Partie beim ERC Ingolstadt

Kleinigkeiten bringen Kölner Haie um Lohn in Playoffs

Ein Bild aus dem ersten Spiel: Meisterschaftsrunde, Viertelfinale, 1. Spieltag in der Lanxess Arena. Kölns Doppeltorschütze Jason Akeson (nicht im Bild) trifft per Fernschuss zum 1:3.

Ein Bild aus dem ersten Spiel: Meisterschaftsrunde, Viertelfinale, 1. Spieltag in der Lanxess Arena. Kölns Doppeltorschütze Jason Akeson (nicht im Bild) trifft per Fernschuss zum 1:3.

Ingolstadt/Köln. Enttäuschung bei den Kölner Haien über die knappe Niederlage am Freitagabend beim ERC Ingolstadt. Besonders ein Youngster des Teams hadert mit sich selbst.

Lucas Dumont war untröstlich. Der Stürmer der Kölner Haie entschuldigte sich höflich und bat um Verständnis, dass er nichts sagen, sondern erstmal mit sich allein sein wollte. Kurz zuvor hatte der 21-jährige Senkrechtstarter des KEC die bittere Erfahrung machen müssen, dass es in einer jungen Karriere auch mal abwärts geht. Bei der 3:4 (1:1, 1:1, 1:1, 0:1)-Niederlage im zweiten Spiel der Playoff-Viertelfinalserie „Best of seven“ um die Deutsche Eishockeymeisterschaft am Freitagabend beim ERC Ingolstadt hatte der Youngster gemeinsam mit Ben Hanowski durch einen schlechten Wechsel das entscheidende Gegentor begünstigt. Ingolstadts Routinier Thomas Greilinger hatte so genügend Raum, um in der achten Minute der Verlängerung den „Plötzlichen Tod“ der Kölner herbeizuführen und sein Team in der Serie mit 2:0-Siegen in Front zu schießen.

„Wir haben im Vorfeld der Playoffs viel darüber gesprochen, dass es sehr auf Kleinigkeiten wie Bullys und Wechsel ankommt. So etwas darf gerade in einer Verlängerung nicht passieren, aber junge Spieler machen nun mal Fehler“, nahm Haie-Coach Dan Lacroix Dumont in Schutz und fügte weiter beschwichtigend an: „Wir gewinnen als Team und wir verlieren als Team.“ Lacroix konnte um 22.35 Uhr in den Katakomben der Saturn-Arena trotz der sorgsam gewählten Worte aber kaum verbergen, wie schmerzhaft diese zweite Niederlage für ihn und seine Mannschaft war: „So zu verlieren, ist sehr hart. Die Jungs haben bravourös gekämpft und solide gespielt, aber eben auch ein paar Fehler gemacht.“

Tatsächlich waren es die in der Menge zu viele schief gelaufene Kleinigkeiten, die die Haie um den Lohn ihrer harten Arbeit gebracht hatten. Die Kölner minimierten ihre Fehlerquote im Vergleich zum 2:6 in Spiel eins zwar, konnten die Unaufmerksamkeiten in den entscheidenden Momenten aber nicht ganz abstellen. Nach dem 1:0 durch Simon Després‘ Premierentreffer (14.) und einem insgesamt beherzten Auftritt gaben die Haie das Momentum Ende des ersten Abschnitts ohne Not ab. Eine verlorene Scheibe im gegnerischen Drittel und ein Konter, an dessen Ende KEC-Goalie Gustaf Wesslau noch spektakulär gegen Ville Koistinen rettete, genügten, um die Kräfteverhältnisse zu verschieben. Die cleveren Ingolstädter erspürten diese Gelegenheit sofort, setzten konsequent nach und kamen durch David Elsner zum Ausgleich (18.). „Wir müssen es hinkriegen, das Momentum bei uns zu belassen. Dafür müssen wir die Fehler abstellen. Es kann nicht sein, dass wir uns am Ende eines sehr guten ersten Drittel 90 Sekunden lang einschnüren lassen und so einen blöden Ausgleich kassieren“, ärgerte sich Verteidiger Dominik Tiffels.

Sein Bruder Frederik sorgte dafür, dass das Momentum gleich zu Beginn des zweiten Drittels wieder zu den Haien zurückkam. Nach einem Abpraller behielt der Nationalspieler die Nerven, umkurvte ERC-Torhüter Patrick Reimer lässig und schob seelenruhig zum 1:2 ein (21.). „Nach dem Tor waren wir am Drücker und haben sehr gut gespielt“, sagte der Torschütze. Nur nachlegen konnten die Kölner in dieser Phase nicht und der nächste Fehler ließ nicht auf sich warten. Simon Després feuerte die Scheibe über die Bande und musste wegen Spielverzögerung auf die Strafbank. Ingolstadt erkannte wieder sofort die Situation und schlug durch Brandon Mashinter im Powerplay zu (30.). Zweimal durfte der Panther im Slot nachschießen. „Ingolstadt nutzt jede Schwäche von uns sofort eiskalt aus. Das müssen wir ändern“, erkannte Freddy Tiffels.

Das nächste Beispiel für diese bittere Erkenntnis lieferte der Treffer zum 2:3. Mike Zalewski hatte im ERC-Drittel eines der insgesamt 40 von den Haien gewonnenen Bullys (Ingolstadt 27) für sich entschieden. Morgan Ellis gab die Scheibe aber prompt wieder leichtfertigt ab und leitete so einen Konter ein, den Maury Edwards in aller Konsequenz abschloss (48.). Es spricht für Moral und Teamgeist, dass die Haie nicht aufgaben und durch Austin Madaisky 68 Sekunden vor Schluss die Verlängerung erzwangen. Doch in der Extrazeit eines Eishockeyspiels ist jeder Fehler sofort „tödlich“ und als die Arena-Uhr 22.22 Uhr anzeigte, hatten die Haie diesen einen entscheidenden Lapsus noch im Köcher.

„Wenn wir mit dem gleichen Willen auftreten und die Fehler abstellen, werden wir in dieser Serie Spiele gewinnen. Wir besitzen genug Selbstbewusstsein, um zurückzukommen“, erklärte Dan Lacroix hinterher energisch. „Wir müssen ohnehin vier Mal gewinnen“, rechnete Freddy Tiffels vor. Er findet einen 0:2-Rückstand zwar nicht toll, aber auch noch nicht „so schlimm“: „Bei uns ging es gefühlt die ganze Saison auf und ab. Wir sind immer zurückgekommen und werden es auch diesmal schaffen“, sagte der Stürmer, bevor sich der Mannschaftsbus mit den geschlagenen Haien um 22.59 Uhr auf den Heimweg machte.

Die Kölner trafen schließlich erst gegen 4.30 Uhr Zuhause ein. Es bleibt also wenig Zeit, um zu regenerieren und sich auf das dritte Duell am Sonntag (16.30 Uhr, LanxessArena) vorzubereiten. Immerhin kehrt dann zumindest der am Freitag gesperrte Kapitän Moritz Müller zurück. Felix Schütz (krank), sowie die noch angeschlagenen Fabio Pfohl und Alexander Sulzer sind dagegen weiter fraglich.