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Interview mit FC-Torwart: Timo Horn: "Ich bin schon sehr diszipliniert"

Interview mit FC-Torwart : Timo Horn: "Ich bin schon sehr diszipliniert"

In seiner Karriere gab es für Timo Horn bislang nur eine Richtung: nach oben. Auch beim Aufstieg mit seinem Leib- und Magenclub 1. FC Köln in die Erstklassigkeit will es der U-21-Nationaltorwart nicht belassen. Es soll weiter aufwärts gehen - mit seinem Verein und für ihn persönlich. Die Nationalmannschaft ist sein großes Ziel.

Herr Horn, Ihr Bundesligadebüt liegt hinter Ihnen. Was hat sich verändert durch den Aufstieg?
Timo Horn: Für mich persönlich nicht viel. Natürlich steigt der Anspruch durch die höhere Liga, aber darauf haben wir ja die vergangene Saison über hingearbeitet.

Auch das mediale Interesse ist noch nicht gestiegen? Als Bundesligaspieler steht man doch deutlich stärker im öffentlichen Interesse.
Horn: Das stimmt, und es wird sich im Laufe der Saison noch steigern. Erste Erfahrungen konnten wir am Medientag der DFL machen. Da mussten wir für zahlreiche Sender rund um den Globus die Bundesligaspiele übertragen, Aufsager, also Ansagen, in Englisch machen. Ich habe es beispielsweise für Pakistan und noch einen anderen asiatischen Sender gemacht. Da merkt man, dass man in einer besonderen Liga angekommen ist.

Am Samstag geht es nach Stuttgart. Haben Sie sich die Offensivspieler des VfB am Sonntag angesehen?
Horn: Ich habe mir die zweite Halbzeit des Spiels in Mönchengladbach am Fernseher angesehen. Natürlich auch, um zu sehen, wie der VfB taktisch spielt, wie der gegnerische Torhüter angelaufen wurde. Wegen der Qualität der einzelnen Spieler brauchte ich mir das nicht anzusehen. Ich weiß, was beispielsweise Ibisevic kann.

Sie wissen aber auch, zu was Sie selbst fähig sind. Dafür arbeiten Sie auch sehr intensiv im Mentalbereich.
Horn: Mit Werner Zöchling, unserem Teamentwickler, arbeite ich diesbezüglich regelmäßig zusammen. Zu ihm habe ich das Vertrauen, das man bei einem solch sensiblen Thema besitzen muss.

Warum lassen Sie sich mental schulen?
Horn: Ich finde, dass es wichtig ist, mental abgehärtet zu sein. In der Regel kommt Zöchling einmal im Monat zum Team und spricht mit mir, aber auch mit einigen anderen Spielern. Daneben tauschen wir uns per E-Mail oder Telefon aus und besprechen Aktuelles.

In Ihrer Karriere gab es bislang nur eine Richtung: nach oben. Sind Sie auf ein mögliches Tief vorbereitet?
Horn: Natürlich ist mir bewusst, dass es nicht immer so aufwärts gehen kann wie bisher. Allerdings beschäftige ich mich nicht zu sehr mit möglichen negativen Dingen.

Torhütern wird nachgesagt, dass sie oftmals sehr spezielle Charaktere sind. Jens Lehmann ist als Schalker nach vier Gegentreffern mit der S-Bahn von Leverkusen zurück nach Gelsenkirchen gefahren, Bodo Illgner hat einmal seinen Wagen in die Leitplanke gesetzt, hat ihn stehen lassen und ist mit dem Taxi zum Training gefahren, um es nicht zu verpassen. Könnte Ihnen so etwas passieren?
Horn: (lacht) Ich bin schon sehr diszipliniert. Um ein Training nicht zu verpassen, würde ich auch einiges machen. Deshalb kann ich nachvollziehen wie es Bodo Illgner ergangen ist. Eine so extrovertierte Aktion wie die von Jens Lehmann würde mir dagegen wohl kaum passieren.

Vorbildcharakter würde also ein anderer Torwart besitzen.
Horn: Mein Vorbild war immer Edwin van der Sar. Er war ähnlich ruhig wie ich, spielte eher unspektakulär. Was mich bei ihm beeindruckte, war, dass er wie ein elfter Feldspieler agierte. Da habe ich schon einiges abgeschaut.

Nun ist van der Sar vor drei Jahren mit über 40 Jahren abgetreten. Orientieren Sie sich an aktuellen Torhütern?
Horn: Natürlich schaut man auf Manuel Neuer. Er schwebt über allen anderen. Am WM-Gewinn hatte er riesigen Anteil. Was die Strafraumbeherrschung anbelangt, besitzt er ein Alleinstellungsmerkmal weltweit. Da kann man viel abschauen.

