Klartext nach Andreasens Handspiel: "Ich erwarte, dass man das sieht"

Klartext nach Andreasens Handspiel : "Ich erwarte, dass man das sieht"

Groß war der Aufschrei der entrüsteten FC-Fans hinter dem Tor der Heim-Elf, als der per Unterarm erzielte Treffer von Leon Andreasen von Schiedsrichter Bastian Dankert zum letztlich spielentscheidenden 1:0 für Hannover 96 gegen den 1. FC Köln anerkannt wurde.

Noch lautstärker wurde es wenig später im ganzen Stadion, als viele Smartphone-Besitzer und Sky-Abonnenten die Szene auf ihrem Display sahen.

Was ihnen möglich war, wird dem Entscheidungsträger des Spiels, dem Schiedsrichter, verwehrt. Weil man im Profi-Fußball noch nicht mit der Zeit geht. So sagte Hellmut Krug, der frühere Spitzen-Schiedsrichter und heutige DFL-Schiedsrichtervertreter: "Bei klaren Fehlentscheidungen ist der Ruf nach dem Videobeweis immer schnell sehr laut. Aber wer kann jederzeit klar definieren, wann ein klarer Fehler des Schiedsrichters vorliegt?"

Zudem gestatte der Weltverband Fifa den Einsatz noch nicht. Möglicherweise ist dies jedoch nur eine Frage der Zeit. "Bei der Fifa ist man gegenüber unseren Entwicklungen positiv eingestellt", sagte kürzlich Gijs de Jong, Direktor des niederländischen Fußballverbandes. Der will in der kommenden Saison einen Live-Test mit einem Video-Schiedsrichter durchführen.

Aufgrund von Simulationen könne man "beweisen, dass Spiele mit einem Video-Assistenten ehrlicher verlaufen. Alleine schon dadurch, dass dem Schiedsrichter Tatsacheninformationen übermittelt werden". Solange solch eine Innovation nicht installiert ist, müssten die vorhandenen Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um krasse Fehlurteile wie das vom Sonntag zu verhindern. Dieser Meinung ist man bei den Schiedsrichterexperten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

"Da gibt es keine Diskussion. Solch ein offenes Handspiel muss der Schiedsrichter oder einer seiner Assistenten erkennen. Ich erwarte, dass unsere Schiedsrichter so etwas sehen", sagte Herbert Fandel, der Chef der DFB-Schiedsrichter-Kommission, gegenüber dieser Zeitung.

Für den eingetretenen Fall, bei dem weder die Schieds- und Linienrichter noch der vierte Offizielle ein Fehlverhalten gesehen haben wollten, hätte Bastian Dankert den Torschützen Leon Andreasen befragen müssen. "Es wäre eine Möglichkeit gewesen. Das sollte man nicht häufig anwenden, aber hier war es ein Extremfall, und da hätte man es machen können", stellte Herbert Fandel klar.

Der Unparteiische war auch von Kölns Kapitän Matthias Lehmann zur Befragung aufgefordert worden, hatte dies jedoch abgelehnt. Aus Arroganz, wie es ihm unterschwellig von Kölner Seite vorgehalten wurde? Der frühere Fifa-Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer meinte dazu: "Hätte er Andreasen gefragt, und der hätte gelogen, hätte der den Schwarzen Peter gehabt."

Nun besitzen ihn beide, der eine wegen Unfairness, der andere wegen Unvermögen. Letzteres gestand der Schiedsrichter ein: "Nach dem Studium der Fernsehbilder muss man sagen, dass ein solcher Fehler auf diesem Niveau nicht passieren darf." Dieser Meinung dürfte man wohl auch bei den Verantwortlichen sein, die den Rostocker - und womöglich sein ganzes Team - für einige Wochen aus dem Bundesligabetrieb herausnehmen werden.

Vor allem auch vor dem Hintergrund, dass beim Schiedsrichterlehrgang vor dieser Saison genau das Problem vom Sonntag angesprochen worden war. "Wir haben unsere Spitzen-Schiedsrichter eindringlich darauf hingewiesen, dass ein Vergehen, das im Fernsehen und von den Stadiontribünen aus zu erkennen ist, auch vom Schiedsrichter-Team erfasst werden muss", sagte Lutz Michael Fröhlich, DFB-Abteilungsleiter Schiedsrichter.

Mehr von GA BONN