Aufs Glatteis geführt: Das G-A-Team testet Eishockey

Aufs Glatteis geführt : Das G-A-Team testet Eishockey

Im zweiten Teil unserer Olympia-Folgen hat sich Online-Mitarbeiterin Nathalie Dreschke beim Eishockey Club Troisdorf auf ungewohntes Terrain begeben: Für sie ging es einen Tag lang aufs Eis zum Eishockeytraining.

Klirrende Kälte und ein strenger Geruch nach miefenden Sportsocken begrüßen mich in der Eissporthalle Troisdorf. Für das G-A-Team teste ich Eishockey beim Eishockey Club (EHC) Troisdorf. Sonst arbeite ich als freie Mitarbeiterin in der Online-Abteilung des GA, nun werde ich von den Zuschauern aufs Glatteis geführt. André Koslowski, Trainer des EHC, erwartet mich bereits. „Du kannst schon Schlittschuh fahren“, sagt er. Ich habe keine Ahnung, welches Vögelchen ihm das gezwitschert hat, aber es handelt sich um eine bodenlose Übertreibung. Das behalte ich aber vorerst für mich, vielleicht schlummern in mir ja noch ungeahnte Talente. Eher frage ich mich, ob mir trotz Thermounterhemd und -hose nicht der sichere Tod durch Erfrieren droht.

Auf dem Weg in die Umkleide wird nicht nur der Geruch intensiver, ich höre nun auch die lauten Stimmen von meinen heutigen Mannschaftskollegen. Insgesamt 26 junge Männer und eine Frau spielen in der 1. Mannschaft des Eishockey Clubs Troisdorf „Dynamite“, nur ausgerechnet an dem Tag ist Torhüterin Theresa Ferling nicht da. „Jungs, wir haben heute eine Gastspielerin da, passt mir ja gut auf sie auf“, ruft Koslowski. Neugierige Blicke sind auf mich gerichtet, von Angst aber keine Spur. Mit einer Körpergröße von 1,62 Meter wirke ich alles andere als furchteinflößend.

Bevor es auf das Eis geht, wärmen wir uns auf dem Flur der Eissporthalle auf. „Heute machen wir extra nur 15 statt 30 Minuten“, sagt Koslowski. Das kann ja nicht so schwer sein, denke ich mir, schließlich gehe ich regelmäßig ins Fitnessstudio. Allerdings schauen die Jungs des EHC etwas belustigt, als sie mein Schuhwerk sehen: ich habe keine Sportschuhe an, sondern trage meine Winterstiefel. „Ich wusste nicht, dass ich Sportschuhe brauche“, versuche ich mich zu verteidigen. Erfolglos. Der erste Eindruck ist hinüber.

Den Respekt will ich mir beim Aufwärmen zurückholen. „Mach es den Jungs einfach nach“, gibt Koslowski mir noch mit auf den Weg. „Zwei Liegestütze und Sprint bis zum Ende der Halle“, brüllt der 55-Jährige. Koslowski weiß wovon er spricht, der Coach trainierte viele Jahre lang den Nachwuchs der Kölner Haie. Weitere zehn Minuten vergehen, in denen wir abwechselnd sprinten, Ausfallschritte und weitere Übungen machen, die mich bereits jetzt an meine Grenzen bringen. Als wir dann noch drei Treppenstufen auf einmal hochspringen sollen und die Koordination meiner Beine völlig versagt, muss ich aussetzen. „Das liegt an den Schuhen“, rufe ich keuchend mit hochrotem Gesicht.

