Mit der Keule zum Sieg

Das G-A-Team testet Softball

Britta Röös positioniert sich als Schlagfrau beim Softball.

Britta Röös positioniert sich als Schlagfrau beim Softball.

Bonn. Für GA-Mitarbeiterin Britta Röös geht es nach der Sommerpause zu den Bonn Capitals zum Softball. Zum ersten Mal in ihren Leben hält sie eine Keule in der Hand – und trifft damit sogar ab und zu den Ball.

Schon seit dem ersten Sportfest in der Grundschule ist klar: Ich kann weder Werfen noch Fangen. Und meine Auge-Hand-Koordination beim Ballsport hält sich auch sehr in Grenzen. Das habe ich zwölf Jahre lang beim Schulsport immer wieder bewiesen. Doch für das G-A-Team tausche ich Tastatur gegen Ball und Computermaus gegen Lederhandschuh und stehe mit der Damenmannschaft der Bonn Capitals auf dem Platz, um Softball zu spielen. Griffbereit im Rucksack am Spielfeldrand befindet sich meine Ersatzbrille. Denn zu Beginn des Trainings bin ich fest davon überzeugt, dass mindestens ein Ball in meinem Gesicht landen wird.

Die Bonn Capitals sind über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. In erster Linie für Baseball. Erst am vergangenen Wochenende gewann die Herrenmannschaft die deutsche Meisterschaft. Zu den Capitals gehört darüber hinaus auch ein Team der Randsportart Softball. Die Damen spielen ebenfalls auf Bundesligaebene und trainieren in der Sportanlage am Ende der Bonner Rheinaue. Und genau dort treffe ich das Team. So groß meine Motivation an diesem sonnigen Herbstabend auch ist, genauso groß ist mein Unwissen über die mir bevorstehende Sportart. Doch schon nach wenigen Minuten ist mir klar: Selbst, wenn ich leistungsmäßig mit den Spielerinnen nicht mithalten kann, werde ich bei diesem Training viel Spaß haben. Die Sportlerinnen zwischen 16 und 40 Jahren strahlen Teamgeist und Begeisterung für ihren Sport aus. Und wer wollte nicht schon mal mit vollem Karacho und der sogenannten Keule auf einen Ball einschlagen? Ich auf jeden Fall.

Doch bevor ich richtig mitmachen kann, bekomme ich eine kurze Einweisung in das Regelwerk, Spielfeldaufbau und Spielpositionen: Das Feld besteht aus einem rautenförmigen Innenfeld aus Asche mit verschiedenen Malen – die sogenannten Bases – und einem großen Außenfeld mit Rasen. Zunächst wirft der Werfer einen Ball zur Schlagfrau aus der gegnerischen Mannschaft, die diesen mit der Keule ins Feld schlägt und zur ersten Base rennt, die anderen Spielerinnen fangen den Ball und werfen ihn zurück Richtung Innenfeld. Nebenbei lerne ich, worin die Hauptunterschiede zwischen Baseball und Softball liegen: Letzteres ist hauptsächlich eine Frauensportart, bei der der Ball von unten geworfen wird.

Die Mannschaft hat sich bereits auf dem Rasen verteilt und übt Spielzüge. Nicht nur durch mein Werfen-Fangen-Trauma fühle ich mich in meine Schulzeit zurückversetzt. Softball sieht durch meine Laien-Augen aus wie Brennball für Fortgeschrittene. Während man früher in miefigen Schulsporthallen eher unkontrolliert die Bälle in eine beliebige Ecke gepfeffert und dann versucht hat, irgendwie weiter als die erste blaue Matte zu kommen, sieht es bei den Capitals alles andere als „irgendwie“ aus. Das möchte ich auch lernen.