Warum gilt das deutsche Torwarttraining als das beste der Welt?
Horn: Ich denke, weil man sich hier schon seit Jahrzehnten einfach mehr mit den Torhütern beschäftigt. Alles ist professionell, und das fängt schon in der Jugend an. Deshalb haben wir die Breite an sehr guten Torhütern. Was ich aber nicht verstehe ist, dass man sich das nicht von den Deutschen abschaut. Wenn ich schon sehe, wie sich Torhüter in anderen Ländern vor dem Spiel aufwärmen, schlage ich manchmal die Hände über dem Kopf zusammen. Und was das Niveau anbelangt, so hätte manch ein englischer Erstligatorwart Probleme, in unserer Zweiten Liga einen Stammplatz zu bekommen.

Nationaltorwart Ron-Robert Zieler ist als Jugendlicher nach England gewechselt...
Horn: Für mich kam nie in Frage, mit 15, 16 Jahren nach England zu gehen, wie es beispielsweise Ron-Robert gemacht hat. Kurzfristig wäre es finanziell vielleicht interessant gewesen. Aber darum ging es mir nie. Für mich war und ist die Ausbildung in Köln auf höchstem Niveau. Das ist ja auch der Grund dafür, dass es FC-Torhüter immer wieder in die Jugend-Nationalmannschaften schaffen.

Sie sind am Freitag in den deutschen U-21-Kader für die EM-Qualifikationsspiele gegen Irland und Rumänien berufen worden. Mit Leverkusens Bernd Leno und dem derzeit angeschlagenen Marc-André ter Stegen, der zum FC Barcelona gewechselt ist, haben Sie hochkarätige Konkurrenten.
Horn: Ich bin froh, dabei zu sein und das Training bei der Nationalmannschaft genießen zu dürfen. Das ist sehr lehrreich und auf sehr hohem Niveau, weil fast nur Erstligaspieler im Kader stehen. Deshalb war unser Aufstieg für mich ja auch so wichtig. Jetzt kann ich mich auf Augenhöhe mit ihnen messen.

Hätten Sie ein Angebot wie das für ter Stegen von Barca angenommen?
Horn: Nur wenn klar gewesen wäre, dass ich die Nummer eins bin. Aktuell wäre es uninteressant. Ich konzentriere mich voll auf den FC und die Bundesliga. Dort will ich mich langfristig mit dem Verein etablieren.

Langfristig? Ihr Vertrag endet doch in knapp zwei Jahren, und Gespräche über eine angebotene vorzeitige Verlängerung wiesen Sie in der Vorsaison zurück.
Horn: Es war damals aus meiner Sicht noch nicht der richtige Zeitpunkt. Ich denke, wir werden uns in einigen Wochen wieder zusammensetzen und miteinander darüber sprechen. Ich kann mir durchaus eine langfristige Vertragsverlängerung vorstellen. Mein Traum wäre es, mit dem FC oben in der Bundesligatabelle mitzuspielen, und dass ich in den Kreis der Nationalmannschaft vorstoße. Zunächst aber müssen wir uns als Mannschaft und ich als Einzelspieler in der Liga etablieren. Schritt für Schritt wollen wir vorwärtskommen.

So wie Sie in Ihrer Karriere. Die begann als Torwart. Dabei wollen Kinder doch lieber Tore schießen.
Horn: Der Wunsch dazu entwickelte sich, als ich fünf Jahre alt war und die deutschen WM-Spiele 1998 mit Andreas Köpke im Tor am Fernseher sah. Dann ist meine Mutter mit mir zum SC Rondorf gegangen und hat mich angemeldet. Obwohl sie sich zunächst etwas gesträubt hat, weil sie meinte, dass sei nur so eine Phase von mir. Ich war damals schon größer als die Gleichaltrigen und durfte auch sofort ins Tor. Weil ich kräftig gebaut war, gab es aber ein Problem. Wir konnten nie erwarten, auf den abgeschlossenen Trainingsplatz zu kommen. Die meisten anderen Jungs schafften es, sich durch eine Lücke im Zaun zu quetschen. Ich passte nicht durch und musste auf den Trainer warten. Besser wurde es erst, als mein Vater Co-Trainer wurde und einen Schlüssel hatte.

Und wann waren Sie erstmals bei einem FC-Spiel?
Horn: Etwa zur gleichen Zeit. Mein Vater kaufte für ihn und mich zwei Sitzplatzdauerkarten im Oberrang der Südtribüne. Die haben wir heute noch, so etwas gibt man schließlich nicht ab. Von dort oben habe ich die FC-Torhüter bewundert und davon geträumt, für den 1. FC Köln dort unten zu spielen. Es gab auch noch internationale Traumvereine, Real Madrid und Arsenal in meinem Fall.

Waren Sie schon mal als Zuschauer im Estadio Bernabeu ?
Horn: Nein, noch nicht. Aber vielleicht komme ich irgendwann mal mit dem FC dorthin.

Zur Person

Timo Horn, geboren am 12. Mai 1993, begann seine Karriere beim SC Rondorf im Kölner Süden. Von dort wechselte er 2002 in die Jugendabteilung des 1. FC Köln. Über die Regionalliga-Reserve des Clubs schaffte der gebürtige Kölner 2010/11 den Sprung zu den Profis. In der Zweitligasaison 2012/13 machte ihn Trainer Holger Stanislawski zur Nummer 1.