57. Fußball-Bundesliga: GA-Redaktion tippt Bundesliga-Saison 2019/2020

57. Fußball-Bundesliga : GA-Redaktion tippt Bundesliga-Saison 2019/2020

Die GA-Sportredaktion tippt zum Start der 57. Bundesliga-Saison den Ausgang der neuen Spielzeit – ganz subjektiv und definitiv überspitzt. Warum Dortmund die Bayern vom Thron stößt, Gladbach in die Champions League einzieht und Köln drin bleibt, Düsseldorf aber nicht.

Jedes Jahr das Gleiche: Irgendwann im April oder Mai bekommen die Bayern die Schale überreicht. Doch wir sind uns (fast) sicher: Damit ist in dieser Bundesliga-Saison Schluss, am Ende trägt der Meister Schwarz-Gelb. Warum das so kommen wird und wo die anderen Clubs landen, verrät die GA-Sportredaktion auf dieser Seite – natürlich wie immer kompetent und absolut verlässlich. So – und zwar genau so – wird nach 34 Spieltagen die Tabelle aussehen.

1. Borussia Dortmund (vergangene Saison 2.): Den Borussen ist in der vergangenen Saison ein wahres Meisterstück gelungen – vielleicht ist Kunststück der bessere Begriff. Sie haben den schwächelnden Bayern trotz neun Punkten Vorsprung den Titel noch überlassen. Doch in dieser Saison ist die Chance noch größer, es besser zu machen. Der Rekordmeister hat sich bei seiner Transferpolitik wieder einmal nicht mit Ruhm bekleckert und wirkt in der Außendarstellung angeschlagen. Dagegen haben die Borussen sich in der Defensive mit Mats Hummels und Nico Schulz verstärkt. Dazu kommen mit Julian Brandt und Flügelflitzer Thorgan Hazard technische Feingeister in den Pott. Sollten die Bayern nicht kräftig nachbessern, könnte es dieses Jahr mit dem erhofften Meisterstück in Gelb und Schwarz klappen.

2. Bayern München (1.):Die Bayern werden dieses Mal nicht Meister. Warum? Weil dem Kader (bislang) die nötigen Verstärkungen fehlen, Trainer Niko Kovac ständig mit verbalem Feuer aus der Chefetage rechnen muss – und, ja, weil halt jede Serie einmal endet. Mit 80-Millionen-Einkauf Lucas Hernandez und dem vom Absteiger Stuttgart gekommenen Benjamin Pavard erhält die Defensive (teuren) Zuwachs, während es vorn trotz der Verpflichtung von Ivan Perisic noch etwas mau aussieht. Sehr wahrscheinlich, dass die Bayern bis zum Transferschluss am 2. September noch mal ans Festgeldkonto gehen.

3. RB Leipzig (3.): Auch in die vierte Spielzeit gehen die Sachsen mit einem verstärkten Kader, den sie sich einiges haben kosten lassen. Mehr als 50 Millionen Euro hat Leipzig in die Spielstärke des Teams investiert und mit unter anderen Ademola Lookman (21), Christopher Nkunku (21), aber auch Ethan Ampadu (18) nicht nur gute, sondern vor allem junge Spieler engagiert. Denn auch in dieser Saison wird Leipzig dem Top-Duo nicht das Wasser reichen können. Immerhin: Der neue Coach Julian Nagelsmann hat das Potenzial, diesen jungen Wilden Flügel zu verleihen, wenn auch erst in fernerer Zukunft.

4. Borussia Mönchengladbach (5.): Sollte an den Vorschusslorbeeren etwas dran sein, dann kommt auf die Elf vom Niederrhein eine blühende Zukunft zu. Der neue Trainer Marco Rose war bei mehreren Clubs heiß begehrt, der schlaue Max Eberl machte mit der Borussia letztlich das Rennen. Roses Fußball ist von enormem Pressing und Schnelligkeit geprägt. Um dieses System auch in Gladbach praktizieren zu können, brachte Rose Außenverteidiger Stefan Lainer aus Salzburg mit und bekam für die Offensive Marcus Thuram und den Ex-Schalker Breel Embolo. Zwar muss die Borussia den Abgang von Thorgan Hazard zur anderen Borussia verkraften, dennoch: Schon in seinem ersten Jahr führt der Neue den Club in die Champions League.

5. Bayer Leverkusen (4.): Rudi Völler hat es geschafft, Nationalspieler Kai Havertz trotz der Avancen von diversen europäischen Topclubs zu halten. Mit Julian Brandt ist allerdings ein Leistungsträger der Werkself nach Dortmund gewechselt. Die Neuzugänge Kerem Demirbay, Moussa Diaby und Nadiem Amiri versprechen viel, werden aber noch Zeit brauchen. Doch Völler sagte, dass er die Latte gerne ein wenig höher legen würde. Sprich: Saisonziel Champions League – nach einer durchwachsenen Vorbereitung eher Wunschdenken.

