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Sport fernab von Fitnessstudios: Mit der App im Wohnzimmer

Coronavirus und Fitnessstudios : Sport fernab von Fitnessstudios: Mit der App im Wohnzimmer

Mit der Schließung der Fitnessstudios und Sportanlagen steigen Anbieter und Vereine auf Alternativen um – mit Video-Kursen per Livestream. Ein Überblick über die digitalen Angebote.

Seit Dienstag sind die Fitnessstudios und Sportanlagen in Bonn und der Region menschenleer. Dort, wo sonst laute Musik aus den Boxen dröhnt, herrscht nun Stille. Keine morgendlichen Yoga-Kurse, keine schweißtreibenden Langhantel-Workouts zum Feierabend – eine Maßnahme, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Dabei ist gerade Sport wichtig, um gesund zu bleiben. „Bewegung ist das Beste, was man fürs Immunsystem tun kann“, sagt Maurice Mülder, Sportwissenschaftler und Athletiktrainer des Frauenfußball-Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen. Trotz der Einschränkungen müssen Hobbyathleten nicht auf Sport verzichten – Fitnessstudios und Vereine stellen derzeit ihr Angebot auf Online-Kurse um, nach denen sich jeder auch in den eigenen vier Wänden fit halten kann.

Die Beueler „Sportfabrik“ überträgt vier Kurse pro Tag im Live-Stream auf ihrem Youtube-Kanal – auch Nicht-Mitglieder können die Videos ansehen und mitmachen. „Wir haben den Zugang nicht beschränkt, weil wir es nicht können, aber auch nicht wollen“, erklärt Anne Nöthen, zuständig für das Marketing bei der Sportfabrik. Zwei der Kurse finden vormittags statt, zwei am Nachmittag. Welche das jeweils sind, wird am Vorabend auf der Facebookseite bekannt gegeben. Über den Youtube-Kanal werden außerdem Vorträge zu den Themen Ernährung, Fitness und Stressbewältigung ausgestrahlt. Das Feedback der Mitglieder sei bislang durchweg positiv, so Nöthen.

Die Mitglieder der bundesweiten Kette „McFit“ erhalten für die Dauer der Schließung einen Zugang zum Online-Fitness-Portal „Cyberobics“, um ihr Training fortsetzen zu können. Auch die Abonnenten von „Fitness First“ am Bonner Marktplatz haben Zugang zu einem Online-Fitnessstudio und der App „New Move“. Auf der Internetseite finden sich zudem zehnminütige Videos. Darin zeigen die Trainer unter anderem Kraft- und Yoga-Übungen – jeweils in drei verschiedenen Schwierigkeitsstufen.

Für den Zeitraum der angeordneten Schließung wollen die Fitnessstudios die Mitgliedsbeiträge später zurückerstatten oder in Gutscheine umwandeln.

Und auch die Vereine nutzen immer mehr das Heimtraining per Video-Anleitung: So hat der Kickboxverein Tomburg Boxing Rheinbach, bei dem unter anderem die mehrfache Weltmeisterin Sarah Liegmann trainiert, in den vergangenen Tagen ein virtuelles Training angeboten.

Nach einem ähnlichen Prinzip funktionieren auch reine Online-Fitness-Portale. Die Mitglieder zahlen einen monatlichen Beitrag, entscheiden sich für ein Trainingsziel und trainieren anhand von Mitmach-Videos eines professionellen Fitnesstrainers im Wohnzimmer. Je länger die Abo-Dauer, desto günstiger wird der monatliche Beitrag. Der Anbieter „Gymondo“ umfasst 60 verschiedene Fitnessprogramme, 750 Workouts und mehr als 2000 Rezepte. Sportinteressierte können hier beispielsweise Trainingspläne wie „Schlank in zehn Wochen“ oder „Stretch & Relax“ wählen. Auch Promis werben auf der Plattform mit ihren personalisierten Programmen. Abomodelle gibt es derzeit mit drei, sechs oder zwölf Monaten Laufzeit – für knapp sieben bis 13 Euro pro Monat. Wer das Onlinetraining zunächst ausprobieren möchte, kann derzeit einen Monat lang kostenlos mittrainieren.

Auch „FitnessRaum“ lässt sich zunächst sieben Tage lang testen, bevor eine Mitgliedschaft kostenpflichtig wird. Der Anbieter wirbt mit einer Auswahl von rund 1000 Kursen, jeden Monat sollen neue Videos hochgeladen werden. Zudem gibt es 30 Programme aus 20 Sportarten und einen Ernährungsplan. Als Motivationshilfe werden die Workout-Videos an exotischen Orten oder Urlaubsdestinationen gedreht. Auch hier gibt es Vergünstigungen bei einem längeren Abonnement – angefangen bei 12,50 Euro bis hin zu 7,40 Euro pro Monat. Die Kurseinheiten dauern zwischen fünf Minuten und zwei Stunden.

Eine der erfolgreichsten Fitness-Apps der vergangenen Jahre ist „Freeletics“. 2013 von drei Münchener Studenten in Zusammenarbeit mit Sportwissenschaftlern entwickelt, zählt das Unternehmen mittlerweile weltweit mehr 40 Millionen Nutzer. In den App-Stores ist eine kostenlose Version verfügbar, die Workout-Videos zum Nachmachen zeigt. Trainiert wird mit dem eigenen Körpergewicht – mit Bewegungsabläufen, die an Militär-
übungen angelehnt sind. Ziel ist es, „Athena“, „Hades“ oder „Odysseus“ so schnell wie möglich zu absolvieren, die App stoppt die Zeit. Individuelle Trainingspläne gibt es allerdings erst mit dem sogenannten Coach, der im Monatsabo gebucht wird. Dahinter verbirgt sich jedoch kein echter Trainer, sondern eine Künstliche Intelligenz, die mittels Algorithmen und Trainingsleistungen den Übungsplan angleicht.

Wer hingegen Entspannung braucht, kann sich in der kostenlosen App „Asana Rebel“ passende Yoga-Einheiten vorschlagen lassen und diese auf der eigenen Yoga-Matte im Wohnzimmer nachmachen. Die Übungen lassen sich nach Dauer, Intensität, Trainingsziel und beanspruchter Körperpartie filtern. Ein Kalender speichert zudem die bereits absolvierten Übungen. Die Basis-Version mit einigen Videos ist kostenlos. Wer alle Funktionen nutzen möchte, muss auch hier ein Abo abschließen.