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Interview mit Marcel Risse: "Ich bin als FC-Fan aufgewachsen"

Interview mit Marcel Risse : "Ich bin als FC-Fan aufgewachsen"

Mit acht Treffern ist Marcel Risse der bislang erfolgreichste Torschütze des 1. FC Köln in dieser Saison. Der GA sprach mit ihm über seinen Erfolg, den Verein und die Rolle außerhalb des Platzes.

Herr Risse, das Fußball-Fachmagazin Kicker hat Sie zum herausragenden Zweitliga-Außenstürmer im zweiten Halbjahr ernannt. Vor allem Ihre acht Tore bei einer Torvorlage gaben den Ausschlag.
Marcel Risse: Das ist schön, und ich freue mich darüber, dass ich so viele Tore geschossen habe. Aber ich weiß, dass Torerfolge nicht alles sind. Ich will die Mannschaft nach vorne bringen.

Schmeichelt Ihnen solch eine Beurteilung?
Risse: Ich schaue mir das eigentlich weniger an, ebenso wie die Medien-Beurteilungen in Form von Noten. Mir geht es darum, dass die Mannschaft, der Trainer und letztlich auch ich mit meiner Art, Fußball zu spielen, zufrieden sind und es zum Erfolg beiträgt. Die öffentliche Beurteilung eines Spielers ist auch deshalb teils schwierig, weil die taktischen Vorgaben einem Außenstehenden nicht bekannt sind.

Gehörte zu den Vorgaben von Peter Stöger, dass Sie mehr Tore schießen und weniger Vorlagen geben sollten? Bei Ihren 79 Bundesliga-Einsätzen fielen Sie mit 17 Torvorbereitungen bei nur drei Treffern auf.
Risse: Zunächst einmal etwas zu meinen Toren: Ich habe jetzt wesentlich mehr Einsatzzeiten als zuletzt in Mainz. Das gibt mir Selbstvertrauen, deshalb schieße ich häufiger und treffe öfter. Und zu den Vorlagen: Daran werde ich arbeiten, damit es in den restlichen Saisonspielen besser wird.

[kein Linktext vorhanden]Es ist aber nicht darauf zurückzuführen, dass Sie bei Peter Stöger eine andere Rolle als die des Vorbereiters einnehmen?
Risse: Nein. Ich glaube, dass es an unserer offensiv ausgerichteten Spielweise liegt. Der Trainer fordert viele Torabschlüsse. Ob das dann Flanken oder Torschüsse sind, ist ihm wohl egal. Hauptsache, der Ball geht irgendwann rein.

Schon nach wenigen Wochen beim FC haben Sie gesagt, Sie hätten den Spaß am Fußballspiel wiedergefunden. Wo war er geblieben?
Risse: Als Fußballer willst du so viel spielen wie möglich. Das hatte mir in den letzten Jahren gefehlt. Zum anderen fühle ich mich in Köln rundum wohl. Ich habe immer jemanden um mich, wenn ich nach Hause komme. Das war in Mainz und in Nürnberg nicht so gegeben.

Und welche Bedeutung besitzt der FC für Sie?
Risse: Ich bin schon als kleiner Junge ins Stadion mitgenommen worden. Ich bin als FC-Fan aufgewachsen. Das prägt natürlich. Deshalb kann ich mich auch gut in die Fans versetzen, kann beim Erfolg, aber auch bei Niederlagen mit ihnen fühlen.

Auf Ihrem linken Oberarm befindet sich auch eine tätowierte Liebeserklärung an Ihre Heimat.
Risse: Ja, da befindet sich das Wappen von Kalk. Das ist der Stadtteil, in dem ich groß geworden bin. Es zeigt oben die Wallfahrtskapelle und darunter Amboss, Zahnrad und zwei Hämmer als Symbole für die Industrie, die Kalk als Arbeiterviertel früher geprägt hat.

Vor der letzten Bundestagswahl waren Sie an einer Aktion beteiligt, die zum Urnen-Gang aufgerufen hat. Die Wahlbeteiligung stieg um fast zehn Prozentpunkte.
Risse: Ich weiß nicht, ob das nur an mir lag (lacht). Es waren ja auch andere bekannte Kölner beteiligt. In jedem Fall war die Aktion gut für den Stadtteil und für die Menschen dort.

Wie sehen Sie die Rolle des Fußballprofis außerhalb des Platzes, wo er gerne für alles Mögliche vereinnahmt wird?
Risse: Ich gehöre nicht zu denen, die alles mitmachen und ständig in den Medien auftauchen. Ich versuche mich auf den Fußball zu konzentrieren. Wenn ich mich da ins Rampenlicht spiele, reicht das.

Unter dem Wappen steht "Et kütt wie et kütt". Ihr Lebensmotto?
Risse: Ja, das kann man so sehen. Nachdem ich das tätowieren ließ, litt ich unter einer Knochenstauchung, einer langwierigen Verletzung. Da habe ich gedacht: Es wird schon wieder. Und als ich dann gesund war, habe ich mich an den dritten Artikel des Kölschen Grundgesetzes erinnert: Et hätt noch immer jot jejange.

Zur Person

Marcel Risse (24) begann das Fußballspielen mit drei Jahren beim TuS Höhenhaus. Bereits mit sechs Jahren wechselte er zu Bayer 04 Leverkusen, wurde deutscher A-Jugend-Meister und -Pokalsieger sowie U19-Europameister. Bei Bayer 04 gab er auch mit 18 Jahren sein Bundesligadebüt. Auf Leihbasis wechselte er zum 1. FC Nürnberg, danach zu Mainz 05. Im letzten Sommer unterschrieb der Außenstürmer, der in 91 Erstligaspielen drei Treffer erzielte, für drei Jahre beim 1. FC Köln.