1. FC Köln: Toni Schumacher spricht über den erneuten Abstieg des FC

1. FC Köln : Toni Schumacher spricht über den erneuten Abstieg des FC

Interview: Toni Schumacher, Vizepräsident des 1. FC Köln, über den Abstieg, Kritik am Vorstand und das Verhältnis zwischen Peter Stöger und Jörg Schmadtke.

Herr Schumacher, beim letzten Heimspiel gab es Kritik von Zuschauern auf der Südtribüne, auch gegen Sie . . .

Toni Schumacher: Sie meinen die Spruchbänder der Ultras?

Ja. Wie gehen Sie damit um?

Schumacher: Erstmal finde ich wichtig, zu betonen, dass die Ultras nicht für alle Fans sprechen, sondern wir sehr viele andere Meinungen und sehr viel Unterstützung zu hören bekommen. Ich fahre im Jahr zu mehr als 60 Fanclubs. Und was die Kritik am Spieltag betrifft: Das hat mich früher als Spieler schon nicht aufgeregt oder beeinflusst. Ich habe sogar aus solchen Situationen Kraft geschöpft.

Die meiste Kritik muss Werner Spinner als Präsident einstecken. Sind Sie überzeugt, dass er bis zum Ende der Amtsperiode 2019 bleibt?

Schumacher: Ja, das bin ich. Aber ich frage Sie: Warum wird er so heftig kritisiert? Hat Werner Spinner aus drei Metern am Tor vorbeigeschossen? Nein! Der Hintergrund ist: Wir waren im vergangenen Sommer gezwungen, Dutzende Stadionverbote auszusprechen, momentan haben wir mit die meisten in Deutschland. Das wollen die Gruppen, die es betrifft, dem Präsidenten heimzahlen.

Dem Präsidium wirft man vor, die zu Saisonbeginn für den Sport Verantwortlichen nicht genug kontrolliert zu haben.

Schumacher: Wir haben das intensiv diskutiert und hinterfragt, klar, und haben in dem Prozess gerade bei Transfers zusätzliche Kontrollstrukturen eingebaut. Aber grundsätzlich gilt doch: Wie weit soll Kontrolle gehen? Der sportlich Verantwortliche bekommt ein Budget genehmigt. Wenn er uns im Rahmen dieses Budgets Spieler nennt, die ausführlich gescoutet wurden und uns verstärken sollen – was sollen wir dann anderes tun, als seinem Urteil als Profi zu vertrauen? Soll der Vorstand eine Undercover-Scouting-Abteilung einrichten, alle bespitzeln und alles überprüfen? Wenn wir das machen, brauchen wir keinen Geschäftsführer Sport.

Ich denke, der Vorwurf ging auch mehr dahin, wie sich das Verhältnis zwischen Jörg Schmadtke und Peter Stöger verändert hatte.

Schumacher: Da sind im Nachhinein viele ganz schön schlau. Wir hätten im Sommer den gefeierten „Manager des Jahres“ und den erfolgreichsten Trainer seit 25 Jahren an die kurze Leine nehmen sollen? Es hat keinen großen Knall gegeben, nach dem plötzlich die beiden wichtigsten Verantwortlichen im Sport für alle sichtbar nicht mehr zusammengearbeitet haben. Das war doch offenbar ein schleichender Prozess. Wir haben mit beiden Einzelgespräche geführt. Wir haben den Mannschaftsrat befragt. Jetzt, nachdem es zu spät ist, räumen Spieler ein, man habe wohl in der Saisonvorbereitung geschlampt. Wenn damals schon Spieler, Fitnesstrainer oder der Sportchef gekommen wären und es angesprochen hätten, hätte man früher reagieren können. Heute wissen wir: Niemand wollte petzen. Aber darum geht es nicht. An erster Stelle muss der FC stehen.

Aber wäre es nicht Ihre Aufgabe gewesen, genauer das Geschehen zu beobachten?

Schumacher: Ja, wenn man sagt, der Vorstand macht das hauptamtlich und muss dann auch sieben Tage die Woche am Geißbockheim sein und alles beobachten und die Ohren aufsperren, dann können wir uns das vorwerfen. Aber so sind unsere Strukturen nicht. Es ist nicht die Aufgabe des Vorstands, zu kontrollieren, ob der Trainer richtig trainiert und der Sportchef die richtigen Spieler einkauft. Dann könnten wir es ja direkt selber machen. Dann sind wir genau bei dem Prinzip Sonnenkönig, das dieser Verein nicht will und das unprofessionell wäre. Wir müssen die richtigen Verantwortlichen holen und ihnen vertrauen können. Das hat fünf Jahre sehr gut funktioniert, in dieser Saison bis Dezember überhaupt nicht. Als Vorstand ist es unsere Pflicht und Verantwortung, voranzugehen und den Schaden zu reparieren.

Wie bewerten Sie den Abstieg?

Schumacher: Es ist sportlich eine Katastrophe! Ich rede das nicht schön, das ist nicht meine Art.

Nach dem Aufstieg 2014 sagten Sie: Nie wieder Zweite Liga.

Schumacher: Stimmt, aber jetzt haben wir einen Unfall gebaut. Keinen Betriebsunfall, wie ich teils falsch zitiert wurde. Es ist ein Unfall. Das ist ein Ereignis, auf das man nicht vorbereitet ist und nach dem man etwas zu reparieren hat.

Ist das ein Schritt zurück, um danach weiter vorwärts zu kommen?

Schumacher: Ich wäre lieber in der Bundesliga geblieben! Wir müssen nicht einen Schritt zurückgehen, um Anlauf zu nehmen. Wir waren gut in Schwung. Aber es gab auch besondere Umstände in der Hinrunde, die den Schwung gekostet haben: Entscheidungen der Video-Assistenten, bis zu zehn Stammspieler verletzt, die Niederlagen in der Liga parallel zu den Höhepunkten in Europa. Das alles führte dahin, wo wir sind. Wir haben uns mit Armin Veh und Frank Aehlig hervorragend neu aufgestellt, sind nicht auseinandergefallen, sondern haben Ruhe bewahrt. Doch die Hypothek mit sechs Punkten aus der Hinrunde war für die Mannschaft zu groß. Wir hätten eine überragende Rückrunde spielen müssen. Und das – mit Verlaub – haben wir nicht geschafft.

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