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Kommentar: Falsches Signal

Kommentar : Falsches Signal

Wenn eine wahre Journalistenmeute mit 18 Kamerateams einem Mann eine Bühne bereitet, der nach jahrelangem Leugnen des Dopings überführt wurde, so wirft das kein gutes Licht auf die Sensationsgier in unserer Medienlandschaft.

Lance Armstrong wurden alle seine sieben Tour-Siege aberkannt. Er muss heute um seine Millionen fürchten, weil frühere Sponsoren argumentieren, er habe sie durch seine jahrelange Doping-Praxis wissentlich getäuscht und das viele Geld unter Vortäuschung falscher Tatsachen erschlichen. Bei solchen Klagen sind amerikanische Gerichte nicht gerade zimperlich.

Viele Radsportfreunde glauben oder wollen glauben, dass die dopingverseuchte Zeit der Armstrongs, Ullrichs oder Riis' überwunden ist. Sogar die öffentlich-rechtlichen TV-Sender ARD und ZDF kehrten zu täglichen Live-Übertragungen zurück. Heute, so heißt es, steht die neue Generation für sauberen Radsport. Obwohl - Zweifel sind angebracht.

Wer etwa gesehen hat, wie Christopher Froome am Dienstag auf der ersten Bergetappe allen anderen geradezu davonflog, kann schon ins Grübeln kommen. Zumal Froome immer wieder mal mit Dopinggerüchten konfrontiert wird. Mal hat er eine Dopingprobe verpasst, dann beantragte der Brite eine Ausnahmegenehmigung zur Behandlung einer Bronchialinfektion - mit Clenbuterol, das auch schön schlank und sehr stark machen kann.

Der eigentliche Skandal aber ist, dass ausgerechnet das Doping-Monster Armstrong jetzt die Zweifel an seinem Nachfolger streut.

Auch die schlimmsten Skandale haben die Faszination der Tour nicht kaputtmachen können. Auftritte wie der von Armstrong aber schaden diesem Sport. Er wäre besser zu Hause in Colorado geblieben.