1. FC Köln: Kein Grund für Aktionismus beim FC

1. FC Köln : Kein Grund für Aktionismus beim FC

Der 1. FC geht die prickelnde Aufgabe auf St. Pauli mit unverändertem Kader an. FC-Verteidiger Lasse Sobiech könnte gegen seinen Ex-Club in der Startformation stehen.

Markus Anfang ist ein Vollblutfußballer. War er als Spieler und ist er als Trainer geblieben. Als solcher fällt es dem neuen Coach des 1. FC Köln nicht schwer, in die Lobeshymnen über das Millerntor einzustimmen. Der Ort neben der sündigen Meile von Hamburg, dort wo der Fußball auf die etwas andere Art und Weise gelebt wird. Ein Mythos, den der FC St. Pauli geschaffen hat und der dem Kiez-Club viele Herzen aus der ganzen Republik zufliegen lässt. Am Sonntag (13.30 Uhr) führt die gerade begonnene Zweitliga-Reise des 1. FC Köln in das Stadion an der Reeperbahn. Und alle hoffen, dass es für den aktuellen Spitzenreiter ein vergnüglicher Trip inklusive Sieg werden wird.

Ein Spiel, das für den FC zu den Highlights im tristen Zweitliga-Alltag gehört und auf das sich die Spieler, die Fans und der Trainer freuen: „St. Pauli, das ist Emotion und Leidenschaft. Da wird um jeden Zentimeter gekämpft. Es ist die Atmosphäre, die diesen besonderen Club schon immer ausgemacht hat“, beschreibt Anfang. Der FC-Coach weiß, dass allein deshalb „einiges auf uns zukommen wird“.

Mal abgesehen davon, dass der Kölner die Hamburger zu den qualitativ besseren Teams des Unterhauses zählt: „Sie sind gut gestartet und haben sich mit Marvin Knoll verstärkt. Er führt die Mannschaft schon an“, sagt Anfang über den 27-jährigen Abwehrchef, der aus Regensburg an die Elbe gewechselt ist.

Aus eigener Erfahrung hat Anfang über den FC St. Pauli gelernt, dass die leidenschaftliche Atmosphäre am Millerntor auch besser spielende Mannschaften nachhaltig einschüchtern kann. Am 25. Fe-bruar musste der 44-Jährige als Trainer von Holstein Kiel mit ansehen, wie seine aufstiegsambitionierte Elf in der Schlussviertelstunde eine 2:1-Führung hergab und 2:3 unterlag. „Es hat geschneit, und wir haben tollen Fußball gespielt, doch die Zuschauer haben Pauli angetrieben. Durch zwei Standards haben wir noch verloren“, erinnert er sich.

Mit Schnee ist am Sonntag nicht zu rechnen. Mit gefährlichen Standards schon eher und mit langen Bällen operierende Hausherren auf jeden Fall. Ein taktisches Mittel, dass nach einer Rückkehr von Lasse Sobiech in die Startelf schreit.

Der 27-jährige Innenverteidiger ist mit seinen 1,96 Metern nämlich ein Kopfballriese. Zudem kennt keiner beim FC St. Pauli besser als der gebürtige Schwerter. 134 Mal ist er für die Hanseaten aufgelaufen und hat dabei 16 Tore erzielt. Als er vor dieser Saison nach Köln wechselte, stand ein Startelfeinsatz gegen seinen Ex-Club natürlich ganz oben auf Sobiechs Wunschzettel.

„Möglich, dass Lasse zum Spielen kommt. Rafael Czichos und Jorge Meré können die langen Bälle aber auch verteidigen“, ließ Anfang die Besetzung seiner Innenverteidigung verbal noch etwas offen. Zumal es dem FC-Coach letztlich egal ist, ob St. Pauli seine Kölner hoch anläuft oder sich tief hinten reinstellt: „Wir haben für alles eine Lösung, die die Jungs umsetzen müssen. Wir wollen dominant spielen.“

Es darf aber davon ausgegangen werden, dass sich nach sieben Punkten aus den ersten drei Spielen und dem souveränen Einzug in die zweite Pokalrunde aufstellungstechnisch nicht viel ändern wird. „Ich sehe keinen Grund, bei der Kaderbenennung in Aktionismus zu verfallen. Wir haben nach der Länderspielpause vier Spiele in zwölf Tagen, da kann sich jeder empfehlen“, erklärte Anfang.

Im Vergleich zum 3:1-Heimsieg gegen Aue stehen aus der Startelf allenfalls Dominik Drexler und Vincent Koziello etwas auf der Kippe. Die 18 Spieler, die am Sonntag den Kader für den Auftritt am legendären Millerntor bilden, werden aber wohl die gleichen sein wie am vergangenen Samstag in Köln.

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