Kommentar zu Christian Heidel: Das Beste zum Schluss

Kommentar zu Christian Heidel : Das Beste zum Schluss

Christian Heidel hat beim FC Schalke 04 mit viel Geld wenig erreicht. Doch bei der Beurteilung seiner Amtszeit als Sportvorstand sollte auch sein stilvoller Abgang berücksichtigt werden, meint GA-Redakteur Gert auf der Heide.

Niemand wird behaupten, dass Christian Heidels Zeit in Schalke eine erfolgreiche ist. Trotz der Vizemeisterschaft in der vergangenen Saison. In zweieinhalb Jahren kaufte Heidel für rund 160 Millionen Euro ein und stellte eine Mannschaft zusammen, die keine ist. Jeder hat irgendwo schon einmal gut gekickt, aber zusammen sind die Spieler viel weniger als die Summe ihrer Teile. Eine Fehlkomposition, eine fußballerische Kakophonie. Dafür trägt Heidel zu allererst die Verantwortung.

Kann passieren, dass es nicht passt zwischen Manager und Verein. Heidel hatte in Mainz 24 Jahre lang hervorragende Arbeit geleistet, konnte das aber nicht auf das ungleich größere und ambitioniertere Schalke übertragen. Was dann normalerweise passiert, ist dies: Der Manager wird rausgeworfen oder er provoziert seinen Rauswurf, um eine Abfindung zu kassieren. Heidel aber geht (spätestens) im Sommer freiwillig, weil er sich selbst als Teil des Problems erkannte, und vor allem verzichtete er auf eine Abfindung. Er schachert nicht, er jammert nicht, er geht einfach.

In der besten aller Fußballwelten wäre das normal. Schließlich verdienen Manager, Sportdirektoren oder Sport-Vorstände, wie auch immer man sie nennt, in der Bundesliga meistens siebenstellig. Also sehr viel. Und der nächste Job wird kommen. Niemand muss sich um ihre Existenz sorgen, allenfalls um ihre Eitelkeit.

Unterschied zu Mourinho

Da die Fußballwelt aber von gut, geschweige denn von optimal weit entfernt ist, verdient Heidels Schritt Beachtung. Er übernimmt Verantwortung, zeigt Haltung und kann – wann auch immer – Schalke durch den Haupteingang verlassen.

Die Hintertür ist für Leute wie José Mourinho. Der Trainer wurde zwar – anders als Heidel – im vergangenen Dezember bei Manchester United gefeuert, kam aber nicht auf die Idee, dass eine Abfindung von 22,2 Millionen Euro peinlich, absurd und für den Stadionbesucher unfassbar sein könnte.

Wenn Christian Heidel demnächst in Schalke seine Koffer packt, wird kein Geldkoffer dabei sein. Es wäre angemessen, wenn die Schalker ihn auch danach beurteilten.