6. Hertha BSC (11.):Die doch etwas ergraute Hertha will es noch einmal wissen und hat sich dem schwerreichen Lars Windhorst an den Hals geschmissen. Der Unternehmer investiert nun kräftig in die alte Dame, um in den kommenden Jahren wieder regelmäßig Ausflüge nach Europa zu ermöglichen. Dass das Geld bei den Blau-Weißen wieder etwas lockerer sitzt, zeigen die beiden Neuzugänge Dodi Lukebakio und Eduard Löwen. Auf dem Trainerposten blieben die Berliner dagegen zurückhaltender und beförderten Ante Covic aus der zweiten Mannschaft. Da er mit Vedad Ibisevic, Salomon Kalou oder Ondrej Duda weitere gute Kicker von Vorgänger Pal Dardai erbt, ist für ihn die Reise nach Europa drin.

7. FC Schalke 04 (14.):Die vergangene Spielzeit steckt der königsblauen Fan-Seele noch tief in den Knochen. Nur knapp entging der S04 dem Abstieg. Der neue Coach David Wagner steht vor einer schweren Aufgabe. Er muss aus einer demoralisierten Mannschaft eine Einheit formen. Mit Benito Raman und Ozan Kabak wurden zwei verheißungsvolle Talente verpflichtet. Ob der eine oder andere Routinier nicht die bessere Alternative gewesen wäre, wird man sehen. Schalke wird auch in diesem Jahr keine große Rolle im Kampf um die Königsklasse spielen, in den Abstiegskampf gerät Schalke aber auch nicht.

8. Werder Bremen (8.): Das Wichtigste vorweg: Der ewige Claudio Pizarro macht weiter. Weil die Bremer in den vergangenen Jahren noch etliche weitere gute Fußballer an der Weser versammelt haben und Florian Kohfeldt ein Trainer mit Zukunft ist, ist der Europapokal nicht mehr weit entfernt. Da der Abgang von Max Kruse aber eine Kreativitätslücke in die Offensive reißt, wird es in dieser Spielzeit noch schwer, ins europäische Geschäft zurückzukehren.

9. FSV Mainz 05 (12.): Nach zuletzt eher bescheidenen Spielzeiten könnte Mainz in dieser Saison die positive Überraschung der Liga sein. Der FSV hat sich vor allem in der Defensive verstärkt. Mit Aaron Martin ist den 05ern sogar ein Glücksgriff gelungen. In der Offensive steht mit Jean-Philippe Mateta ein erstklassiger Stürmer in den Mainzer Reihen. Allerdings fällt der Angreifer noch bis Herbst verletzungsbedingt aus. Dennoch: Mit viel Glück ist ein einstelliger Tabellenplatz möglich.

10. VfL Wolfsburg (6.):Aachen, Hannover, Köln und jetzt Wolfsburg – wo Jörg Schmadtke ist, ist die Qualifikation für Europa nicht weit. Bereits in seiner ersten Saison in der VW-Stadt hat er einen Kader zusammengebastelt, der es ins obere Tabellendrittel schaffte. Auf den von Schmadtke ungeliebten Coach Bruno Labbadia folgte mit dem Österreicher Oliver Glasner ein eher unbeschriebenes Blatt. Positiv für den Bundesliga-Novizen: Kein Leistungsträger hat den Club verlassen. Mit Kevin Mbabu, Xaver Schlager und Lukas Nmecha verstärken dafür drei interessante Neuzugänge den Kader. Die Mehrbelastung durch die Teilnahme an der Europa League wird jedoch dazu führen, dass die Wölfe in der Tabelle etwas abrutschen.

11. TSG 1899 Hoffenheim (9.): Den Sinsheimern ist nahezu die gesamte Offensive abhandengekommen. Ein adäquater Ersatz für Demirbay und Co. ist nicht in Sicht. Mit Julian Nagelsmann hat zudem auch die deutsche Trainerhoffnung den Verein verlassen. Sollte Finanzier Dietmar Hopp die Geldschatulle nicht noch einmal öffnen, wird es mit einem einstelligen Tabellenplatz in dieser Spielzeit schwer.

