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Keller aufräumen statt Europa League

Fifa-Schiedsrichter in der Corona-Krise : Keller aufräumen statt Europa League pfeifen

Eigentlich sollte der Niederkasseler Fifa-Schiedsrichter Sascha Stegemann als Video-Assistent Europa-League-Achtelfinalspiel FC Sevilla - AS Rom begleiten. Jetzt steht stattdessen Keller aufräumen auf dem Programm.

Der Flug war schon gebucht. Schließlich sollte der Niederkasseler Fifa-Schiedsrichter Sascha Stegemann Mitte März seinen Berliner Kollegen Felix Zwayer als Video-Assistent zum Europa-League-Achtelfinalspiel FC Sevilla - AS Rom begleiten. Doch kurz bevor er sich zum Flughafen aufmachen wollte, erreichte ihn glücklicherweise noch daheim die Nachricht, dass die Partie wegen der Corona-Pandemie abgesagt wurde.

Nicht nur was dieses Match angeht, kam Stegemann mit der Virus-Thematik in Berührung. Der 35 Jahre alte Unparteiische leitete auch am bislang letzten Bundesliga-Spieltag das aufgrund der Nähe zum Kreis Heinsberg kurzzeitig ebenfalls von einer Absage bedrohte Top-Spiel zwischen Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund. Ein ungutes Gefühl beschlich ihn jedoch zu diesem Zeitpunkt noch nicht: „Das war weder vor noch während noch nach dem Spiel ein Thema. Das einzig Ungewöhnliche war, dass der obligatorische Handshake entfiel“, berichtet Stegemann.

Aber natürlich ist auch für die Vorzeige-Unparteiischen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) der Umgang mit der ungewohnten Situation Neuland. „Wenn das, was vermeintlich weit weg war, plötzlich ganz nah ist und wenn du unmittelbar betroffen bist, wirst du schon nachdenklich“, sagt der Niederkasseler.

Was Stegemanns Trainingsprogramm angeht, hat sich inzwischen auch einiges geändert. Zwar ist es erlaubt, allein im Freien zu laufen. „Aber ich versuche, dann zu laufen, wenn wenig Betrieb ist, zum Beispiel frühmorgens oder gegen Abend“, sagt der Referee. Ansonsten allerdings ist nicht viel möglich, zumal sämtliche Fitnessstudios geschlossen sind. „Die Gymnastikmatte im eigenen Haus ist mittlerweile mein bester Freund“, so Stegemann. „Denn wenn es irgendwann weitergeht, musst du schließlich wieder topfit sein.“

Ins Grübeln hat ihn allerdings noch ein anderer Aspekt gebracht: „Das Worst-Case-Szenario für einen Schiedsrichter wäre es wohl, bei einem internationalen Einsatz in seinem Hotel unter Quarantäne gestellt zu werden, weil sich ein Hotelgast infiziert hat. Dann könntest du weder im Europacup pfeifen noch nach Hause zu deiner Familie reisen und  in den folgenden Wochen eine Begegnung in Deutschland leiten.“Die freien Wochenenden weiß der 35-Jährige, der vor einem knappen halben Jahr erstmals Vaterfreuden entgegensah, freilich gut und sinnvoll zu nutzen. Statt irgendwo in der Republik in einem Bundesliga-Stadion über die Einhaltung der Regeln zu wachen oder am Bildschirm im Kölner Keller strittige Szenen als Video-Assistent zu beurteilen, kann er sich künftig vermehrt seinem kleinen Sohn widmen. „Er hält mich ganz schön auf Trab.“

Und noch etwas hat Stegemann sich fest vorgenommen, wenngleich sich die Begeisterung in diesem Punkt in Grenzen hält: „Jetzt kann ich endlich einmal zu Hause all das erledigen, was ich sonst vor mir herschiebe, und auch mal den Keller aufräumen.“