1. Sport
  2. Fußball

Erich Rutemöller: Von Bonn in den Himalaya

Fußball-Trainer : Erich Rutemöller: Von Bonn in den Himalaya

Erich Rutemöller, früherer Trainer des Bonner SC und des 1. FC Köln, feiert an diesem Samstag seinen 75. Geburtstag. Sein Spruch „Mach et, Otze“ gehört zum deutschen Fußballkulturgut.

In diesem Moment wirkt es, als sei ihm gerade bewusst geworden, dass das Leben für ihn vor allem die Sonnenseite bereithält. Frankreich. 1998. Irgendwo in den Hügeln von Nizza. Mit dem Reporter plaudert er über Fußball, die WM, in die er in diesen Tagen tief eintaucht. Vermutlich redet Erich Rutemöller auch über Gott und die Welt. Er genießt, dass er an diesem hübschen Fleckchen Erde sitzen darf, dort, wo ihn der Fußball hingeführt hat. Schätzt es, den Einheimischen bei einer Partie Boule zuschauen zu können, einen Kaffee zu trinken. Und natürlich auch das Gespräch mit seinem Tischnachbarn über Fußball.

Rutemöller, im westfälischen Recke-Steinbeck geboren, fühlt sich in diesen Minuten, wenn man so will, wie Gott in Frankreich. Der Mann, der an diesem Samstag 75 Jahre alt wird, ist zufrieden. Mehr als 20 Jahre ist der Moment her. Und wenn man heute mit ihm spricht, scheint es, als habe er sich keinen Millimeter von jenem Empfinden entfernt. Rutemöller ist geblieben auf der Sonnenseite eines Lebens, in dem Fußball seit jeher einen Stammplatz innehat. Fußball ist sein Beruf, mehr noch, ist seine Leidenschaft, sein Elixier.

Ausgetrampelte Pfade hat der frühere Trainer des 1. FC Köln und des Bonner SC dabei nie beschritten. Jene Etappe seiner Welttour im Auftrag des Fußballs in Frankreich war nur eine von vielen, die er mit der deutschen Nationalmannschaft erlebte. Dabei schien es zunächst auf eine Karriere als Vereinstrainer hinauszulaufen. Doch die Härten im Profi-Business bekam er rasch zu spüren. Aufgestiegen vom FC-Amateurcoach in die Bundesliga, war ihm dort als Trainer nur eine kurze Zeit beschieden. (Juni 1990 bis Ende August 1991). Nach dem verlorenen Pokalfinale gegen Bremen und einem durchwachsenen Bundesligastart musste er gehen. Auch später bei Hansa Rostock: „Es lief nicht gut“, sagt Rutemöller. Ein weiteres Kurzkapitel. Rückblickend gibt er selbst zu, sei er „zu gutmütig“ für den Job gewesen, vielleicht sogar „zu naiv“. So kurz und schmerzhaft sein Bundesliga-Intermezzo auch gewesen sein mag, es hat ihn weitergebracht. Der damalige Bundestrainer Berti Vogts holte ihn 1994 zum DFB. Er fungierte als Juniorentrainer, ab 2000 war er Nachfolger von Gero Bisanz als Chefausbilder. Rutemöller gehörte jahrelang zum Trainerstab der Nationalmannschaft, war Assistent von Vogts, Erich Ribbeck, Rudi Völler und Jürgen Klinsmann.

Weltweit anerkannt

Ein Leben für den Fußball: Erich Rutemöller (r.) im Trainerteam der Nationalmannschaft an der Seite von Jürgen Klinsmann (l.) und Joachim Löw. Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb/Peter Kneffel

Doch seine Reise durch die wunderbare Welt des Fußballs kannte kaum Grenzen. Der frühere Dozent der Sporthochschule in Köln genießt als Trainerausbilder einen erstklassigen Leumund. Weltweit. Er lehrte im Auftrag des asiatischen Verbandes in Katar und Bahrain, war Fußball-Entwicklungshelfer in Japan und Georgien, in Süd- und im politisch isolierten Nordkorea. Rutemöller versteht sich selbst als Vermittler und Botschafter des deutschen Fußballs. Ein Buch wird er über all seine Erlebnisse allerdings nicht verfassen. „Ich möchte mir nicht selbst auf die Schulter klopfen“, sagt er, „und ich möchte auch nichts Negatives schreiben.“

Reichlich Stoff hätte er. Selbst auf die Höhen des Himalaya trieb es ihn, ins Königreich Bhutan. Dorthin, wo laut Rutemöller „der Fußball nicht die Welt ist“. Noch heute schwärmt er von dem gegenseitigen Respekt, der dort in der Bevölkerung herrscht. Ganz nach seinem Geschmack. Als Fußball-Missionar hisste er auf allen Kontinenten sein Fähnchen. Gerade hat er seinen Anker wieder in Heimatgefilden gesetzt. Auch sportlich gesehen. Zuvor in Düsseldorf als Berater des Vorstandes im Einsatz („die Trennung ist gut verlaufen“) füllt er die gleiche Aufgabe nun beim FC aus. Wenn er gefragt wird vom Präsidium um Boss Werner Wolf, ist er zur Stelle.

Das war er auch, als Frank Ordenewitz einmal seinen Rat einforderte. Die Geschichte, auf die Rutemöller noch heute angesprochen wird, gehört inzwischen zum deutschen Fußballkulturgut. Der Aufforderung „Mach et, Otze“, mit der der damalige FC-Trainer seinen Torjäger im Pokalhalbfinale 1991 gegen Duisburg vor einer Sperre im Endspiel bewahren wollte, ist längst ein geflügeltes Wort. Gesperrt wurde „Otze“ dennoch fürs Finale gegen Bremen, denn Rutemöller unterrichtete in einem Interview prompt die Öffentlichkeit über die Unterhaltung – treuherzig in seiner Art. Noch heute stehen die beiden in Kontakt, und der Trainer beteuert: „Frank hat es mir nie übel genommen.“ Ob Rutemöller ihre regelmäßigen Telefonate aber mit dem Ausspruch „Mach et, Otze“ beendet, ist nicht überliefert.

Bonn wird Teil seines Lebens bleiben

Wie Ordenewitz wird auch der Bonner SC, den er zwischen 1985 und ’89 trainierte, Teil seines Lebens bleiben. Zu ehemaligen Spielern wie Siggi Marti, Hans Faust oder Rainer Thomas pflegt er noch heute Kontakt. Nur eines ärgert ihn. „Daniel Zillken hat mich als BSC-Rekordtrainer abgelöst“, sagt er und schmunzelt.

Verbunden bleibt er auch mit seinem FC. Nur fünf Minuten wohnt er in seiner Wohnung vom Geißbockheim entfernt. Im kleinen Kreis und mit seinen beiden Söhnen – seine zweite Ehe ist gescheitert – wird er heute seinen runden Geburtstag feiern. „Das ist ja eher ein Trauertag“, meint Rutemöller. Er schmunzelt. „Aber das schaffen wir auch noch.“ Den ganzen Tag werden die Feierlichkeiten jedoch nicht in Anspruch nehmen. Vorher steht Fußball auf dem Programm. Erst Regionalliga in Düsseldorf. Dann Bundesliga in Leverkusen.