Nach dem Aufwärmen geht es in der vollen Eishockey-Montur weiter

Die Jungs beenden ihre „Aufwärmübungen“ und es geht zurück in die Umkleide. Dort erwartet mich die nächste, weitaus schwierigere Herausforderung: Ich muss die komplette Eishockeyausrüstung anziehen. Tiefschutz, Knieschoner, Schutzweste und -hose, Ellenbogenschoner, Handschuhe und Helm. In voller Montur fühle ich mich wie ein Powerranger und bin noch unbeweglicher als ohnehin schon. Noch schnell den passenden Schläger rausgesucht, der nebenbeigesagt genauso lang ist wie ich und ab auf die Eisfläche. Ich atme dreimal tief durch und schlitter ganz langsam los. Die ersten paar Meter schaffe ich sogar ohne hinzufallen. Mein erstes Erfolgserlebnis an diesem Abend. Unterstützung erhalte ich von einem Nachwuchsspieler, höchstens 14. „Halte dich einfach fest“, sagt er und bietet mir seine Hand.

Das Training beginnt und Koslowski gibt mir noch wertvolle Tipps: „Immer schön nach vorne fallen, da ist man gut gepolstert“, sagt er, bevor ich wie auf Kommando auf dem Eis liege – natürlich auf dem Hintern. Langsam werde ich warm auf dem Eis, im wahrsten Sinne des Wortes. Ich schwitze unter der dicken Ausrüstung.

Meine Fahrkunst verbessert sich aber zunehmend und ich bekomme es sogar hin, engere Kurven zu fahren. Beflügelt von dem Erfolgserlebnis nehme ich Schläger und Puck dazu und bereue es augenblicklich, beim Schulsport nicht wenigstens mal Hockey ausprobiert zu haben. „Lauf einfach auf das Tor zu und versuche zu treffen“, lautet die Anweisung. Leichter gesagt als getan, nicht nur, dass das Tor komplett ausgefüllt ist von den riesigen Schienbeinschonern des Torhüters, ich verliere beim Laufen auch ständig den Puck. Ich schaffe es sogar, mir selber den Puck durch die Beine zu tunneln – wie in Zeitlupe. Die „Trinkpause“ bringt ein wenig Abwechslung. Ein Spieler reicht mir eine Flasche mit Wasser. Ich öffne die Kappe, will zum Trinken ansetzen und halte in der Bewegung inne. Ich schaue die Flasche durch das Gitter meines Helms an, das mein ganzes Gesicht bedeckt, und wäge ab: Schaffe ich es so lässig wie die Spieler das Wasser durch das Visier in meinen Mund zu spritzen oder endet das in einer weiteren peinlichen Situation? Ich entscheide mich schnell für die zweite Variante und stelle die Flasche unauffällig zurück.

Zum Abschluss gibt es ein Erfolgserlebnis

Mein Training beim EHC neigt sich dem Ende zu und ich muss mir eingestehen, dass ich bisher keine sehr gute Figur gemacht habe. Als Letztes steht ein Zwei-gegen-Zwei Spiel auf dem Plan. Ich werde einem Spieler zugeteilt. „Du stellst dich in die Ecke und wenn ich zu dir spiele, schießt du einfach aufs Tor“, sagt er. Klar, wenn es nur das ist. Ein Pfiff ertönt und das Spiel beginnt. Ich fahre los und positioniere mich am Tor. Das erste Anspiel missglückt, ich treffe den Puck nicht. Doch so schnell gebe ich mich nicht geschlagen. Das nächste Anspiel kommt, ich kriege wie durch ein Wunder den Puck mit dem Schläger gestoppt, setze zum Schlag an. Tor. Augenblicklich schlagen die Spieler mit ihren Schlägern auf das Eis. Jubelnd reiße ich die Hände in die Luft und bemerke kaum noch das Zwinkern des Torhüters.

Man soll ja bekanntlich aufhören, wenn es am schönsten ist und so fahre ich elegant in Richtung Ausgang. Auf dem Weg klopfen mir die Jungs auf die gepolsterte Schulter. Zwar wohl eher aus Mitgefühl als aus Respekt. Nur ein Sturz, zwei peinliche Szenen und ein Tor zum krönenden Abschluss, es hätte schlimmer kommen können. Mit wackligen Beinen und bereits beginnendem Muskelkater endet mein Einsatz für das G-A-Team beim EHC Troisdorf. Auch wenn es noch nicht für die Teilnahme an Olympia reicht, Spaß gemacht hat es allemal.

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