Kommentar zu RB Leipzig: Böse Brause?

Kommentar zu RB Leipzig : Böse Brause?

Bundesliga-Aufsteiger SC Paderborn will künftig mit RB Leipzig kooperieren. Was Fans bitter aufstößt, ist für Paderborn wie für RB Leipzig eine Win-Win-Situation. Ein Kommentar.

Es sind harte Zeiten für den deutschen Fußball-Fan. Nicht nur für den, der noch den hölzernen Tribünen am Millerntor, dem alten Bökelberg oder dem Spiel mit Libero und Vorstopper bittere Tränen nachweint. Auch der moderne Fußballfan gerät an die Grenzen der Belastbarkeit – und mancher überlegt sich, ob es nicht an der Zeit ist, dem professionellen Fußball Adé zu sagen. Der Amateurfußball und andere Sportarten haben auch schöne Spiele.

Zuerst ist der DFB als größter Verband innerhalb des Fifa-Imperiums nicht Manns genug, zumindest ein Zeichen gegen die Wahl des zwielichtigen Alleinherrschers Gianni Infantino zu setzen und stimmt mit Mann und Maus in dessen Krönungsapplaus ein. Begründung von Interims-DFB-Präsident Reinhard Rauball: „Wir sind hier nicht angetreten, um den DFB noch weiter ins Abseits zu stellen, als er ohnehin schon ist.“

Und dann verkauft sich der sympathische Aufsteiger mit Tradition an den bösen Brause-Emporkömmling. Ganz so einfach ist das nicht. Für den SC Paderborn ist die Kooperation genauso eine Win-Win-Situation wie für RB Leipzig. Beide können davon erheblich profitieren. Erfolg braucht nicht nur einen gewissen Etat und etwas Glück, sondern auch innovative Ideen. Dass diese Vereinbarung die erste ihrer Art in der Bundesliga ist, kann man also beiden Beteiligten nicht vorwerfen. Der Reflex ist bei RB allerdings schnell ausgelöst. Man erlaube sich nur kurz das Gedankenspiel, es handele sich um beispielsweise Schalke und Paderborn...

Der Vorwurf muss an die Deutsche Fußball Liga gehen, deren Regularien einen solchen Deal offenbar erlauben. Denn es handelt sich um nichts anderes als die Möglichkeit zur Wettbewerbsverzerrung. Abgesehen davon, dass die Chance, Spieler zu „parken“ und nach Bedarf zu transferieren oder verleihen, einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz bedeutet, stehen im Laufe der Saison zwei Spiele der Teams gegeneinander auf dem Plan. Ein Unding.

RB führt die Liga am Nasenring durch die Manege. Dass es ausgerechnet RB ist, bestärkt die der Kommerzialisierung überdrüssigen Fans nur noch zusätzlich. Irgendwann läuft das Fass über. Und der Fan geht dahin, wo es auch schöne Spiele gibt.

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