1. FC Köln: Mit dem FC ins Weserstadion

1. FC Köln : Mit dem FC ins Weserstadion

Raffael Czichos hat als neuer Innenverteidiger des Zweitligisten 1. FC Köln bislang jede Minute gespielt.

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Herr Czichos, Sie sind seit fünf Monaten Spieler des 1. FC Köln und haben jetzt Ihren ersten Elften im Elften erlebt. Wie gefällt Ihnen der Karneval?

Der 11.11. wurde im Vorfeld hoch angepriesen. Ich kann sagen, es war feucht-fröhlich, rundum gelungen und hat mir viel Spaß gemacht. Ich freue mich jetzt schon auf den Straßenkarneval.

Sie sind in Saudi-Arabien geboren. Es lag nahe, dass Sie sich als Scheich verkleidet haben.

Ich muss zugeben, dass mir dieser Zusammenhang erst hinterher klar geworden ist. Das Kostüm war eher aus der Not heraus geboren. Ich war zusammen mit Christian Clemens, der in Müngersdorf bei mir um die Ecke wohnt, einfach spät dran mit der Auswahl. Scheich hat am besten gepasst und war leicht umzusetzen.

Wie haben Sie die Atmosphäre in der Stadt erlebt?

Natürlich war es gut, dass wir vorher das Spiel gegen Dresden gewonnen hatten. Die Stimmung in der Stadt war sehr angenehm. Obwohl man schon sagen muss: Da wird ganz schön viel getrunken. (lacht).

Sie kommen aus Norddeutschland. Haben Sie überhaupt die Liedtexte der kölschen Lieder verstanden?

Ich habe mir vorher extra eine Playlist geben lassen, um zu üben. Und ab einer gewissen Uhrzeit kann man jedes Lied mitsingen. Dann ist es auch egal, ob man es versteht.

Haben Sie schon viel von der Stadt Köln gesehen?

Auf jeden Fall. Jedes Mal, wenn Familie oder Freunde zu Besuch sind, mache ich eine Stadttour. Alle wollen den Dom sehen. Und ich bin stolz darauf, dass ich bislang ohne Navi klarkomme.

Im Club sind Sie wohl auch gut angekommen. Neben Timo Horn sind Sie der einzige, der jede Minute gespielt hat.

Ich hatte es etwas einfacher, weil ich das Trainerteam und Dominick Drexler aus Kiel gut kannte. Und dadurch, dass ich jede Minute gespielt habe, habe ich meinen Platz im Team auch schnell gefunden.

Es gibt Leute, die sagen, dass Raffael Czichos immer spielt, weil er in Kiel unter Markus Anfang Kapitän war. Was entgegnen Sie solchen Kritikern?

Wer im Stadion ist, sieht, dass ich eine vernünftige Saison spiele und Leistung bringe. Ich finde es schade, dass manche Leute nur die Kiel-Connection so bewerten. Die, die sich richtig mit dem Spiel auseinander setzen, werden es anders bewerten.

Es wird viel über das System von Markus Anfang gesprochen. Sie kennen es schon aus Kiel. Was sagen Sie dazu?

Der Trainer ist in einer schwierigen Situation nach Kiel gekommen und hat das 4-1-4-1-System mitgebracht, das dort auf Anhieb zu den Spielertypen gepasst hat – als wäre es zugeschnitten. Das ist nicht einfach so zu kopieren. Hier in Köln gibt es andere Spielertypen. Das braucht Zeit. Gegen Dresden haben wir in einem anderen System ein sehr gutes Spiel gemacht. Der Trainer hat immer Lösungen. Und egal, welches System es ist, wir haben die Qualität, um uns in jedem Spiel durchzusetzen.

Muss der Trainer beim FC anders arbeiten als in Kiel – sich neu erfinden?

Auch er muss sich hier mit einem anderen Umfeld auseinandersetzen. Auf dem Platz ist er aber wie in Kiel und lässt sich nicht von äußeren Einflüssen verbiegen.

Das Team hat gerade eine schwierige Phase mit dem Tiefpunkt beim 0:1 gegen den HSV hinter sich.

Keiner von uns möchte diese Phase noch einmal erleben. Wir haben uns zusammengesetzt, die richtigen Schlüsse gezogen und gegen Dresden gut geantwortet. Das hat das Team im Kern gefestigt und gibt uns Schub fürs Selbstvertrauen.

Apropos Selbstvertrauen. Ihnen ist im Pokal gegen Schalke ein Handspiel unterlaufen, das zum 1:1 und letztlich zum Ausscheiden geführt hat. Wie sind Sie damit umgegangen?

Es hat mich tierisch geärgert und traurig gemacht, weil es bei Handspiel keine einheitliche Regelauslegung gibt. Ich weiß nicht, ob einer von denen schon mal vor 50 000 Zuschauern im Sechzehner einen Zweikampf geführt und darauf achtet hat, wo seine Arme sind. Ich kann sie nicht hinter den Rücken halten, dann verliere ich jeden Zweikampf. Aber ich will ja Zweikämpfe gewinnen, und da gehört die Armarbeit dazu.

Sie sind als Fan von Werder Bremen groß geworden. Ist es für Sie ein Traum, mal für die Grün-Weißen aufzulaufen?

Früher war es ein Traum. Jetzt bin ich hier glücklich. Ich würde gerne mal im Weserstadion Bundesliga spielen, mit dem FC.

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