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48. Löwe von Bonn: Deutsche Fechter wahren ihre Olympia-Chancen

48. Löwe von Bonn : Deutsche Fechter wahren ihre Olympia-Chancen

Bei der 48. Ausgabe des Herrenflorett-Weltcupturniers „Löwe von Bonn“ hat das deutsche Team einen guten achten Platz belegt. Der Franzose Julien Mertine gewann das Einzel. Bester Deutscher wurde Benjamin Kleibrink.

Es spielen sich Jahr für Jahr kleine Dramen beim „Löwen von Bonn“ ab. Manche auf der Planche, manche im Hintergrund. So begab es sich, dass bei der 48. Ausgabe der chinesische Nationaltrainer am Sonntag in einer Ecke hinter der Hardtberghalle von einem Funktionär dermaßen heruntergeputzt wurde, dass man nicht lange spekulieren musste, was passiert war. Die ehrgeizigen Fechter aus dem Reich der Mitte waren bei dem traditionsreichen Herrenflorett-Weltcupturnier bereits im Achtelfinale ausgeschieden – und das sang- und klanglos mit 33:45 ausgerechnet gegen den Erzrivalen Japan.

Solche Sorgen hatte Bundestrainer Uli Schreck nicht. Im Gegenteil. Seine Mannschaft erreichte das Viertelfinale und erfüllte damit im Hinblick auf die Rangliste für die Olympia-Qualifikation ihre Pflicht. Doch es kam noch besser: Bis auf Russland schnitt keine andere europäische Mannschaft besser ab. Die Deutschen schlugen Schweden mit 45:13 und kämpften dann die Ägypter mit 45:40 nieder.

Die 30:45-Niederlage gegen die USA im Viertelfinale war kein Beinbruch, denn der spätere Sieger gehörte auch im Einzel zu den dominierenden Nationen. Dort trumpfte Peking-Olympiasieger Benjamin Kleibrink auf, focht sich bis ins Viertelfinale und wurde am Ende Siebter. Gestoppt wurde der Düsseldorfer erst vom späteren Turniersieger Julien Mertine (3:15). Der Franzose zeigte angriffslustiges, selbstbewusstes Fechten und stemmte nach dem 15:9-Erfolg im Finale gegen den US-Amerikaner Gerek Meinhardt die Löwen-Trophäe in die Höhe.

In die Enge getrieben geht der Ägypter Mohamed Hamza zu Boden. Benjamin Kleibrink versucht, einen Treffer zu setzen. Foto: Wolfgang Henry

„Ägypten ist eine unangenehme Mannschaft“, wusste Schreck vor dem Achtelfinale. Die Fecht-Pharaonen hatten unter anderem Alaaeldin Abdouelkassem, den Vize-Olympiasieger von 2012, in ihren Reihen. Die Deutschen, angetreten mit Kleibrink, Peter Joppich (Koblenz) und Lokalmatador André Sanita (OFC Bonn), starteten zwar gut und lagen nach vier Gefechten mit 20:15 vorn, doch dann schien es so, als zeigten die Schreck-Schützlinge Nerven. Die Ägypter wendeten das Blatt: 26:30, nachdem Kleibrink und Sanita zwei schwächere Auftritte hatten. Der Bonner, noch genervt von seinem enttäuschenden Abschneiden im Einzel (108. Platz), knallte nicht nur einmal Helm und Waffe in die Bande. „Ich war gut vorbereitet, deshalb kann ich mir das nicht erklären“, blickte der 27-Jährige später auf das Einzel zurück.

Doch trotz des ein oder anderen Aussetzers war der OFC-Athlet an der Wende gegen die Ägypter beteiligt. Er brachte sein Team wieder in Führung (35:34), ehe der viermalige Weltmeister Joppich, der im Einzel nur auf Rang 63 landete, und Kleibrink mit einem starken letzten Gefecht gegen Abouelkassem den Sieg perfekt machten.

Benjamin Kleibrink Foto: Wolfgang Henry

„Es war zu erwarten, dass es nicht so einfach wird“, sagte Kleibrink. „Die Ägypter, die schon für Olympia qualifiziert sind, konnten ohne Druck auftreten, und wir mussten um jeden Punkt kämpfen.“ Der ehemalige OFC-Fechter durfte am Ende mit sich zufrieden sein. Mit dem siebten Platz am Samstag brachte er sich als möglicher Einzel-Qualifikant für Olympia in Position, und mit dem Team, das mit drei Fechtern ebenfalls im Einzel starten dürfte, bleibt die Équipe des Deutschen Fechterbundes ebenfalls auf Kurs Tokio. „Bis dahin haben wir aber noch einige Weltcupturniere vor uns. Wir müssen weiter liefern“, blickte Kleibrink voraus.

Seine klare Viertelfinal-Niederlage im Einzel gegen Mertine nahm er nicht so tragisch: „Er ist ein sehr unangenehmer, unkonventionell fechtender Gegner. Bei Fertig-Los rennt er sofort wie ein Berserker nach vorn. Ich habe in dem Moment kein Konzept gegen ihn gefunden. Aber es war trotzdem ein gutes Turnier von mir.“

Der Franzose Julien Mertine gewann das Einzel. Foto: Wolfgang Henry

Mit dem Team hätten es noch ein paar Ranglistenpunkte mehr sein können, hätten die Deutschen im ersten Platzierungsgefecht gegen Hongkong nach mehrmaliger Führung nicht noch mit 42:45 verloren. Im zweiten Platzierungsgefecht gegen Japan hieß es 34:45. Im Endklassement bedeutete das Platz acht.

„Es bleibt eng für uns“, sagte Schreck, auf dessen Mannschaft beim olympischen Testevent Mitte Dezember in Tokio das nächste Weltcupturnier wartet. Aber die Richtung stimmt, weil die Russen hinter Sieger USA, und Korea Dritter wurden und auf dem Weg zurück unter die besten Vier der Rangliste sind. Nur dann dürfen sich die Deutschen Hoffnungen machen, als nächstbeste europäische Mannschaft nach Tokio zu reisen.