Kommentar zur Tour de France: Die Tour macht Lust auf mehr

Kommentar zur Tour de France : Die Tour macht Lust auf mehr

Auch wenn die deutschen Fahrer bei der diesjährigen Tour de France keinen Etappensieg einfahren konnten war die "große Schleife" auch aus deutscher Sicht ein voller Erfolg, kommentiert GA-Redakteur Simon Bartsch.

Die Statistik lügt nicht – eine dieser zahlreichen Floskeln, die jedem Phrasenschwein dieser Welt das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen. Nimmt man die blanken Zahlen der aktuellen Tour de France zur Hand, ist die Ausbeute der deutschen Radprofis tatsächlich sehr bescheiden. Etappensiege? Null. Tage in einem der begehrten Wertungstrikots? Null.

Doch dass Statistik eben nicht alles ist, zeigt sich dieses Jahr auf eindrucksvolle Weise. Emanuel Buchmann hat mit seiner Leistung eine Lücke gefüllt, die der deutsche Tour-Sieger von 1997, Jan Ullrich, hinterlassen hat: Deutschland hat wieder einen Fahrer für das Gesamtklassement. Buchmann hat so viele Zuschauer vor den Fernseher gelockt, wie es einst nur Ullrich und Andreas Klöden taten. Er hat Vorfreude auf die beeindruckenden Etappen in den Bergen geweckt – eine Kulisse, in der deutsche Fahrer in der Vergangenheit oft nur noch Statisten waren. Gleichzeitig hat Buchmann die letzten Zweifel ausgeräumt, er sei kein Mann für die ganz großen Schleifen. Ist er. Natürlich kam dem Ravensburger der Streckenplan entgegen. Doch das schmälert seine Leistung nicht.

Die deutschen Hoffnungen allerdings nur an dem grandiosen Auftritt Buchmanns festzumachen, wird anderen Fahrern nicht gerecht. Ein Lennard Kämna hat ebenfalls seine Fähigkeit in der Höhe eindrucksvoll bewiesen. Die Zukunft dürfte also auch dem Bergfloh aus dem Norden gehören. Dazu der nimmermüde Kölner Nils Politt, der gefühlt täglich sein Heil in der Flucht gesucht hat, und die mannschaftsdienlichen Auftritte des Wahlkölners Nikias Arndt oder von Roger Kluge. Auch eine deutsche Tour-Entdeckung am Mikrofon hat beeindruckt: Der ehemalige Radprofi und Rennleiter der Deutschland-Tour, Fabian Wegmann, der mit seiner Expertise und den punktgenauen Einschätzungen Erinnerungen an fast schon legendäre TV-Übertragungen der Sportschau geweckt hat.

Obwohl Simon Geschke und Co. den erhofften Etappensieg verpasst haben und obwohl Tony Martin von der Tour ausgeschlossen wurde – der Auftritt der deutschen Fahrer hat nicht nur einfach Spaß gemacht. Nein, er macht Appetit auf mehr. Er weckt die Hoffnung, dass es auch in Deutschland wieder einen Radsport-Boom geben wird. Verdient haben sich die jungen Wilden das allemal.

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