In den Seilen: Das G-A-Team testet Boxen

In den Seilen : Das G-A-Team testet Boxen

GA-Mitarbeiterin Nathalie Dreschke wurde von den Usern zum BSC Bad Neuenahr-Ahrweiler geschickt. Dort durfte sie ihre Box-Fähigkeiten unter Beweis stellen, scheiterte aber fast an der Kondition.

Sandsäcke hängen von der Decke, Fitnessgeräte werden von durchtrainierten Sportlern genutzt. Der Ring wird von den Box-Legenden Sugar Ray Leonard, Muhammad Ali und Oscar de la Hoya beobachtet, deren Kampfplakate an den Wänden hängen. Schnelle, dumpfe Schläge des Profi-Boxers im Supermittelgewicht Enis Agushi prallen gnadenlos auf einen Sandsack ein. Es scheint, als würden die einstigen Stars den 25-Jährigen begutachten.

Ob diese Aura des Erfolges auf mich abfärbt? Ich hoffe es. Für das G-A-Team teste ich in Bad Neuenahr die Sportart Boxen. Ich tausche Tastatur gegen Box-Handschuhe. In den Hallen des Box- und Sportclubs Bad Neuenahr-Ahrweiler hat Trainer Walter Knieps bereits Henry Maske und Axel Schulz auf ihre Weltmeisterkämpfe vorbereitet. Nun trainiert er unter anderem den Profiboxer Agushi. Thomas Knieps leitet mittlerweile den Boxclub und führt mich in die Welt des Boxens ein.

Ich trainiere in einer Gruppe von insgesamt zwölf Sportlern. Schon bei den Aufwärmübungen geht es ordentlich zur Sache. „In Boxstellung gehen und schnelle, präzise Schläge in die Luft“, ruft Knieps. „Rechtes Bein nach hinten, die Zehen des rechten Fußes auf Höhe der linken Ferse“, erklärt er mir im Einzelgespräch die Boxstellung. Der Oberkörper wird dabei etwas nach vorne gelehnt und die Fäuste kommen vor das Gesicht. „Die Deckung ist ganz wichtig! Lass sie niemals fallen, ansonsten bekommst du direkt einen Schlag ins Gesicht“, warnt er mich. Tolle Aussichten.

Nach rund einer Viertelstunde mit Sprüngen, Schattenboxen und kurzen Sprints auf der Stelle ist das Aufwärmen beendet und mir läuft bereits der Schweiß die Stirn herunter. Keuchend schaue ich mich um und wundere mich, weshalb nur ich schwitze. „Beim Boxtraining erzielst du schnell Erfolge und bereits nach kurzer Zeit ist auch deine Kondition besser“, klärt mich meine Interims-Trainingspartnerin auf. „Darf ich jetzt in den Ring?“, frage ich den Trainer. „Bei uns kommt man nicht so schnell in den Ring“, sagt er lächelnd. „Das kann ich nicht verantworten. Wir haben mit dir etwas anderes vor.“ Knieps hat kleine rote Hütchen im Boxclub verteilt. Zwölf Stationen, mit unterschiedlichen Übungen gilt es, zu absolvieren.

Muskelkater ist vorprogrammiert

Bevor es losgeht, korrigiert Knieps noch einmal meine Boxstellung. „Kommt der Daumen über oder unter die Finger?“, frage ich zur Sicherheit nach. „Wenn du keinen gebrochenen Daumen haben willst, dann auf jeden Fall über die Finger“, sagt er augenzwinkernd. Das will ich garantiert nicht. Also Handschuhe an und ran an die erste Station. „Wichtig ist, mit der geraden Faust zu treffen. Beim Schlag drehst du deshalb die Faust ein und kannst dadurch den Gegner härter treffen“, erklärt der Trainer. Ich stelle mich vor den Sandsack auf und boxe mit der Führhand – in meinem Fall die vordere Linke – auf ihn ein. Hüfte etwas eindrehen und rechts mit der Schlaghand nachziehen, erinnere ich mich an seine Worte.

An der zweiten Station hängt auf meiner Augenhöhe ein Ball, ein Doppelendball, auch Boxbirne genannt. Die Anweisung: „Versuche sie dreimal zu treffen“. Wie schwer kann das wohl sein, denke ich mir, treffe beim ersten Schlag den Ball, setze zum zweiten an und boxe souverän in die Luft. Der Ball eiert vor meiner Nase herum, ich versuche vergeblich, die Boxbirne noch einmal zu treffen. Die weiteren zehn Stationen sind eine Mischung aus Kraft-, Box- und Ausdauerübungen. Ich komme mit jeder Sekunde näher an meine körperliche Grenze. Es gibt bereits jetzt gefühlt keinen Muskel, den ich noch nicht beansprucht habe.

Jedes Mal, wenn ich versuche, mich an einer Station auszuruhen und heimlich zu schummeln weist mich Knieps zurecht. Immerhin hat er jedes Mal auch ein paar nette Worte zur Aufmunterung parat. Nach dem Parcours steht eine Partnerübung an. Meine Partnerin ist 16, heißt Sarah Liegmann und ist ganz nebenbei sechsmalige Kickbox-Weltmeisterin. Na klasse. Knieps führt die anstehende Übung vor und mir rutscht das Herz in die Hose. Partner eins soll Partner zwei in die Bauchmuskeln boxen. Also Kickbox-Welmeisterin boxt in den Magen der Laiin. Ängstlich schaue ich Sarah an und kann mir genau vorstellen, dass sich unter dem Sport-Shirt einer so erfolgreichen Sportlerin einige Bauchmuskeln verbergen. Bei mir herrscht an dieser Stelle allerdings eher Fehlanzeige. Das Einzige was sich unter meinem Shirt versteckt ist ein Bauch voller Makkaroni mit Tomatensoße. Die habe ich vor dem Training noch schnell gegessen. Ein ganz großer Fehler, wie ich keine zehn Sekunden später feststelle. Obwohl Sarah Rücksicht auf meinen Makkaroni-Bauch nimmt, merke ich jeden einzelnen Schlag und feuere die Uhr an schneller zu laufen.

Im Ring mit dem Profi

Nach nur einer Stunde und 15 Minuten bin ich körperlich völlig am Ende. Die Koordination meiner Beine versagt hier und da und ich kann meine Arme kaum noch oben halten. Zum Schluss darf ich dann doch noch gemeinsam mit Profiboxer Enis Agushi in den Ring steigen. Mit zitternden Armen und bereits beginnendem Muskelkater posiere ich dort mit ihm für ein Foto. Auch wenn ich an meinen Boxschlägen und der Kondition noch viel arbeiten muss, mit meinem einstudierten Box-Blick a la Leonnar, Ali oder auch de la Hoya bin ich einigermaßen zufrieden.

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