Internationales Paralympisches Komitee in Bonn feiert Jubiläum

Hindernisse gemeinsam meistern : Paralympics-Komitee feiert 30-jähriges Bestehen in Bonn

Das Internationale Paralympische Komitee hat sein 30-jähriges Bestehen am Hauptsitz Bonn gefeiert. Mehr als 500 Delegierte der paralympischen Bewegung wurden in die Bundesstadt eingeladen.

Zunächst noch etwas unsicher steht Elaheh Gholi Fallah auf der Bühne des „New York“-Saals im World Conference Center Bonn. Soeben hat sie bei den Paralympic Awards den „BP Courage Award“ überreicht bekommen, der sie als ermutigende und motivierende Sportlerin auszeichnet und der Fallah bei der Überreichung tosenden Beifall von den Gästen beschert. „Es ist so aufregend, unter Millionen von Athleten mit Beeinträchtigung diesen Award zu gewinnen“, sagt sie ins Mikrofon.

Elaheh Gholi Fallah ist blind, Skilangläuferin und die erste iranische Frau, die bei den Paralympischen Spielen teilgenommen hat. Bei der Winterausgabe der Sportwettbewerbe für Sportler mit Behinderung im vergangenen Jahr in Pyeongchang, Südkorea, erreichte sie den elften Platz im Freistil-Sprint. Doch nicht ihre sportliche Leistung war ausschlaggebend für die Auszeichnung, sondern vielmehr ihr Auftreten außerhalb des Wettbewerbes, ihr Einsatz für Sportler mit Behinderung und der Mut, den sie anderen Menschen macht, sich nicht von körperlichen Einschränkungen beim Umsetzen ihrer Ziele aufhalten zu lassen.

Sie selbst hat auf dem Weg zu ihrer ersten Paralympics-Teilnahme Hindernisse aus dem Weg räumen müssen. Noch immer gibt es im Iran keine Gleichberechtigung von Männern und Frauen, immer noch werden Iranerinnen in diversen Bereichen der Gesellschaft diskriminiert. Umso stärker wirkt die Botschaft von Elaheh Gholi Fallah, die sich mittlerweile mit Selbstvertrauen und Entschlossenheit an die paralympische Bewegung, aber auch an die ganze Gesellschaft wendet: „Dieser Preis ist eine Auszeichnung für mich, aber gleichzeitig auch eine Verantwortung“, sagt sie. „Ich will immer noch mehr machen und eine Motivation für andere sein. Wir überwinden unsere Hindernisse zusammen.“

Die Basis für das Überwinden von Hindernissen bildet das Internationale Paralympische Komitee (IPC), das vergangene Woche sein 30-jähriges Bestehen feierte und aus diesem Anlass mehr als 500 Delegierte der paralympischen Bewegung nach Bonn, dem Hauptsitz des IPC, geladen hat.

Meetings, Konferenzen, politische Diskurse, in denen Ausblicke auf die nächsten Paralympischen Spiele gegeben wurden, die Paralympic Awards und ein Galadinner standen auf der Agenda des IPC und boten den Delegierten einen arbeitsreichen Aufenthalt in Bonn, der allerdings auch genügend Zeit bot, das Jubiläum gebührend zu feiern und einen Rückblick auf die Vergangenheit zu werfen.

Am 22. September 1989 wurde das Internationale Paralympische Komitee in Düsseldorf gegründet. Zehn Jahre lang hatte es dort seinen Hauptsitz, ehe dieser 1999 nach Bonn verlegt wurde, das seitdem den Standort für eine internationale Organisation bietet, die ihre Ideen und Ziele von Bonn aus in die ganze Welt trägt. „Das IPC-Team bereist fast alle Länder. Bonn liegt in der Nähe der Flughäfen Köln/Bonn, Düsseldorf und Frankfurt am Main“, sagt Craig Spence, Leiter der Marketing- und Kommunikationsabteilung. „Außerdem bietet die Stadt exzellente Einrichtungen für Konferenzen und Tagungen. Wir fühlen uns hier sehr wohl und willkommen.“

Die Parameter für das Umsetzen der Ziele des IPC sind somit gegeben und auch von Nöten. Denn die Ziele sind ehrgeizig und sollen die rasante Entwicklung der paralympischen Bewegung in den vergangenen Jahrzehnten noch weiter vorantreiben. Die ersten offiziellen Paralympischen Spiele fanden 1960 in Rom statt, 400 Athleten aus 23 Ländern nahmen damals daran teil. 1976 wurden in Schweden erstmals auch die Paralympischen Winterspiele ausgetragen, seit 1988 (Sommerspiele) und 1992 (Winterspiele) finden die Paralympics immer am selben Austragungsort wie die Olympischen Spiele statt. Bei den jüngsten Paralympischen Sommerspielen in Rio 2016 gingen über 4000 Athleten an den Start, bei den Winterspielen in Pyeongchang waren es über 5700 Teilnehmer – die Zahlen sind weiterhin steigend.

„In den nächsten Jahren wollen wir die Paralympischen Spiele noch größer und besser machen und den Sport mit Behinderung weiter in der Gesellschaft integrieren“, sagt Spence. Er geht davon aus, dass bei den Paralympischen Winterspielen in Tokio 2020 mehr als 2,5 Millionen Tickets verkauft werden und über vier Milliarden Menschen in mehr als 150 Ländern die Wettkämpfe im Fernsehen oder im Internet mitverfolgen werden. Bereits jetzt stellen die Paralympics nach den Olympischen Spielen und der Fußball-Weltmeisterschaft das drittgrößte Sportevent dar.

Hindernisse müssen weiter überwunden werden, doch das IPC ist dabei schon lange auf dem richtigen Weg.

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