12. Eintracht Frankfurt (7.): Nach zahlreichen Abgängen inklusive Trainer Niko Kovac wurde die Eintracht vor einem Jahr an dieser Stelle auf den Relegationsplatz gesetzt. Und dann? Lange an den Champions-League-Plätzen geschnuppert und das Halbfinale der Europa League erreicht. Auch jetzt wurden den Euro-Adlern personell wieder die Flügel gestutzt: Die beiden Stürmer Luka Jovic und Sebastian Haller verabschiedeten sich für hohe Ablösen Richtung Madrid beziehungsweise West Ham. Immerhin: Mit Torwart Kevin Trapp, Verteidiger Martin Hinteregger und den Mittelfeldspielern Filip Kostic und Sebastian Rode wurden vier ausgeliehene Leistungsträger fest verpflichtet. Dennoch wird es für die Eintracht dieses Mal kaum möglich sein, noch einmal eine solch brillante Serie hinzulegen.

13. 1. FC Köln (Aufsteiger):„Ruhig, gaaaanz ruhig bleiben“, liebe FC-Fans. Die Domstadt inklusive Umland sollte sich das Mantra des ehemaligen Kölner Sportdirektors Jörg Schmadtke zu Herzen nehmen. Nach dem insgesamt ungefährdeten Aufstieg gibt es keinen Grund, wieder vom „Veedel“-Leed der Blääck Föös im Emirates zu träumen. Das Stadion von Arsenal London oder anderen europäischen Hochkarätern ist im Moment genauso weit entfernt, wie das Kölsch von der vermeintlich längsten Theke der Welt in Düsseldorf. Also mal schön auf die Euphorie-Bremse treten. Grund zur Panik gibt es aber auch nicht. Die Kölner Verantwortlichen haben ganze Arbeit geleistet. Sie haben sich finanziell weit aus dem Fenster gelehnt und an den nötigen Stellschrauben im Defensivverbund und auf den Außen gedreht. Das sollte dicke zum Klassenerhalt reichen.

14. SC Freiburg (13.): Wenn demnächst mal wieder ein neuer Bundespräsident gesucht wird und hätte dann des Volkes Stimme zu entscheiden, Christian Streich wäre ein aussichtsreicher Kandidat. Beliebter als jeder Politiker ist der waschechte Badener. Streich ist Kult. Die Begeisterung für den Fußballlehrer hat aber natürlich auch sportliche Gründe. Seit Jahren geben die Freiburger jungen Spielern die Chance, sich in der Bundesliga zu beweisen – mit Erfolg. Da der Kader ausnahmsweise mal keine großen Abgänge zu verzeichnen hat, bleibt die eingespielte Truppe auch weiterhin Teil der Bundesliga.

15. SC Paderborn (Aufsteiger): Paderborn hat in den vergangenen Jahren eine wahre Achterbahnfahrt hingelegt. Aufstieg in Liga 1, dann der Abstieg bis in Liga 3 und jetzt der Durchmarsch zurück ins Oberhaus. Da kann einem schon ein wenig schwindelig werden. Eine Liaison mit RB Leipzig hätte mehr Geld in die Kassen gespült, doch in Paderborn blieb man sich selbst treu. Dann lieber kleinere Brötchen backen und stoisch an einem Platz über dem Strich arbeiten. Der ist drin.

16. FC Augsburg (15.):Martin Schmidt – in der Saison für Manuel Baum gekommen – blieb Trainer, aber es fehlt die Fantasie, um in dieser Saison vieles zum Besseren zu wenden. Ohne wirklich bedeutende Neuzugänge, die einen Unterschied ausmachen können, kommt der FCA nicht aus dem Keller raus.

17. Fortuna Düsseldorf (10.): In der zweiten Saison nach dem Aufstieg wird es für Fortuna Düsseldorf bitterernst. Es ist schlicht nicht vorstellbar, dass Fortunas Kult-Trainer Friedhelm Funkel aus der neuen Mannschaft erneut eine erfolgreiche Truppe von Hurra-Fußballern macht. Der Abstieg wird wohl nicht zu vermeiden sein.

18. Union Berlin (Aufsteiger): Köpenick steht Kopf – Eisern Union ist in der ersten Liga. Es war schon ein besonderes Spektakel, das sich dem Zuschauer in der Alten Försterei im Relegations-Rückspiel gegen den VfB Stuttgart bot. Nun also sind die Ost-Berliner im 57. Bundesliga-Jahr der 56. Bundesliga-Verein. Mit seiner Arbeitskittel-DNA will das Team des Schweizer Trainers Urs Fischer den Etablierten ein Schnippchen schlagen. Dafür blieb Stuttgarts Christian Gentner direkt da, zudem schlossen sich die erfahrenen Neven Subotic und Anthony Ujah dem Aufsteiger an. Ob das zum Klassenerhalt reicht? Eher nicht. Nach einem Jahr heißt es bei Union: Schön, mal dabei gewesen zu sein.

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