Keine Rücksicht auf Namen und Verdienste

Philip Gogulla hinterlässt Spuren bei den Kölner Haien

Köln. Wie in der Vergangenheit so üblich geworden, vermeldeten die Kölner Haie ihre Personalentscheidungen zu Dylan Wruck und Philip Gogulla nach dem Playoff-Aus ohne Lametta – kurz, knapp und ohne Rücksicht auf Namen und Verdienste.

Die kurze Mitteilung ließ nicht darauf schließen, dass sich Besonderes ereignet hatte. Dylan Wruck und Philip Gogulla wurde trotz Vertrages bis 2019 mitgeteilt, dass sie in den Planungen für die neue Saison nicht mehr eingebaut sein werden.

Vielleicht hätte der KEC bei Philip Gogulla eine Ausnahme machen und ihn nicht in einem Atemzug mit Dylan Wruck nennen sollen. Einzige Gemeinsamkeit der beiden ist nämlich, dass ihnen die Haie trotz bestehenden Vertrages die Papiere ausstellten. Nichts gegen Wruck, aber der Deutsch-Kanadier wird mit zwei Assists in 40 Spielen allenfalls eine Fußnote in der Haie-Historie abgeben.

Philip Gogulla hingegen hat Spuren hinterlassen. Als 16-Jähriger am der gebürtige Düsseldorfer 2004 aus Krefeld zu den Haien und galt als eines der größten Talente im deutschen Eishockey. „Philip ist ein begnadeter Schlittschuhläufer“, adelte Ex-Haie-Manager Rodion Pauels die Nummer 87 (Gogullas Geburtsjahr) damals. Trainer-Ikone Hans Zach nahm sich des Talents an, rieb sich an dem bisweilen schwierigen Charakter und formte ihn zu einem der besten Flügelstürmer der DEL und zum Nationalspieler. 2005 draftete NHL-Club Buffalo Sabres Gogulla. Die große Karriere aber blieb dem Linksschützen verwehrt, weil er sich immer wieder selbst im Weg stand. Zur Saison 2009/10 startete ging er nach Nordamerika, konnte sich in Buffalo aber nicht durchsetzen und spielte eine Saison nur beim Farmclub Portland Pirates.

Die übrigen 13 Jahre seiner Karriere verbrachte Gogulla bei den Haien, für die er 740 DEL-Spiele absolvierte. Neben 307 Vorlagen erzielte er 182 Tore für den KEC und ist damit Rekordtorschütze des Clubs. Kultstatus erfuhr Gogulla auch, weil er am 22. März 2008, also vor zehn Jahren, das bis heute längste Spiel der DEL-Geschichte beendete, als er im Playoff-Viertelfinale gegen Mannheim nach 168 Minuten und 16 Sekunden in der sechsten Verlängerung das Siegtor erzielte.

Philip Gogulla war schon immer der etwas andere Eishockey-Profi. Genie und Wahnsinn gehörten zu seinem Spiel und brachten seine Trainer wie Uwe Krupp einst berichtete „an den Rand der Verzweiflung“. Wie bei der Heim-WM 2010, als er im Viertelfinale den 1:0-Siegtreffer gegen die Schweiz markierte, um dann im Halbfinale gegen Russland den entscheidenden Fehlpass vor dem 1:2 zu spielen. So besonders er als Profi war, so kauzig gab er sich oft abseits Eises. Nach der Freistellung und dem Abgang von Patrick Hager im Frühling 2017 wirkte Gogulla im Team mehr und mehr isoliert. Nach Heimspielen in der LanxessArena war der 30-Jährige zumeist der erste Spieler, der Kabine und Halle verließ.

Mit dem Trainerwechsel von Cory Clouston auf Peter Draisaitl im November ließen zudem seine Leistungen nach. Nur 13 Tore und 20 Assists in 57 Spielen entsprechen nicht den Erwartungen des KEC und nicht den Erwartungen eines Philip Gogulla. Auch ein Warnschuss von Draisaitl, der den Angreifer Mitte Dezember vor einem Spiel in Berlin auf die Tribüne verbannte, half nichts. So kam das unfreiwillige Ende der Beziehung. Vom Zeitpunkt her überraschend, aber in der Sache nicht ganz unerwartet. „Wir haben entscheiden einen größeren Schnitt zu machen“, erklärte Haie-Manager Mark Mahon. Neben Gogulla verlassen zehn weitere Spieler den KEC.

Bis auf Frederik Eriksson, der aus familiären Gründen schon in seine Heimat Schweden gereist ist, werden am Samstag (17 Uhr, Trainingszentrum Gummersbacher Straße) alle Haie-Profis auf der traditionellen Saisonabschlussfeier erscheinen. Wie Philip Gogulla, für den es dann einen besonderen Abschied geben soll. Auch, wenn es sicher Gründe für seinen vorzeitigen Abschied gibt, dieser Spieler war und ist für die Haie mehr wert als nur eine Notiz wie jede andere.