1. FC Köln: So plant FC-Sportchef Armin Veh den Neuaufbau der Mannschaft

1. FC Köln : So plant FC-Sportchef Armin Veh den Neuaufbau der Mannschaft

FC-Sportchef Veh spricht im Interview über seine Pläne für die Mission Aufstieg in der Saison 2018/19, den Kader – und seinen Sitzplatz.

Nach dem Abstieg hat es einen Umbruch in der Mannschaft gegeben, der ja womöglich auch noch nicht beendet ist. Wie problematisch ist das?

Das ist gar nicht problematisch, da wir von der Einschätzung her einen Kader haben, der qualitativ und menschlich in Ordnung ist. Der Umbruch wäre gravierender ausgefallen, wenn wir keine Ruhe in den Verein bekommen hätten. Das ist bei Absteigern ja oft so. Da wird sich gegenseitig zerfleischt. Das war bei uns nicht der Fall. Sicher war frisches Blut notwendig, aber nicht in der Masse.

Wie konnten Sie Leistungsträger wie Jonas Hector, und Timo Horn halten?

Man musste ihnen und ihren Beratern eine Perspektive beim 1. FC Köln aufzeigen.

Warum sind Sie der Meinung, dass der Kader stärker als der der Vorsaison ist?

Mit 22 Punkten und dem ganzen Theater der Vorrunde sind wir sang- und klanglos abgestiegen. Jetzt sollten wir mit Demut und Respekt an die Sache herangehen, aber auch mit Optimismus und einer positiven Ausstrahlung. Das sind oft nur schöne Worte, ich weiß. Aber wir tun es.

Aber Ihre Einschätzung setzt schon sehr hoch an...

Auf der anderen Seite hat der letztjährige Kader 22 Punkte geholt. Das meine ich damit, wenn ich von einem besseren Kader spreche. Sicher haben wir gute Spieler verloren, aber wir sind andererseits jetzt ausgewogener besetzt, vor allem auf den zentralen Positionen. Das wollte ich. Deshalb haben wir auch schon im Winter Vincent Koziello geholt. Wir erhoffen uns dadurch, dass wir ein schnelleres Umschaltspiel bekommen und sauber nach vorne spielen. Deshalb auch die Verpflichtungen von Louis Schaub und Niklas Hauptmann.

Stimmt es, dass Sie Jorge Meré eine Vertragsverlängerung angeboten haben?

Ja, das ist richtig.

Er ist aber noch nicht völlig fit.

Es gibt auch für einen Leistungssportler weniger gute Phasen und Bereiche, in denen er an sich arbeiten muss. Das ist nichts Negatives, sondern professionell. Manche vergessen, dass der Junge erst 21 Jahre alt ist und zwei Mal nacheinander abgestiegen ist. Wir werden ihn auf einen guten Weg bringen. Ich sehe bei ihm ein riesiges Potenzial.

Jannes Horn hat das Problem, im Schatten von Jonas Hector zu stehen – auch nicht einfach...

Klar, dass es für ihn nicht einfach ist, weil auf seiner Position ein deutscher Nationalspieler spielt. Andererseits wollen wir einen Spieler wie Jannes nicht gerne abgeben. Er hat hohe Qualität und viel Potenzial.

Sie sagten vorhin, Sie haben bestimmte Vorstellungen für das künftige Spiel des FC. Inwieweit stellen Sie zusammen mit Frank Aehlig, dem Leiter der Lizenzspielerabteilung, den Kader zusammen, welchen Einfluss hat der Trainer?

Wir zwei werden uns immer mit dem Trainer austauschen, aber die Entscheidung über die Kaderplanung liegt grundsätzlich bei mir. In diesem Geschäft kann es immer passieren, dass man den Trainer entlassen muss. Dann müsste ich auch wieder viele Spieler wechseln, wenn ein neuer Trainer kommt. Deshalb muss ich für den Verein entscheiden. Im Optimalfall bin ich mir mit dem Trainer dann einig. So wie jetzt.

Wie schwer ist es für Sie, nicht mehr den gewohnten Einfluss aufs Spielgeschehen zu besitzen?

Ich habe im letzten halben Jahr Prioritäten setzen müssen. Als ich im Dezember anfing, war viel Unruhe im Club. Die oberste Aufgabe war es, die Ruhe wieder herzustellen. Ich durfte mich da nicht von Emotionen leiten lassen oder von Dingen, die von außen hereingetragen werden.

Hätten Sie daneben gerne Einfluss genommen auf die Spiele?

Ich bin jetzt Geschäftsführer Sport, nicht mehr Trainer. Dann muss ich mich auch so verhalten. Natürlich tausche ich mich mit dem Trainerteam aus. Aber am Ende ist der Trainer der Chef der Mannschaft. Ich kann ihm meine Meinung sagen, darf aber keinen Einfluss auf die Spieler nehmen. Dann wäre ich eine schlechte Führungsperson.

Wird Ihr Platz auf der Bank oder der Tribüne sein?

Das ist nicht entscheidend. Unten sehe ich wohl weniger, weil unser Trainer immer davorsteht und coacht. Ich gehe momentan davon aus, dass ich oben sitzen werde. Leider sind mir da oft zu viele Nebengeräusche, die mich in meiner Konzentration stören. Ich möchte am liebsten auf der Tribüne sitzen, aber allein. Vielleicht lasse ich mir so eine Zone nur für mich alleine abgrenzen...

Wie sehen Sie die bisherige Vorbereitung?

Ich habe als Spieler und Trainer schon viele Vorbereitungen mitgemacht. Von daher kann ich sagen, dass bisher sehr gut gearbeitet wurde. Das Trainerteam ist sehr klar in der Ansprache an die Spieler, und die Spieler sind sehr aufmerksam bei der Sache. Daneben stimmt es im zwischenmenschlichen Bereich. Wir präsentieren uns als Einheit.

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