1. FC Köln: Innovatives Training für die Torhüter des 1. FC Köln

1. FC Köln : Innovatives Training für die Torhüter des 1. FC Köln

Torhüter-Trainer Andreas Menger greift auf außergewöhnliche Hilfsmittel zurück: Brillen, die die Sicht einschränken und Ballablenker, die die Flugbahn verändern. Stammkeeper Timo Horn findet es klasse.

Früher Vormittag in Kitzbühel. Erst wenige Mitarbeiter bereiten die erste Übungseinheit der FC-Profis vor, die um 10.30 Uhr beginnt. Dazu gehört Andreas Menger. Mit einem kleinen Materialwagen holt er immer mehr Geräte aus einem Lagerraum neben den Kabinen und fährt sie vor eines der Fußballtore. Dort richtet der 45-Jährige alles her für seine Übungseinheit mit den Torhütern.

„Es ist schon toll, was er alles für Materialien besorgt. Andreas hat einen ganzen Lieferwagen voll mitgebracht. Er setzt sich sehr mit der Thematik auseinander. Sein Torwarttraining wird nie langweilig. Es macht uns riesigen Spaß, immer wieder neue Dinge auszuprobieren“, lobt Keeper Timo Horn.

Neue Dinge – die reichen von Brillen, die die Sicht einschränken, über das Abwehren von Tennisbällen bis hin zu Ballablenkern aus Aluminiumgestänge oder hydraulisch verstellbaren Prellwänden. Hinter so manchem dieser Dinge stecken teils kuriose Geschichten. Die Alu-Bögen, auf die geschossen wird und die dann die Flugbahn unkontrollierbar für den Torhüter verändern, wurden vom Weltmeistertorhüter und ersten Bundestorwarttrainer Sepp Maier entwickelt. „Ich habe sie seit 2005 im Einsatz. Damit kann man sehr gut abgefälschte Schüsse simulieren und trainieren“, erklärt Menger.

Eine ähnliche Wirkung erzeugen die zwei Prellwände. Sie ähneln Holzkisten von etwa 70 x 100 Zentimetern Größe. Auf der Rückseite kann ihre Neigung zum Boden verstellt werden. Aber warum sind die Vorderseiten in schwarz-rot-gold gehalten? „Weil sie für die deutsche Nationalmannschaft für die WM 2010 gebaut wurden. Zwei, die nicht mit nach Südafrika genommen wurden, habe ich bekommen“, klärt Menger auf.

Kontakte zu Kollegen in Europa

Er ist beim 1. FC Köln kein Unbekannter. Von 1997 bis 1999 hütete er als Nachfolger von Bodo Illgner das FC-Tor. Über Duisburg kam er 2001 zu Eintracht Frankfurt. Dort wurde er 2003 Torwarttrainer. Neben dieser Tätigkeit erwarb er alle Trainerlizenzen. „Nur den Fußball-Lehrer konnte ich nicht machen, weil ich dann zu lange weg gewesen wäre“, erzählt Menger. Stattdessen erwarb er in späteren Jahren alle Torwart-Trainerscheine in Deutschland und auf europäischer Ebene. „Zudem war ich an einem Pilotprojekt beteiligt mit dem Ziel, die Torhüter-Ausbildung weiter zu professionalisieren.“

Durch den Lehrgang für das Uefa-Diplom erhielt der frühere Torhüter Kontakte zu Kollegen in Europa. So schaute er sich das Training bei Spitzenvereinen wie Juventus Turin, Ajax Amsterdam, FC Chelsea und FC Arsenal an. Die eine oder andere Trainingsform von dort baute er in sein umfangreiches Übungsprogramm ein. Der akribische Arbeiter versucht ständig, seine Torhüter auf höchstem Niveau weiterzuentwickeln. In welche Richtung es da geht? „Ich glaube, dass das Spiel der Torhüter noch komplexer wird. Dementsprechend muss sich auch die Ausbildung weiterentwickeln. Dazu gehören fußballerische Elemente und Strafraumbeherrschung. Am wichtigsten ist aber nach wie vor das Verhindern von Toren. Deshalb heißt der Mann im Tor ja Torhüter“, meint der Ex-Torhüter.

Menger betreut erstmals im Profibereich des FC nicht drei, sondern vier Torhüter: Timo Horn und Thomas Kessler sowie die 19-jährigen Jan-Christoph Bartels und den US-Amerikaner Brady Scott, beides Auswahlspieler ihrer Länder. „Der eine spielt und trainiert demnächst zwei Wochen lang bei der U21 in der Regionalliga, der andere bei den Profis. Dann wird gewechselt“, berichtet Menger, der auch für das Training aller Jugendtorhüter zuständig ist. „Am Ende der Hinrunde ziehen wir mit ihnen ein Resümee. Danach entscheiden die U21-Trainer Markus Daun und Kevin McKenna, wer in der Rückrunde bei ihnen spielt. Wir haben eben zwei Top-Talente. Denen wollen wir eine Chance geben, beim FC voranzukommen.“

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