French Open: Annika Beck überrascht

French Open : Annika Beck überrascht

Akustisch untermalt von einem Juchzer und dem Beifall der Zuschauer auf Court sechs riss Annika Beck die Arme in Richtung der Schäfchenwolken über Paris, dann lief die Tennisspielerin aus Bonn beschwingt ans Netz, wo ihr die ehemalige Weltranglistenzweite Agnieszka Radwanska mit säuerlicher Miene zum Coup gratulierte.

Die 21-Jährige sorgte gestern am zweiten Tag der French Open für eine faustdicke Überraschung: Mit 6:2, 3:6, 6:1 besiegte die Nummer 83 der Welt die Vierzehnte des Rankings und zog wie Angelique Kerber, Sabine Lisicki und Carina Witthöft in die zweite Runde von Roland Garros ein. Bei den Männern war nach Philipp Kohlschreiber auch Benjamin Becker beim Auftakt erfolgreich.

Annika Beck war auch zwei Stunden nach dem verwandelten dritten Matchball noch ganz baff. "Ich kann es immer noch nicht glauben, nach so einer verkorksten Saison so einen Sieg erreicht zu haben gegen eine so tolle Spielerin", sagte die ehemalige Gewinnerin des Juniorentitels von Paris. Es war in diesem Jahr erst der vierte Erfolg auf der WTA-Tour für die Bonnerin, die sich im Einsatz für den TC Rüppurr zuletzt aber Sicherheit geholt hatte. "Siege in der Bundesliga im Einzel und Doppel helfen, auf Turnierlevel das beste Tennis abrufen zu können", sagte Beck, die gegen Radwanska mit aggressivem, mutigem und auch variablem Spiel überzeugte.

Beck darf nun sogar auf einen längeren Aufenthalt am Bois de Boulogne hoffen. Ihre Zweitrundengegnerin ist die wie Radwanska aus Polen stammende Qualifikantin Paula Kania, die Mona Barthel aus Bad Segeberg 7:5, 2:6, 4:6 besiegte. Die Hamburgerin Carina Witthöft gewann mit 6:3, 7:5 gegen die Tschechin Katarina Siniaková und damit ein Duell gegen Sara Errani aus Italien. Andrea Petkovic, die ihre leichte Zerrung auskuriert zu haben glaubt, ist heute erstmals gefordert gegen Shelby Rogers aus den USA.

Die Aussichten für die deutsche Equipe sind also so gut wie die Wetterprognose von Météo France für die kommenden Tage. Ein Mix aus Sonne und Wolken, Temperaturen um die 20 Grad und eine leichte Brise aus Nordwest sind angekündigt für den Großraum Paris, was vor allem Angelique Kerber das Herz erwärmt. "Ich hoffe auf jeden Fall, dass das Wetter hält. Für meinen Rücken ist es besser, wenn die Sonne scheint", sagte die Kielerin nach ihrem lockeren 6:0, 6:1-Sieg gegen die Ungarin Tímea Babos. Am Freitag hatte die Weltranglistenelfte, die in diesem Frühjahr bereits zwei Sandplatzturniere gewonnen hat und in Paris als eine Geheimfavoritin gehandelt wird, wegen ihrer schon chronischen Schmerzen im Kreuz das Halbfinale in Nürnberg abgesagt. Kerber bekommt es am Mittwoch mit der Australierin Ajla Tomljanovic zu tun.

Als erste deutsche Spielerin hatte sich Sabine Lisicki für die zweite Runde qualifiziert, in der die in Troisdorf geborene Berlinerin in Daria Gavrilova ebenfalls auf eine Gegnerin aus Down Under trifft. Die Nummer 20 in der Welt entledigte sich ihrer ersten Aufgabe auf dem ungeliebten Ziegelmehl gegen Mónica Puig aus Puerto Rico in 68 Minuten mit 6:3, 6:2.

Philipp Kohlschreiber hatte schon am Sonntag kurzen Prozess gemacht mit seinem Gegner. Die Nummer 28 in der Welt und Deutschlands Spitzenkraft stand beim 6:1, 6:0, 6:2-Sieg gegen den Japaner Go Soeda nur 86 Minuten auf dem Platz. In Runde zwei trifft der Augsburger auf den Spanier Pablo Andújar. Benjamin Becker meisterte seine Auftakthürde gegen den Belgier Ruben Bemelmans und darf sich nun mit dem Spanier Fernando Verdasco messen.

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