Eishockey in Köln: Was sind die Gründe für die Krise der Kölner Haie?

Eishockey in Köln : Was sind die Gründe für die Krise der Kölner Haie?

Der Fehlstart der Kölner Haie ist spätestens nach dem 1:3 beim ERC Ingolstadt und dem damit verbundenen Absturz auf den vorletzten Tabellenplatz perfekt. Doch was sind die Gründe für die handfeste Krise des KEC? Ein Erklärungsversuch.

Der Fehlstart der Kölner Haie in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) hat sich zu einer handfesten Krise ausgeweitet. Durch die 1:3-Niederlage im Kellerduell beim ERC Ingolstadt rutschte die Mannschaft des neuen Trainers Mike Stewart auf den vorletzten Tabellenplatz ab. Von ihrem eigentlichen Saisonziel, das Playoff-Viertelfinale sicher zu erreichen und den Rückstand auf die Branchenprimusse Red Bull München und Adler Mannheim zu verringern, sind die Kölner derzeit weit entfernt. Die Gründe dafür sind vielfältig:

Offensive ohne Durchschlagskraft: In neun Spielen haben es die Haie auf mickrige 16 Treffer gebracht – so wenige wie kein anderes DEL-Team. In Ingolstadt schossen die Kölner zwar 35 Mal auf das gegnerische Gehäuse, machten aus ihren Möglichkeiten aber so gut wie nichts. In den meisten Begegnungen agierte der KEC jedoch zu einfallslos und brachte zu wenige Scheiben vor das Tor, weshalb zwingende Möglichkeiten rar blieben. Das Powerplay mit einer Effizienz von mageren 10,53 Prozent liegt ebenfalls brach. Nur die Eisbären Berlin treffen in Überzahl noch seltener. Hinzu kommen immer wieder Scheibenverluste in der neutralen Zone, durch die die Haie ins offene Messer laufen.

Leistungsträger im Formtief: Die Krise der Offensiv-Abteilung ist auch eine Krise ihrer Einzelspieler. Mit Ausnahme von Sebastian Uvira und Jason Akeson (jeweils vier Tore und zwei Vorlagen) agiert der komplette Angriff unter seinen Möglichkeiten. Erfahrene Kräfte wie Colby Genoway (zwei Tore) oder Neuzugang Jon Matsumoto (ein Tor) scheinen derzeit mehr mit sich selbst zu kämpfen. Nationalspieler Frederik Tiffels (ein Tor) und die noch gänzlich ohne Treffer dastehenden Ben Hanowski und Fabio Pfohl blieben einen Beweis ihrer Scoring-Qualitäten bislang schuldig. Lucas Dumont hat im bekanntlich schwierigen zweiten Jahr den nächsten Schritt noch nicht getätigt. Um die Blockaden zu lösen, ist Stewart nun auch als Psychologe gefragt. Der Zugang in die Köpfe seiner Spieler sollte ihm gelingen: Aus dem Team ist nur Gutes über den Austro-Kanadier zu hören. Und der Wille ist den Profis auch nicht abzusprechen. Fehler in der Kader-Zusammenstellung: Immer mehr kristallisiert sich heraus, dass es von Sportdirektor Mark Mahon als hauptverantwortlichem Kaderplaner riskant war, Marcel Müller fest im Aufgebot einzurechnen. Seit seiner schweren Knieverletzung vor anderthalb Jahren hat der zur Saison 2018/19 zu den Kölnern zurückgekehrte Angreifer kein einziges Pflichtspiel mehr bestritten. Müller trainiert zwar seit geraumer Zeit mit der Mannschaft, eine Rückkehr in den Wettkampf ist jedoch noch immer nicht absehbar. Der Zeitpunkt für die erforderliche Nachbesserung auf dem ohnehin schwierigen deutschen Spielermarkt wurde verpasst, was eine weitere Schwächung für den infolge von Sparzwängen vor Saisonbeginn verschlankten Kader bedeutet. Zudem verfügen die Kölner über keinen echten Blueliner – eine Baustelle, die seit der Trennung von Shawn Lalonde vor fast zwei Jahren nie richtig behoben wurde. Selbst der inzwischen schon nicht mehr beim KEC spielende Morgan Ellis benötigte in der vergangenen Saison eine längere Anlaufzeit, um in die Rolle als Scharfschütze aus der Distanz zu schlüpfen.

Verletzungsprobleme: Die Personalmisere, die sich wie ein roter Faden durch die abgelaufene Spielzeit zog, setzt sich auch in der neuen Runde fort. Mit Kapitän Moritz Müller (Innenbandriss im Knie) fehlt noch bis mindestens Ende November eine Führungspersönlichkeit und Abwehrstütze. Durch den zusätzlichen Ausfall von Dominik Tiffels (Leistenverletzung) herrscht in der Verteidigung Personalknappheit. Zeitweise standen nur fünf Abwehrspieler zur Verfügung. Auf den jungen Colin Ugbekile und Simon Gnyp liegt eine auf Anhieb vielleicht zu große Verantwortung. Zudem konnte der als Leader eingeplante Stürmer Jason Bast wegen eines Innenbandrisses erst drei Spiele für seinen neuen Club absolvieren.

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