Zum Üben geht es erst einmal an den Spielfeldrand

Dafür gehen Jessi, die älteste Spielerin im Team, und ich erst einmal an den Spielfeldrand: „Hier können wir besser das Werfen üben, ohne die anderen beim Spielen zu stören.“ Sie reicht mir einen Lederhandschuh, der größer ist als mein Gesicht. In der anderen Hand hält sie einen gelben Ball. „Es ist ganz wichtig, dass du den Ball richtig hältst. Die Finger kommen hier auf die große Naht. Daumen und Mittelfinger liegen sich gegenüber“, erklärt sie weiter und fährt dabei mit ihren Fingern die dicken Fäden entlang, mit denen der Ball zusammengenäht ist. Ich tue, wie mir geheißen – und der Ball fliegt wabbelig meiner Mitspielerin entgegen. „Beim nächsten Mal achte darauf, dass deine Handfläche da hinzeigt, wo der Ball landen soll“, ruft sie mir zu. Ihr Tipp hilft. Danach erreichen die von mir geworfenen Bälle immer genauer ihr Ziel: Jessis Handschuh. Auch das Fangen klappt gut.

Als Nächstes darf ich mit aufs Außenfeld. Ich hänge mich an Grits Fersen und lerne so den Spielablauf besser kennen. Grit spielt bereits seit drei Jahren Softball und erklärt mir, wie ich den Handschuh beim Fangen halten muss, damit der Ball mir nicht ins Gesicht springt. Noch eine kurze Anweisung des Cheftrainers Robert Kovecevic später, und schon fliegt ein Ball über das gesamte Spielfeld – und rollt genau an meinem Handschuh vorbei. War ja klar. Beim nächsten Mal schaffe ich es dafür, sogar direkt aus der Luft zu fangen und zu meinen Mitspielerinnen im Innenfeld zu werfen. Ein bisschen stolz grinsend stehe ich auf dem Platz. Wenn das meine früheren Sportlehrer gesehen hätten. Allmählich verstehe ich den Spielablauf immer besser.

"Du bist einzeln wichtig, aber du kannst nur als Team gewinnen"

Grit erzählt mir, was sie an Softball fasziniert: „Es ist der Spirit. Du bist einzeln wichtig, aber du kannst nur als Team gewinnen. Wenn du am Schlag stehst, musst du das allein hinbekommen. Aber es klappt nur, wenn das Feld funktioniert.“ Doch Softball sei nicht zu unterschätzen: „Es ist vor allem die Hand-Auge-Koordination. Das erfordert große Konzentration.“ Vor allem, wenn man die Keule in der Hand hält und den Ball schlagen will, habe man nur Sekunden, um zu reagieren. Selbst wer auf dem äußeren Feld steht und sich gerade nicht bewegt, müsse mental immer anwesend und fokussiert sein. „Nicht ohne Grund nennt man Softball auch den Sport des Versagens. Es braucht viel Übung.“ Deshalb trainieren die Softball-Ladies bis zu drei Mal pro Woche. Eine bestimmte Voraussetzung braucht man allerdings nicht, um bei den Capitals mitzumachen, erklärt mir Laura Marshall, die frühere Trainerin: „Auge-Hand-Koordination ist von Vorteil, aber das Interesse allein reicht. Es ist eine Sportart für jedes Alter.“

Zum Abschluss darf ich auch noch die Keule schwingen. Wieder bekomme ich eine kurze Einweisung, wie ich stehen und schlagen muss, um den Ball auf eine gute Flugbahn zu bringen. Mir reicht es schon, den Ball überhaupt zu treffen. Denn das ist genauso schwierig, wie ich dachte. Nachdem meine Körperhaltung und mein Schwungholen immer wieder durch die Spielerinnen und den Trainer korrigiert wurden, treffe ich sogar hin und wieder einen der Bälle, den Kovecevic mir zuwirft. Auch wenn der Ball irgendwo und ziemlich nah am Abschlagspunkt – ein Mal auch fast in Kovecevics Gesicht – landet, getroffen ist getroffen.

Am Ende des Trainings habe ich also nicht nur eine neue und spannende Sportart kennengelernt, sondern auch mein Werfen-Fangen-Trauma ein wenig bewältigt.