Interview mit Peter Stöger: "Es wird keine Stammelf geben"

Interview mit Peter Stöger : "Es wird keine Stammelf geben"

In kleinen Schritten will Peter Stöger den 1. FC Köln sportlich wieder zu einer festen Größe in der Bundesliga machen. Mit dem Trainer sprach Joachim Schmidt darüber.

Herr Stöger, heute Abend folgt noch ein Testspiel gegen Trabzonspor, morgen geht es zurück nach Köln. Wie zufrieden sind Sie gegen Ende des Trainingslagers mit dem Vorbereitungsstand?
Peter Stöger: Ich kann ein positives Fazit ziehen. Die Art, wie die Jungs von der Konzentration und vom Einsatz her mitgezogen haben, war in Ordnung. Bitter sind natürlich die Verletzungen von Patrick Helmes, Dusan Svento und Slawomir Peszko.

Sind die gesunden Spieler dort, wo Sie sie haben wollten?
Stöger: Im körperlichen Bereich in jedem Fall. Das hat man im heutigen Training auf dem sehr schweren, regennassen Boden gesehen. Da haben sie bis zum Schluss das Tempo hochgehalten. Das war sehr gut. In den nächsten Wochen geht es noch um die Feinabstimmung. Dann wird sich zeigen, mit welchen Spielern wir beginnen werden. Bisher war wichtig, dass jeder Spieler mit jedem einmal zusammengespielt hat. Wir mischen so viel wie möglich durch, damit jeder sich an den Rhythmus des anderen gewöhnt. Das ist uns wichtiger, als eine Stammformation einzuspielen.

Das ist also Ihre Philosophie.
Stöger: Hinter unserem Kader steht die Idee, dass nahezu alle zum Einsatz kommen könnten. Über die Breite des Kaders wollen wir den Einzelnen verbessern. Wir tauschen also die Spieler auf den Positionen durch, und sie müssen genau wissen, was wir dort von ihnen erwarten.

Also keine Stammelf?
Stöger: Nein, es wird auch im Verlauf der Meisterschaft ständig weitere Veränderungen geben, ohne dass wir permanent durchtauschen wollen. Aber dieses Wechseln hat uns schon in der Vorsaison sehr geholfen. Wir konnten dadurch auch zwischen verschiedenen Spielsystemen wählen.

Ist es Ihr Anspruch, der Mannschaft Ihren Stil zu geben?
Stöger: Nein, ich bin kein Trainer, der für sich den Anspruch hat, sich selbst zu verwirklichen. Ich bin der Meinung, dass man als Trainer wie als Spieler permanent flexibel auf das Spielgeschehen reagieren können muss. Wenn man während der Partie merkt, dass die eigene Spielidee die falsche ist, muss man sie ändern, darf sie nicht rigoros durchziehen. Ich muss immer mindestens einen Plan B, besser noch Plan C haben. Das ist mein Anspruch.

Wie hat sich das Mannschaftsgefüge gegenüber vor einem Jahr verändert?
Stöger: Man spürt, dass alle sehr konzentriert sind. Das hängt mit dem ausgeglichenen Kader zusammen. Da ist eine Konkurrenz, wie wir sie im Vorjahr nicht hatten. Jeder versucht sich auf seiner Position zu behaupten, das Optimale herauszuholen.

Auf welche Veränderung gegenüber der Zweiten Liga stellen Sie die Mannschaft ein?
Stöger: Vom Tempo her wird es keine großen Probleme geben. Aber wir werden mehr unter Druck geraten, auf noch bessere Spieler in Eins-gegen-eins-Situationen treffen. Da müssen die Jungs noch mutiger als bisher spielen und noch mehr an sich und ihr Können glauben.

Ihr Vertrag wurde vorzeitig bis 2017 verlängert. Was wollen Sie in diesen drei Jahren erreichen?
Stöger: In dieser Saison ist bekanntermaßen der Klassenerhalt, also Platz fünfzehn oder besser, das Ziel. Wenn uns das gelingt, wollen wir ein Stück weiter nach oben in der Abschlusstabelle. Wenn wir das Fundament so aufbauen, sollte der 1. FC Köln wieder eine feste Größe in der Bundesliga sein, können wir im Idealfall irgendwann in höhere Tabellenregionen kommen. Das sind Visionen, aber in kleinen Schritten voranzukommen ist für diesen Club der richtige Weg. So denken die handelnden Personen, und im Idealfall bin ich lange dabei.

Das gab es lange nicht mehr. In den letzten 24 Jahren kamen Ewald Lienen und Christoph Daum mit rund zweieinhalb Jahren auf die längsten Amtszeiten.
Stöger: Ich fühle mich in Köln rundum wohl. Hier kann ich mich weiterentwickeln. Ich bin bei einem großen Club, in einer der weltbesten Ligen. Ich muss also nicht woanders hin. Aus diesen Gründen würde ich gerne noch möglichst lange hier erfolgreich arbeiten. Deshalb habe ich noch keine Sekunde nachgedacht, was noch kommen könnte.

Sie wurden heute auf einem großen Transparent von Fans aus Wien gegrüßt.
Stöger: Darüber habe ich mich sehr gefreut. Das ist eine größere Gruppe, die schon zu Spielen von uns nach Köln und in andere Städte gekommen ist. Der FC war in meiner Heimatstadt in der Wahrnehmung immer ein großer Club. Inzwischen greift das FC-Fieber auch in Wien um sich

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