 bis 30 Betten und einer kleinen Intensivstation. „Wir haben ein engmaschiges Netz über die Stadt gelegt“, erklärt Broniecki. Auch in Bonn werden bei Laufveranstaltungen Sanitäter in regelmäßigen Abständen entlang der Strecke postiert. Der Sechs-Stundenlauf in Heimerzheim war vom Rhein-Sieg-Kreis und der Gemeinde Swisttal genehmigt und die Rettungsstation in Heimerzheim über das Event informiert worden.

Dass es trotz dieser Vorkehrungen immer wieder zu Zwischenfällen bei Sportveranstaltungen kommt, hat viele Gründe. Neben versteckten gesundheitlichen Risiken überschätzen manche Läufer – motiviert durch die anderen Läufer und die jubelnden Zuschauer – auch ihr Können. Letztlich läuft jeder auf eigenes Risiko. „Es ist eine Breitensportveranstaltung, jeder sollte gesund ins Ziel kommen“, sagt Meesters.

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