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Halbfinalist der Herzen: Heidenheim fordert den 1. FC Köln

Halbfinalist der Herzen : Heidenheim fordert den 1. FC Köln

Der kommende Gegner FC Heidenheim beeindruckt FC-Trainer Markus Anfang bei der knapp verpassten Pokalsensation in München. Der FCH kaufte der Stadt Heidenheim am Tag nach dem Aus bei den Bayern das Stadion für zwei Millionen Euro ab.

Frank Schmidt weiß, wo er herkommt. Der Trainer des FC Heidenheim, der nur unweit des Stadions des Fußball-Zweitligisten aufgewachsen ist, hat den Club von der Ostalb 2007 in der Oberliga Baden-Württemberg übernommen und führte ihn in weniger als zehn Jahren in die Zweite Liga. Eine steile Karriere, die den dienstältesten Trainer im deutschen Profifußball nichts von seiner bescheidenen Art genommen hat.

Aber selbst eine bodenständige Ausgabe wie der 45-Jährige hat im Hochglanzgeschäft Fußball Wünsche. „Ich bin froh, wenn wir am Mittwoch ein tolles Spiel machen und uns von unserer besten Seite zeigen. Ich bin kein Träumer. Ich bin ein Macher“, hatte Schmidt vor dem DFB-Pokalviertelfinale bei Bayern München gesagt.

Als das atemberaubende Spiel vorbei und der eigentlich doch so übermächtige deutsche Meister glücklich mit 5:4 (1:2) ins Halbfinale eingezogen war, stand Schmidt stolz in der Allianz-Arena und sah fast wie ein Sieger aus: „Es ist beachtlich, was meine Mannschaft geleistet hat. Wenn es 5:4 für uns ausgeht, darf sich auch keiner beschweren. Aber am Ende geht es eben um das Ergebnis. Das ärgert uns, aber es schmälert nicht die Leistung.“

Die Heidenheimer hatten den Bayern nach der Roten Karte für Niklas Süle (15.) in Überzahl mächtig eingeheizt und zur Pause durch Treffer von Robert Glatzel und „Mr. Heidenheim“, Marc Schnatterer, in Führung gelegen. Selbst als die Münchner durch drei Treffer in 13 Minuten zum 4:2 zurückschlugen, spielte der krasse Außenseiter weiter mutig und selbstbewusst nach vorn. Glatzel brachte den Favoriten mit zwei weiteren Toren (74/77.) ins Wanken. Hätten Denis Thomalla oder Robert Andrich bei ihrer Doppelchance zum 5:4 getroffen (82.), die Bayern wären wohl gefallen.

„Es war ein Spiel für die Ewigkeit. Trotz allem tut die Niederlage weh. Wir schießen vier Tore und scheiden aus“, sagte Glatzel. Der ehemalige Münchner Löwe ließ Jérôme Boateng und Mats Hummels wie Altherren-Fußballer aussehen und bestätigte damit auch Bundestrainer Joachim Löw, der den beiden Weltmeistern kürzlich den Laufpass gegeben hatte. Ein erst nach Videobeweis gegebener Handelfmeter (84.), den Robert Lewandowski verwandelte, rettete den Meister drei Tage vor dem Bundesliga-Gipfel gegen Borussia Dortmund vor dem Schlimmsten.

FCH kauft Stadion für zwei Millionen Euro

Die Sehnsucht nach einer Steigerung der historischen deutschen Pokalsensationen namens Geislingen, Vestenbergsgreuth (mit Frank Schmidt als Spieler gegen die Bayern) oder Eppingen blieb vor 75.000 Zuschauern unerfüllt. Die Heidenheimer, die im Achtelfinale Leverkusen ausgeschaltet hatten, durften sich aber als „Halbfinalist der Herzen“ feiern lassen. „Wir hätten Geschichte geschrieben. So ist es etwas weniger“, bedauerte Coach Schmidt, bevor er sich sofort der nächsten Aufgabe zuwandte. „Wir müssen uns schnell erholen, um gegen den 1. FC Köln erfolgreich sein zu können.“ Am Sonntag (13.30 Uhr) gastiert nämlich der Spitzenreiter und gefühlte „FC Bayern“ der 2. Liga in der Voith-Arena.

Das Stadion hat der FCH übrigens am Tag nach dem Pokal-Aus der Stadt Heidenheim für zwei Millionen Euro abgekauft. „So können wir bei Investitionen eigenständiger agieren und sind wirtschaftlich nachhaltiger aufgestellt“, erklärte Vorstandschef Holger Sanwald. Die Kaufsumme stemmt der Club über seine 26 Millionen Euro Saisonetat hinaus mit einem von institutionellen Anlegern gegebenen Schuldscheindarlehen.

Spannendes Spiel erwartet

Wenn der 1. FC Köln vor diesen Heidenheimern noch nicht gewarnt war, dann wird er es spätestens jetzt sein. „Mich hat beeindruckt, dass sie mitgespielt und nicht nur hinten drin gestanden haben“, sagte Markus Anfang am Donnerstag. Er hatte das spektakuläre 5:4 im Fernsehen verfolgt. Der FC-Coach erwartet deshalb auch am Sonntag eine Heidenheimer Elf, die „genau wie wir auf Sieg spielen wird“.

Immerhin geht es für die Gastgeber darum, mit einem Erfolg ihre durchaus realistischen Chancen auf den Aufstieg in die Bundesliga zu wahren. Was in diesem Fall in Heidenheim los wäre, weiß ein gescheiter Mann wie Frank Schmidt natürlich ganz genau: „Dann lassen wir hier die Mücken rückwärts fliegen.“