"Bringen den Puck nicht über die Linie": Haie-Führungsspieler in der Kritik

"Bringen den Puck nicht über die Linie" : Haie-Führungsspieler in der Kritik

Trainer Draisaitl stellt seinen Leistungsträgern nach den Niederlagen in Ingolstadt und Augsburg ein miserables Zeugnis aus. Der KEC kann an diesem Dienstag im "kleinen" rheinischen Derby gegen Krefeld Wiedergutmachung betreiben.

Die Strafe folgte auf dem Fuße. Nach vier gemeinsamen Tagen in Bayern mussten die Kölner Haie ihre ernüchternde Bilanz aus den Spielen in Ingolstadt (0:6) und Augsburg (1:3) auf einer quälend, langen Busfahrt durch die Nacht zurück nach Köln verarbeiten. Kein Spaß, denn null Punkte und nur ein Tor sind viel zu wenig für die hohen Ansprüche des achtfachen deutschen Eishockeymeisters, der auf Platz elf zurückgefallen und damit aus den Playoff-Rängen gerutscht ist.

Es dürfte also recht still gewesen sein im komfortablen Gefährt der Haie, denn es gab eine Menge nachzudenken. Zum Glück haben die Haie schon am Dienstag die Gelegenheit, es besser zu machen. Tabellennachbar Krefeld Pinguine kommt zum Nachholspiel in die Lanxess Arena (19.30 Uhr) und bietet dem KEC die Möglichkeit, mit einem Sieg Wiedergutmachung zu betreiben und zurück unter die ersten Zehn des DEL-Rankings zu kommen.

„Es ist gut, dass das nächste Spiel direkt kommt. Nach dem Spiel in Ingolstadt hatten wir auch nur zwei Tage. Wir müssen das Wochenende jetzt schnell vergessen“, sagte Alexander Oblinger. Der noch torlose Neuzugang aus Straubing ließ nach der Pleite in Augsburg aber auch durchblicken, dass die Bayern-Reise noch andere Defizite im Haie-Team hat zu Tage treten lassen: „Wenn ich jetzt sagen würde, was ich im Kopf habe, dann…“, begann Oblinger und brach ab. Wohl, weil er merkte, was ihm da über die Lippen kommen könnte. Stattdessen appellierte er an den Zusammenhalt: „Wir haben ein tolles Mannschaftsgefüge, aber das müssen wir auch mal auf dem Eis zeigen. Mit Einzelaktionen wird es uns nicht gelingen“, kritisierte der Stürmer aus der vierten Reihe.

Trainer Peter Draisaitl hatte nach dem deftigen 0:6 am Freitag in Ingolstadt ins gleiche Horn geblasen: „Jetzt kann die Truppe zeigen, dass sie zusammenhält und eine Mannschaft ist.“ In Augsburg war der Versuch, Team-Eishockey zu spielen, zwar erkennbar, im Gegensatz zu den Leistungen beider Gegner aber noch deutlich unterentwickelt.

Auch die Hereinnahme der zuletzt verletzt beziehungsweise erkrankt fehlenden Mittelstürmer Fabio Pfohl und Colby Genoway half nicht. Sechsmal durften die Kölner mit ihren beiden Powerplay-Centern in Überzahl ran und überboten sich an Harmlosigkeit. „Wir tun uns schon seit längerer Zeit schwer im Abschluss. Uns fehlen aktuell die Spieler, die im entscheidenden Moment den Unterschied ausmachen. Möglichkeiten sind da, Powerplays sind da. Aber wir bringen den Puck nicht über die Linie. Insgesamt spielen wir oft eigentlich besser als es das Ergebnis zeigt. Dafür können wir uns aber nichts kaufen“, erklärte Draisaitl. Der Coach stellte damit seinen Führungsspielern ein miserables Zeugnis aus und im weiteren Sinne auch der Kaderzusammenstellung von Manager Mark Mahon und ihm.

Nach dem hoffnungsvollen Aufwärtstrend in den Spielen gegen Düsseldorf (3:4) und Berlin (3:2) offenbarte der KEC zudem wieder Mängel in punkto Leidenschaft. „Wir sind zu wenig gelaufen und haben zu wenig Zweikämpfe gewonnen“, kritisierte Kapitän Moritz Müller, der in Augsburg sein 800. DEL-Spiel bestritt – alle für die Haie.

Noch aus dem Rahmen der wenig überzeugenden Teamleistung der Kölner am Wochenende fiel mit Steve Pinizzotto einer dieser Spieler, die den Unterschied ausmachen sollen. Gegen die Eisbären war der Kanadier erstmals so richtig ein Faktor für die Haie gewesen. Der 34-Jährige spielte dominant, unangenehm für den Gegner und erzielte das Siegtor. In Ingolstadt aber war er überhaupt nicht zu sehen und in Augsburg verschuldete er die entscheidenden Gegentreffer zum 1:2 und 1:3 im zweiten Drittel. Zum Vergessen, wie Alex Oblinger vorschlug.

In einer solchen Situation helfen nur Siege und ein Blick auf die Tabelle. Denn mit einem Erfolg im „kleinen“ rheinischen Derby gegen Krefeld können die Haie wieder auf Rang sieben vorrücken. Und sie haben am Wochenende in den letzten beiden Spielen vor der Deutschland-Cup-Pause die Gelegenheit, es bei ihrer Tour nach Norddeutschland mit den Partien in Wolfsburg und Bremerhaven besser zu machen als im Süden. Möglicherweise ist dann am Sonntag auf der langen Rückfahrt nach Köln die Stimmung im Bus auch besser.

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