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In Köln droht Konflikt um Pacht für Rheinenergiestadion

Stadt Köln und 1. FC Köln : In Köln droht Konflikt um Pacht für Rheinenergiestadion

Angesichts der Corona-Krise ist der 1. FC Köln um Einsparungen in vielen Bereichen bemüht. Beim Thema Stadionpacht darf der Club aktuell aber nicht auf ein Entgegenkommen der Stadt Köln hoffen.

Die Kurzarbeit für die rund 80 Mitarbeiter der Geschäftsstelle läuft beim 1. FC Köln seit dem 1. April. Die Lizenzspieler verzichten dem Vernehmen nach auf bis zu 20 Prozent ihres Monatsgehalts. Auch Geschäftsführung, Abteilungsleiter und Vorstand des Fußball-Bundesligisten tragen mit Einbußen auf dem Lohnstreifen zum Sparprogramm in den wirtschaftlich schweren Zeiten der Corona-Pandemie bei. FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle durfte sich zudem am vergangenen Mittwoch über die Botschaft von DFL-Chef Christian Seifert freuen, dass die TV-Partner der Liga bis auf einen (Eurosport) im Mai einen Teil der ausstehenden letzten Rate für die Übertragungsrechte zahlen werden.

„Uns hilft jeder Euro, wenn wir damit rechnen müssen, dass uns bei fünf Heimspielen ohne Zuschauer Einnahmen von mindestens neun Millionen Euro wegfallen werden“, sagte Wehrle. Der 45-Jährige hätte also sicher nichts dagegen, wenn der Club auch bei der hohen Pacht für das Rheinenergiestadion aufgrund der Corona-Krise sparen könnte. Wehrle darf aber davon ausgehen, dass dem FC auf diesem Spielfeld ein harter Kampf mit der Kölner Sportstätten GmbH (KSS) bevorsteht.

FC will Gesprächstermin

Dieser Zeitung liegt eine nicht-öffentliche Vorlage für die nächste Sitzung des Stadtrats vor, in der die Stadtverwaltung Stellung zum Thema Mieterlass für städtische Immobilien nimmt. Demnach hatte der FC Mitte April um einen Gesprächstermin gebeten, bei dem er sich zum Thema „Pachtzahlung austauschen“ wolle. Der Bundesligist hoffte, dass zu diesem Zeitpunkt schon entschieden sei, ob die Saison 2019/20 mit Geisterspielen zu Ende gespielt wird.

Dem wird nicht so sein. Nach Informationen dieser Zeitung wird der Termin zwischen FC und KSS noch im April stattfinden, eine Entscheidung über die Saison-Fortsetzung aber erst im Mai fallen. Zudem geht aus der Verwaltungsvorlage hervor, dass der FC zum aktuellen Zeitpunkt nicht mit einem Mietnachlass rechnen darf: „Aktuell ist kein Mieterlass für Mieterinnen und Mieter geplant. Sollte eine Mieterin oder ein Mieter in eine existenzbedrohliche Lage kommen, könnte darüber neu nachgedacht werden, um den Mieter auf der Anlage zu halten“, heißt es in dem Papier, das auf eine Anfrage im nicht-öffentlichen Teil des Hauptausschusses erstellt wurde.

Zunächst keine Geldprobleme in Sicht

Der FC befindet sich aber noch nicht in einer solchen „existenzbedrohlichen Lage“. Alexander Wehrle hatte zuletzt immer wieder betont, dass die Geißböcke vor allem aufgrund des gebildeten Eigenkapitals in Höhe von 38 Millionen Euro bis zum 30. Juni keine Liquiditätsprobleme befürchten müssen.

Inwiefern die Aussage der Stadt als Gesellschafterin der KSS auf juristischer Ebene standhalten kann, wird sicherlich Gegenstand der Gespräche und folgenden Verhandlungen sein. Fakt ist, dass die KSS als Betreiberin dem FC bei einem Abbruch der Saison das Stadion nicht zur Verfügung stellen kann – die Leistung für die zu entrichtende Pacht demnach nicht erbringt.

Ein im Mietrecht untypischer Vorgang, der sich etwa von einem Fall im Einzelhandel unterscheiden würde. Käme es zu Geisterspielen, könnte der FC gegenüber der KSS mit den deutlichen Mindereinnahmen von etwa 1,8 Millionen Euro pro Heimspiel argumentieren, um die Pacht zu mindern. Geklärt werden sollte die Frage möglichst schnell. Auch, weil Bundesliga-Geisterspiele bis zum Ende des Jahres drohen. „Wir haben unterschiedliche Szenarien, das liegt in unserer Verantwortung. Eins davon ist, auch in der Hinrunde der nächsten Saison ohne Zuschauer zu spielen“, erklärte FC-Geschäftsführer Wehrle.