Deutschland-Argentinien: 2:2 im DFB-Testspiel - Deutsche Mannschaft kassiert späten Ausgleich

Länderspiel : Deutschland kassiert späten Ausgleich gegen Argentinien

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat im Testspiel gegen Argentinien einen sicher geglaubten Sieg verpasst. Das Team von Bundestrainer Joachim Löw kassierte nach einer 2:0-Führung zur Halbzeit am Ende den 2:2-Ausgleich.

Als Lukas Podolski dieses wunderbare, typische Podolski-Tor in seinem Abschiedsspiel gegen England geschossen hatte, setzte ein Beben ein im Dortmunder Stimmungstempel. Die seismischen Wellen waren wohl auch noch im rund 100 Kilometer entfernten Köln-Müngersdorf zu spüren.

Zweieinhalb Jahre ist das her, und nach Bastian Schweinsteiger, der ja gerade seine Karriere endgültig beendet hat, verabschiedete sich mit dem lustigen Kölner damals eine weitere Größe der 2014er-Weltmeister in den Nationalmannschafts-Ruhestand. Die neue Generation ist längst aufgerufen, deren Nachfolge anzutreten. Beim 2:2 (2:0) am Mittwochabend im Länderspiel gegen Argentinien stand kein einziger der Rio-Helden mehr auf dem Platz, da Bundestrainer Joachim Löw im Tor Marc-André der Stegen den Vorzug gegeben hatte vor Manuel Neuer.

Ein Beben war dann auch tatsächlich nicht zu registrieren in Dortmund, aber immerhin ein über weite Strecken sehr ordentlicher Vortrag der Gastgeber in diesem Testspiel zweier B-Teams. Die neu zusammengewürfelte deutsche Elf gab dabei einen 2:0-Vorsprung aus der Hand, weil sie nach einer Stunde zu sehr in Passivität verfielen.

Löw hatte ja auf mehr als ein Dutzend Spieler, die den Neuanfang moderieren und sich als Mannschaft einspielen sollen, verzichten müssen. So ließ der Badener in Abwehrspieler Robin Koch und Angreifer Luca Waldschmidt zwei Debütanten von Beginn an von der Leine. Der nachnominierte Koch, Sohn des Bundesliga-Unikats Harry, spielt wie Waldschmidt in Freiburg. Er ersetzte den kurzfristig ausgefallenen Berliner Niklas Stark (Magen-Darm-Virus). Waldschmidt und Koch - zwei SC-Kicker also in der deutschen Starformation, das hat es so auch noch nicht gegeben in der an Partien nicht armen Länderspielgeschichte – der Personalnotstand machte es möglich.

Nach der Gedenkminute für die Opfer des Anschlags in Halle bildeten die ersten Minuten so eine Partie ab, die den Begriff Freundschaftsspiel völlig zu Recht trug. Doch langsam setzen sich die Deutschen besser in Szene und befolgten das, was Löw von ihnen erwartet: bei Ballgewinn ein rasantes Umschaltspiel zu zeigen. Über die passenden Akteure dazu verfügt er ja in dem uneingeschränkten Stammspieler Serge Gnabry, Julian Brandt und eben Waldschmidt.

So passte der offensivstarke Außenverteidiger Lukas Klostermann auf Brandt, der durchgestartet war. Doch der Dortmunder scheiterte in seinem Heimspiel an Torwart Augustin Marchesin (14.). Die Deutschen blieben dran. Und keine zwei Minuten später setzte sich erneut Klostermann auf dem Flügel durch. Seinen Pass nahm Serge Gbry sehenswert an, um ihn dann noch sehenswerter mit dem Außenrist ins Eck zu schieben – die Führung (15.).

Die Argentinier hatten immer wieder Probleme mit dem hohen Tempo und dem aggressiven Pressing der Deutschen. So war es erneut ein Ballverlust der Gäste, der das 2:0 einleitete. Klostermann passte auf den starken Gnabry – und in der Mitte bekam der mitgelaufene Havertz den Ball pfannenfertig serviert (22.). Ohnehin zeigten die Kumpels Brandt und Havertz, dass sie sich auch nach ihrer gemeinsamen Leverkusener Zeit prächtig verstehen, an diesem Abend auch auf dem Platz.

Die defensivere Grundausrichtung mit der Dreierkette und den beiden Leipziger Klostermann und Marcel Halstenberg, die die Außenbahnen beackerten und sich bei Bedarf weit zurückzogen, ließ den Gästen kaum Spielraum. Kimmich und Havertz als Schaltzentrale ordneten das deutsche Spiel.

Der Auftritt der sich ebenfalls im Umbruch befindlichen Gäste, die auf den gesperrten Lionel Messi verzichten mussten und die Routiniers Angel di Mari sowie Sergio Agüero gar nicht erst im Kader aufboten, blieb einfalls- und farblos. Ein mächtiger Schuss von Rodrigo de Paul an den Innenpfosten (33.) blieb die einzig nennenswerte Chance vor der Pause. Auf der anderen Seite zeigte Halstenberg mit einem fulminanten Freistoß an die Latte (31.), dass sein Traumtor in Nordirland kein Zufall war. Auch Gnabry kam bei einem erneuten Tempogegenstoß dem 3:0 sehr nah (45.). Der Lohn für einen couragierten Auftritt war lauter Applaus der nur 45 000 Zuschauer zur Pause.

Nach dem Wechsel kam der zunächst spärlicher auf. Die Argentinier übernahmen die Kontrolle. Doch viel mehr als ertragloser Ballbesitzfußball sprang erst mal nicht heraus. Die Deutschen blieben ihrer Linie treu und schalteten bei Ballgewinn blitzschnell um. So auch in der 55. Minute, als der starke Havertz den Ball fein durchsteckte auf Gnabry – der Fuß von Argentinien-Schlussmann Marchesin verhinderte eine höhere deutsche Führung. Nichts deutete auf einen Gegentreffer hin, ter Stegen blieb weitgehend beschäftigungslos. Bis zu 66. Minute, dann musste der Barca-Schlussmann den Ball aus dem Netz holen: Eine Hereingabe verwertete der eingewechselte Leverkusener Lucas Alario humorlos per Kopf.

Die Deutschen wirkten in der Defensive plötzlich nicht mehr so gefestigt. Löw wechselte mit den beiden U21-Vize-Europameister Nadiem Amiri und Suat Serdar zwei weiteren Debütanten ein. Der Spielfluss war dahin. Argentinien setze sich in der deutschen Hälfte fest, die DFB-Elf auf Konter. Die Abwehr wackelte bedenklich. Der Ausgleich lag in der nasskalten Dortmunder Abendluft. Und der fiel: Der eingewechselte Lucas Ocampos nutze einen weiteren deutschen Abwehrschnitzer spät (85.) zum letztlich verdienten Remis.

Mehr von GA BONN