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Auf wackeligen Beinen: Das G-A-Team testet Rollkunstlauf

Auf wackeligen Beinen : Das G-A-Team testet Rollkunstlauf

GA-Mitarbeiter Sebastian Knauth testet für das G-A-Team beim SC Fortuna Bonn den Rollkunstlauf. Den Traum einer Rolle in der Jahresabschlusskür muss er aber begraben.

Lautstark durchflutet die Musik die Dreifachturnhalle am Sportpark Wasserland. Auf wackeligen Beinen bereite ich mich gedanklich auf das nächste Element meiner Kür vor - den Sprung. Mehr schlecht als recht kann ich ein Häkchen dahinter machen. Es folgt nur noch die Pirouette. Mit Schwung versuche ich mich auf der Stelle zu drehen. Möglichst schnell und möglichst elegant. Nichts gelingt mir. Im Gegenteil: Für Außenstehende wirkt es eher wie "ein Grashalm in einem Tornado", wie ein Kollege es auf der Heimfahrt formuliert. Abschließend werfe ich die Arme "grazil" in die Luft und die Musik endet, Applaus brandet auf. Allerdings wohl eher aus Höflichkeit.

Was ist passiert? Nach Wasserball und Kunstturnen darf ich als freier Mitarbeiter der Online-Redaktion erneut eine, zumindest für mich, völlig unbekannte Sportart testen - Rollkunstlauf. Und das beim SC Fortuna Bonn.

Nach einem Wolkenbruch betrete ich bereits durchnässt die Halle. Ins Schwitzen wird man beim Rollkunstlauf wohl nicht kommen. Falsch gedacht. Die Abteilungsleiterin für Rollkunstlauf, Irini Ahouzaridi, nimmt mich freundlich in Empfang und überreicht mir die Schuhe. Mit vier Rollen unter den Füßen werde ich versuchen, die kommenden zwei Stunden sturz- und verletzungsfrei zu überstehen. Immerhin: Letzteres wird mir gelingen. Mich überrascht auf Anhieb die Größe der Trainingsgruppe. "Seit etwa acht Jahren ist der Zulauf sehr groß, wir haben über 100 aktive Läufer", erklärt Ahouzaridi.

Erstmals in meinem Leben kann ich mir den Gang auf High-Heels vorstellen. "Den Arm etwas höher und die letzten Sprünge noch zweimal", ruft Carola Wunder, A-Lizenz-Trainerin, ihren Schützlingen zu. Nervös laufe ich ihr entgegen. Nach einer kurzen Vorstellung werden die Trainingsziele gesteckt. Neben Hocke, Waage, Sprung und Pirouette soll auch die "Kanone" gelernt werden. "Ich sage es direkt: Nur wer fällt, kann gut werden - also nicht verzweifeln, wenn es nicht sofort klappt. Übung macht den Meister", versucht Carola Wunder mich aufzumuntern. Innerlich sehe ich mich in diesem Moment bereits im Krankenhaus und muss an meinen Kollegen denken, der sich beim Handball "schwer" verletzte.

Ich absolviere die ersten Kurven und bekomme etwas Sicherheit - zumindest denke ich das. Nach der Waage, bei der ein Bein nach hinten gestreckt wird, folgt die Hocke. "Ein guter Rollkunstläufer sollte ein gutes Körpergefühl besitzen, beweglich und musikalisch sein und sich gern darstellen wollen", so Carola in der Theorie zu mir. Praktisch ist es sehr anstrengend und fordert mir auch konditionell einiges ab. Man könnte sagen: "Ich arbeite Rollkunstlauf."

Um mich herum sind Sprünge und Stürze an der Tagesordnung. Jugendliche, überwiegend Mädchen, sind von vier bis 21 Jahren vertreten. Ambitionierte Läuferinnen können in drei Wettbewerbs- und zwei Leistungsgruppen an den Start gehen. Dort wird dann sogar bis zu fünfmal wöchentlich trainiert. Inhalte der Übungsstunden sind neben den Pflichtfiguren für den Wettkampf auch Koordination, Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit. Eben das, was für einen erfolgreichen Rollkunstläufer die Grundlage bildet und mir fehlt. "Besonders stolz sind wir darauf, dass einige Läufer von uns die Trainerausbildung absolviert haben und mithelfen", sagt Ahouzaridi.

Für mich wird es bei der so genannten Kanone besonders kniffelig. Ich starte und rolle einige Meter in der Hocke. Danach strecke ich ein Bein in die Höhe und muss es so halten. Ich bin mir nicht sicher, ob diese Übung grundsätzlich auf dem Steißbein enden muss, bei mir tut sie es. "Es sieht doch schon ganz gut aus", sagt Wunder, vermutlich, um mich nicht zu desillusionieren. Ganz gut also - erfolgreicher sind da die Vereinsmitglieder. "Unsere Spitze ist seit 2016 bis zu den Weltmeisterschaften vertreten", sagt Wunder. Ein besonderer Höhepunkt stellt das in den 90er Jahren eingeführte Schaulaufen dar. Es werden Geschichten und Märchen auf Rollschuhen interpretiert. "Am Schaulaufen nehmen alle aktiven Läufer teil, es handelt sich um ein gemeinsames Projekt von "Klein und Groß", so Ahouzaridi. Spätestens ab Oktober wird dann nahezu jedes Wochenende trainiert und an den Kostümen, sowie der Requisite gearbeitet.

Der Trainingsbetrieb wurde zur Sicherheit eingestellt

Das hört sich prima an und in mir reift die Idee, alle Beteiligten am Ende mit einer Abschlusskür zu überzeugen, um eine entscheidende Figur im Jahreshöhepunkt einzunehmen. Motiviert und hochkonzentriert laufe ich in meine Ausgangsstellung und möchte das Erlernte präsentieren. Zur Sicherheit wurde der Trainingsbetrieb in der Halle eingestellt. Natürlich wünsche ich mir einen musikalischen Leckerbissen, der meinem Können gerecht wird.

Doch "Angels" von Robbie Williams liegt gerade nicht vor. Also muss ich mich mit einer Alternative begnügen. Vielleicht ist darin meine wieder aufkeimende Anfangsnervosität begründet. Schon während des Intros muss ich anerkennen, dass Rollkunstlauf alles andere als eine leichte Sportart ist. Ich laufe los - mehr schlecht als recht.