SC Paderborn: Widerstand gegen Kooperation mit RB Leipzig

SC Paderborn : Widerstand gegen Kooperation mit RB Leipzig

Die Fans des Bundesliga-Aufsteigers SC Paderborn drohen nach Ankündigung einer Kooperation ihres Clubs mit RB Leipzig mit Boykott.

Wer kurz in der telefonischen Warteschleife von RB Leipzig verweilt, erfährt, dass der Brausekonzern sich nicht nur sportlich betätigt. „You are listening to Red Bull Music Academy Radio“, sagt das Band freundlich an. Wer länger wartet, lernt zwangsweise die Vielseitigkeit der Akademie-Talente kennen. Anrufer hatten am Mittwoch ausgiebig Gelegenheit, das Portfolio von gefälligem Pop bis zu experimenteller Elektromusik kennenzulernen, denn in der Warteschleife war einiges los.

Tags zuvor hatte der Champions-League-Teilnehmer den Wechsel von Sportdirektor Ralf Rangnick in die übergreifende Rolle als RB-Fußballchef und für den vakanten Posten die Verpflichtung von Markus Krösche vom SC Paderborn bekanntgegeben.

Soweit eine normale Personalie. Part des Deals ist aber neben einer Ablösesumme für die Ostwestfalen eine Kooperationsvereinbarung. Das Ziel: „Sich zu unterstützen und das jeweils vorhandene sportliche Potenzial bestmöglich auszunutzen“. Im Gespräch ist dabei die Zusammenarbeit im Scouting- oder Marketingbereich. Auch über mögliche Leihgeschäfte wurde bereits spekuliert. „Es geht bei der Kooperation rein um sportliche Angelegenheiten und nicht um wirtschaftliche Vereinbarungen“, sagte der Paderborner Präsident Elmar Volkmann dem SID.

Dennoch: Eine Kooperation zwischen zwei Fußball-Bundesligisten? Das wirft Fragen auf. Gegenseitige Einblicke in das Scouting oder bei der Trainerausbildung oder in Trainingsmethoden sind nicht verboten. Problematischer könnte es bei einem anderen Thema werden. Nicht nur die Konkurrenz wird es äußerst kritisch beäugen, wenn in einer direkten Begegnung für einen der beiden Kooperationspartner etwas auf dem Spiel steht.

DFL äußert sich nicht

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) äußerte sich auf Anfrage zu dem Thema nicht – möglicherweise, weil sie den Vorgang gerade prüft, wie Gernot Tripcke, der Geschäftsführer der Deutschen Eishockey Liga (DEL) vermutet. Einen ähnlichen Fall hat es in der DEL schon einmal gegeben. Die Eisbären Berlin und die Hamburg Freezers hatten denselben Gesellschafter, die Liga forderte von beiden Clubs eine „Ehrenerklärung“, dass es nicht zur Wettbewerbsverzerrung kommen würde. Eine sehr optimistische Regelung – obwohl die DEL solche Deals auch untersagen kann.

Frank Bohmann und Stefan Holz, die Geschäftsführer von Handball- und Basketball-Bundesliga, halten eine solche Verknüpfung innerhalb einer Liga für schwer vorstellbar. Bohmann sieht die Gefahr der Wettbewerbsverzerrung, Holz nennt den sportlich fairen Wettbewerb das höchste Gut der Liga.

Beim Paderborner Mitaufsteiger 1. FC Köln fiel das Statement freundlich, aber bestimmt aus: „Dazu äußern wir uns nicht“, sagte Medienchef Tobias Kaufmann. Ähnlich sieht es bei anderen Bundesligisten aus. Mit der Meinung über die Konkurrenz gibt man sich auch in Mönchengladbach und Düsseldorf eher zugeknöpft.

Während sich also der Champions-League-Teilnehmer mit dem ambitionierten Trainer Julian Nagelsmann („Ich gehe dahin, um irgendwann Titel zu holen“), Krösche und den neuen Strukturen in Position bringt, hieß es in Paderborn kaum 24 Stunden nach Ankündigung der Kooperation: Boykottandrohung statt Aufstiegseuphorie.

Angst vor "Leipzig-Filiale" oder ein "Farmteam"

RB Leipzig gilt in der Fanszene als Inbegriff der Kommerzialisierung des Profifußballs. Der Pokalfinalist aus Sachsen ist wegen seines Geldgebers Red Bull und seiner Beziehungen zum stetig wachsenden Fußball-Kosmos des Getränke-Giganten umstritten. Immer wieder im Fokus von Kritikern steht auch die Struktur des Vereins. Stimmberechtigte Mitglieder gibt es weniger als 20. Und die stehen allesamt dem Konzern Red Bull nahe.

Entsprechend fiel die Reaktion der Paderborner Fan-Basis beißend-ironisch bis wütend aus, gipfelnd in der Drohung, dem Aufsteiger in allen Spielen seiner zweiten Saison überhaupt in der Bundesliga die Unterstützung komplett zu entziehen. „Unsere Vereinsliebe und die jahrzehntelange Unterstützung stirbt mit dem Tag einer RB-Leipzig-Kooperation“, teilten die Anhänger in einer am Mittwoch veröffentlichten Stellungnahme mit.

Die Fans befürchten, dass Paderborn eine „Leipzig-Filiale“ oder ein „Farmteam“ wird. Bei Twitter wird der Aufsteiger bereits als „SC PadeRBorn“ bezeichnet, ein anderer User twitterte: „Paderborn ist nun also das neue Farming-Team von #RBL? Heißt nur noch 16 weitere Vereine übernehmen und #RBL wird Meister.“

Kritik, die Clubboss Volkmann nicht recht nachvollziehen kann, „weil sie ja ohne jegliche Kenntnis der Sache erfolgt“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Er kündigte für Ende Juni ein Gespräch mit den Fans an. „Dann werden wir ihnen die Kooperationsinhalte vorstellen und somit darlegen, dass alle Befürchtungen unbegründet sind“, sagte der Präsident.

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