Super Bowl

Bill Belichick und Tom Brady holen ihren sechsten Meistertitel

Bonn. Die New England Patriots besiegen im punktarmen Super Bowl die Los Angeles Rams 13:3 und holen den Titel. Julian Edelmann wird zum wertvollsten Spieler der Martie (MVP) gewählt.

Es sollte eine filmreife Geschichte werden für die Los Angeles Rams. Eine mit Märchencharakter. So, wie sie problemlos in der Traumfabrik Hollywood hätte verfilmt werden können: Das Trainergenie Sean McVay (33) und der junge Quarterback Jared Goff (24) führen den schlechtesten Club der NFL innerhalb von nur zwei Jahren in den Super Bowl und zum Titel.

In der Nacht zu Montag hätte im Finale in Atlanta nur noch das letzte Kapitel geschrieben werden müssen. Doch am Ende waren die Footballer von der Westküste nur Statisten. Die Hauptrollen spielten andere, in der NFL sehr bekannte Gesichter. Die New England Patriots mit ihrem Erfolgsduo, Cheftrainer Bill Belichick und Star-Quarterback Tom Brady, hielten nach einem 13:3-Erfolg die Vince-Lombardi-Trophäe in die Höhe. Zum dritten Mal in fünf Jahren und zum sechsten Mal in den vergangenen 17 Jahren.

Es war kein Football-Spiel für das Event-Publikum und die Liebhaber des Offensiv-Spektakels. Stattdessen kamen die Taktiker und Football-Feinschmecker voll auf ihre Kosten und sahen den punktärmsten Super Bowl aller Zeiten. Dabei waren die Patriots eindeutig besser aufgestellt. Belichick und sein Trainerstab degradierten den offensivstärksten Angriff der Liga zur Bedeutungslosigkeit, erstmals in zwei Jahren blieb LA-Coach McVay mit seinem Team ohne Punkte zur Halbzeit. Am Ende markierten sie drei Zähler, wo sie während der Saison im Schnitt 33 pro Partie gemacht hatten.

„Definitiv: Die Patriots waren besser gecoacht“, sagte McVay nach der Partie. „Ich habe es nicht ansatzweise gut genug gemacht für unser Team.“ Doch nicht nur für den Cheftrainer schien die Bühne an diesem Tag zu groß, auch seinem Spielmacher Goff flatterten vor etwas mehr als 70 000 Zuschauen im Stadion und fast einer Milliarde Menschen vor den Fernsehern die Nerven. Der 24 Jahre alte Quarterback machte Fehler, übersah frei stehende Mitspieler und warf den Ball nicht rechtzeitig zu seinen Receivern. Nur im dritten Viertel ließ er kurz sein Potenzial aufblitzen, als er seine Farben über das Feld und zumindest zum 3:3-Ausgleich durch ein Field Goal von Greg Zuerlein führte.

Allerdings brachte auch sein viel routinierteres Gegenüber Brady anfangs nicht viel zustande. Seinen ersten Pass fingen die stark verteidigenden Rams ab, und auch danach blieb die 3:0-Führung per Field Goal durch Stephen Gostkowski lange Zeit das einzig Zählbare auf der Anzeigentafel. Da nützte es auch nichts, dass Passempfänger Julian Edelman erneut einen überragenden Playoff-Tag erwischte, zehn Bälle über 141 Yards fing und als bester Spieler (MVP) ausgezeichnet wurde.

Erst als die Begegnung im vierten Viertel auf ihren Höhepunkt zulief, war Brady wie so oft in seiner Karriere zur Stelle. Mit vier präzisen Pässen – darunter zwei zu Rob Gronkowski und einen zu Edelman, seinen beiden beliebtesten Zielen – ebnete der 41-Jährige den Weg für den einzigen Touchdown der Partie: Sony Michel hatte keine Mühe, aus zwei Yards Entfernung in die Endzone zu laufen.

Mit sieben Minuten verbleibender Spielzeit wuchs der Druck auf die unerfahrenen Rams. Mit dem Rücken zur Wand konnte zunächst Brandin Cooks einen Touchdown-Pass nicht festhalten, und dann warf Jared Goff zu allem Überfluss auch noch einen Pass in die Hände des Gegners. Eine Chance, die sich New England nicht entgehen ließ. Die Patriots spielten die Uhr herunter, kickten ein weiteres Field Goal und stemmten mal wieder den Sieger-Pokal in die Höhe und ließen Konfetti auf sich hinabflirren. „Es war eine unglaubliche Saison. Ich kann es nicht glauben, wir sind Champions. Für uns alle ist ein Traum in Erfüllung gegangen“, sagte Brady. Lob fand er für LA: „Sie hatten eine großartige Defensive und einen großartigen Plan.“

Für die Patriots schließt sich mit dem sechsten Super-Bowl-Sieg ein Kreis. 2002 gewannen Belichick und Brady ihren ersten Titel. Gegner auch damals: die Rams. Eigentlich ein passender Zeitpunkt, um mit 66 und 41 Jahren einen Schlussstrich zu ziehen und auf dem Höhepunkt aufzuhören. Doch Brady hat das bereits ausgeschlossen. Erfolge allein treiben ihn nicht an. Sonst könnte er die Schuhe längst an den Nagel gehängt haben, um öfter bei seiner Frau Gisele Bündchen und den drei Kindern zu sein.

Doch der Quarterback hat weiterhin Spaß am Spiel. Die Zukunft wird zeigen, ob er den idealen Zeitpunkt für den Ruhestand verpasst hat. Es gibt zumindest Anzeichen, dass sich trotz eiserner Disziplin auch bei ihm langsam das Alter bemerkbar macht. So oder so: Die märchenhafte Geschichte der New England Patriots bekommt ein weiteres Kapitel.