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1. FC Köln: So erlebte Interimspräsident Müller-Römer seine Amtszeit

1. FC Köln : So erlebte Interimspräsident Müller-Römer seine Amtszeit

Die Amtszeit von FC-Interimspräsident Stefan Müller-Römer soll am Sonntag enden. Im Interview spricht er über seine Erfolge, Schwierigkeiten und den neuen Vorstand des 1. FC Köln.

Herr Müller-Römer, wie haben Sie die Zeit als Präsident des 1. FC Köln erlebt?

Stefan Müller-Römer: Es war sehr spannend. Diese Situation geht mit viel Verantwortung einher. Die Arbeit war zeitraubender als die des Vorsitzenden des Mitgliederrates. Es gab viel mehr Termine. Und es war nicht einfach, weil intern nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen war und eine solche Situation zu noch mehr Gesprächen führt.

Sind Ihre Erwartungen an diese Aufgabe eingetroffen?

Müller-Römer: Ich wusste, dass ich nicht mit offenen Armen empfangen werde, denn in der Vergangenheit hat sich der Mitgliederrat ja auch schon mal mit dem Vorstand gestritten.

Welche Schwierigkeiten gab es in der Zusammenarbeit mit den Vizepräsidenten Toni Schumacher und Markus Ritterbach ?

Müller-Römer: Ich möchte darüber nicht mehr sprechen. Für mich ist die Konsequenz aus all den Dingen in den vergangenen Jahren, dass wir es in Zukunft beim FC anders handhaben müssen, um unsere Energie für ein Miteinander und nicht ein Gegeneinander zu verwenden.

Was bedeutet das im Detail?

Müller-Römer: Es muss möglich sein, im Verein offen miteinander zu diskutieren und dabei verschiedene Meinungen vertreten zu können, ohne dass ein anderer sofort beleidigt ist und eine persönliche Attacke darin sieht.

Sie haben nach Ihrem Eintritt in den Vorstand als Ziel ausgegeben, eine konkurrenzfähige Bundesliga-Mannschaft zusammenzustellen. Ist das gelungen?

Müller-Römer: Das war Aufgabe der Sportlichen Leitung. Wir haben uns nicht eingemischt, aber geprüft, welche finanziellen Mittel wir bereitstellen können. Dabei sind wir bewusst an die Grenzen gegangen, weil wir unbedingt die Liga halten wollen.

Was haben Sie in Ihrem halben Jahr noch erreicht?

Müller-Römer: Wir haben ein konkurrenzfähiges Frauenteam in der Bundesliga an den Start geschickt. Und ich habe mich um eine Verbesserung der Beziehungen mit der aktiven Fanszene und engagierten Mitgliedern bemüht. Zudem konnte ich verhindern, dass die umstrittenen geschäftlichen Beziehungen nach China vor der Vorstandswahl weiter ausgebaut werden.

Die Mitgliederversammlung steht an. Welche Erwartungen haben Sie an das vom Mitgliederrat vorgeschlagene Team für den neuen Vorstand mit Werner Wolf als Präsident sowie Eckhard Sauren und Jürgen Sieger als Vize?

Müller-Römer: Ich erwarte, dass sie das kommunikative Miteinander umgehend verbessern. Werner Wolf ist eine Persönlichkeit, die dem FC in dieser Situation gut tun kann, weil er ein ruhiger, bedächtiger Mensch ist, der erst zuhört, dann überlegt und dann handelt. Jürgen Sieger kenne ich als bescheidenen und strukturierten Menschen, dem es immer zuerst um die Sache geht. Eckhard Sauren kommt mit einer beachtlichen Vita aus dem Finanzsektor. Ich denke, dass die drei alle im Vorstand relevanten Bereiche gut abdecken.

Den Kandidaten wird aber fehlende Sportkompetenz vorgeworfen.

Müller-Römer: Diese Kompetenz sollte zunächst einmal in der Geschäftsführung Sport sitzen. Wenn zusätzlich im Vorstand noch ehemalige Spieler sitzen, führt das oft auch zu Gerangel. Unser Modell, in dem sich der Vorstand bei Bedarf von einem sportlichen Kompetenzteam mit einer zusätzlichen Perspektive von außen beraten lässt, halte ich für besser.

Der designierte Vorstand wird auch für seine Nähe zur Ultraszene kritisiert.

Müller-Römer: Es gibt nicht "die Ultraszene", sondern verschiedene Gruppierungen. Zum zweiten gibt es diejenigen, die Regeln überschreiten im Fußball, nicht nur bei den Ultras. Die meisten sind außerhalb der Szene bei den Hooligans zu finden. Und wir müssen das momentan zerrüttete Verhältnis mit unserer Fanszene wieder besser hinbekommen. Das aktuelle Verhältnis führt zu noch mehr Regelüberschreitungen. Wir müssen da wieder und mehr kommunizieren, obwohl es sicher bei diesem Thema kein sofortiges Allheilmittel geben wird. Verstärkte Kommunikation wird zu mehr Verständnis füreinander führen, ohne das Regelüberschreitungen toleriert werden. Eines ist klar: Ohne unsere aktive Fanszene wäre die Stimmung bei FC-Spielen zu Hause und auswärts bei Weitem nicht so gut.

Beim Spiel des FC in Wolfsburg gab es Schmährufe und üble Nachrede der Fans in Richtung des Ex-FC-Geschäftsführers Jörg Schmadtke. Hinterher gab es Kritik dafür, dass sich der Vorstand nicht öffentlich bei Herrn Schmadtke entschuldigt hat.

Müller-Römer: Als Medienanwalt habe ich Erfahrungen mit solchen Fällen. Ich bin der Meinung, dass an dieser Stelle eine öffentliche Gegendarstellung eher schädlich ist und die Persönlichkeitsrechtsverletzungen durch eine Wiederholung des Sachverhaltes nur verstärkt wird. Entschuldigen kann man sich persönlich und nicht über die Medien. Das ist auch ehrlicher. Ich habe sowohl mit Herrn Schmadtke als auch dem Ehepaar Stöger gesprochen.

Wo kommen die Gerüchte um Schmadtke und Stöger sowie dessen Lebensgefährtin denn her – und was ist an ihnen dran?

Müller-Römer: Wo sie herkommen, weiß ich nicht. Wenn ich es wüsste, würde ich denjenigen sicher zur Rechenschaft ziehen und hart durchgreifen. Wichtig ist mir, an dieser Stelle einmal klarzustellen, dass an diesen Gerüchten rein gar nichts dran ist. So etwas in die Welt zu setzen, ist eine Riesenschweinerei.

Als Präsident halten Sie am Sonntag die erste Rede. Nach der Mitgliederversammlung ist Ihre Zeit im Vorstand wahrscheinlich beendet und Sie kehren in den Mitgliederrat zurück. Würden Sie nach Ihren Erfahrungen noch einmal im Vorstand arbeiten?

Müller-Römer: Das ist zurzeit kein Thema.