Köln verliert Rhein-Derby: Borussia Möchengladbach siegt mit 1:0 in Köln

Köln verliert Rhein-Derby : Borussia Möchengladbach siegt mit 1:0 in Köln

Der 1. FC Köln hat das rheinische Derby gegen Borussia Mönchengladbach mit 0:1 verloren. In der Schlussphase des Spiels wurden zwölf Personen durch einen Böller verletzt.

Zwischen Vorfreude und tatsächlicher Freude können Welten liegen. Das 123. rheinische Derby zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach hatte im Vorfeld mal wieder die Gemüter erregt und die Gazetten beschäftigt. Herauskam am Ende ein relativ normales und durchschnittliches Fußballspiel mit einem verdienten Erfolg des Favoriten beim Aufsteiger.

Die Gladbacher besiegten das Team von Trainer Achim Beierlorzer durch ein frühes Tor von Alassane Plea mit 1:0 (1:0) und machten ihre mehr als 5000 mitgereisten Fans froh. Die ernüchterten Kölner hingegen müssen sich nach einer vor allem in der ersten Hälfte schwachen Vorstellung und vor dem Auftritt am nächsten Samstag bei Bayern München auf einen längeren Aufenthalt im Tabellenkeller der Fußball-Bundesliga einstellen.

Böllerwurf verletzt zwölf Personen

Das Wichtigste an diesem langen Tag zwischen Mönchengladbach und Köln war die Tatsache, dass am Ende fast nur über Fußball gesprochen wurde. Bis auf etwas Buttersäure vor und ein wenig Pyrotechnik im Gladbacher Block vor dem Anpfiff des 123. Derbys war es rund um das 123. Derby zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach relativ ruhig geblieben. Bis in der Schlussphase des Spiels ein Böller in die Fotografenschar hinter dem Gladbacher Tor flog und mit ohrenbetäubenden Lärm explodierte. Ein Fotograf ließ vor Schreck seine 13.000 Euro wertvolle Kamera fallen, die einen Schaden davontrug.

Insgesamt bestätigte FC-Sprecher Tobias Kaufmann zwölf Verletzte, darunter acht Ordner: „Alle sind ärztlich behandelt worden, beziehungsweise nach dem Spiel auf dem Weg ins Krankenhaus gewesen.“ Der vermeintliche Böllerwerfer konnte laut Kaufmann noch während des Spiels ermittelt werden.E in 35-Jähriger, der den Knaller kurz vor Spielende von der Südtribüne der Kölner Fans aus über einen Zaun in einen für Ordner und Medienvertreter abgesperrten Bereich geworfen haben soll, wurde festgenommen. Videoaufnahmen hätten den Werfer identifiziert, hieß es. Gegen ihn wird wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt. In den Rängen sei während der Partie weitere Pyrotechnik gezündet worden.

Gäste übernahmen das Kommando

Wirkung erzielte von Beginn an die Gladbacher Präsenz auf die Kölner. Nach zehn Minuten Abtasten und einer ersten Chance für Anthony Modeste (4.) übernahmen die Gäste das Kommando. Coach Marco Rose schickte erstmals in dieser Saison Weltmeister Christoph Kramer und Neuzugang Rami Bensebaini auf den Platz.

Vor allem aber zahlte sich Roses Maßnahme aus Bree Embolo auf die Zehn zu beordern. Der Neuzugang, der auf Schalke noch den klassischen Stoßstürmer gab, riss das Spiel mit einer Mischung aus Körperlichkeit, Tempo und feiner Technik an sich. Sein Landsmann Denis Zakaria flankierte den Schweizer gemeinsam mit Florian Neuhaus und sorgte für den ersten Aha-Moment, als er den Ball aus 25 Metern volley an den Querbalken jagte (11.).

Drei Minuten später leitete Embolo die Führung ein. Er setzte sich gegen Ellyes Skhiri durch, zog an den Strafraum und wollte nach links rausspielen, traf dabei aber Kölns Rechtsverteidiger Kingsley Ehizibue. Von dem Niederländer sprang das Spielgerät unglücklich zu Alassane Plea, der aus zentraler Position FC-Keeper Timo Horn keine Chance ließ (14.).

Die Kölner inszenierten danach zwar ihren einzigen schönen Angriff über Loius Schaub und Ehizibue, den Jhon Cordoba zu hoch abschloss (17), boten insgesamt aber viel zu wenig für ein Derby an. Emotional bewegte sich die Partie auf überschaubarem Niveau. Die Gladbacher hatten immer genügend Zeit und Raum, um ihr gepflegtes Passspiel aufzuziehen. Der FC dagegen lief zu wenig und fand keine Räume. „Wir haben defensiv und offensiv zu viele Zweikämpfe verloren. Das hat es uns schwer gemacht. Und unsere wenigen Umschaltmomente haben wir nicht gut gespielt“, kritisierte Achim Beierlorzer.

Die Folge waren Fehlpässe in Serie, ob von Jonas Hector, Birger Verstraete und selbst dem in Freiburg so starken Skhiri und eine erdrückende Gladbacher Dominanz im Mittelfeld. Die beste Nachricht für die Gastgeber zur Pause war also, das es nur 0:1 stand. Marcus Thuram (30.), Plea (36.) oder Florian Neuhaus (39.) hätten erhöhen können. „Wir hätten 3.= führen können, wenn nicht sogar müssen“, tadelte Borussen-Coach Marco Rose. Die im Verlauf der ersten Hälfte nahezu verstummten Kölner Anhänger schickten ihre verunsicherten Lieblinge mit einigen Pfiffen in die Kabine.

Aus FC-Sicht konnte es nur aufwärts gehen. Tat es, wenn auch nur langsam. Dominick Drexler hätte von links etwas höher oder flacher zielen müssen, dann wäre Borussen-Torwart Yann Sommer zwar genauso schön, aber vergeblich ins lange Eck geflogen (52.). Verstraete brauchte einen Moment zu lange und wurde geblockt (53.). Und der sich recht glücklos in Kopfballduellen aufreibende Anthony Modeste scheiterte an Sommer (62.).

Fohlen in der Offensive

Die Fohlen merkten, dass ein Tor Vorsprung zu wenig sein könnte und zogen offensiv wieder an. Thuram hätte das 2:0 machen müssen (64.), zielte aus sechs Metern aber zu hoch. Die Beierlorzer-Elf blieb also halbwegs im Spiel, obwohl ihr in fast allen Aktionen die nötigen Selbstverständlichkeit fehlte. Vor allem die bislang so überzeugenden Neuzugänge Skhiri, Verstraete und Ehizibue verbreiteten anstelle von Stabilität fast nur Unsicherheit.

Achim Beierlorzer griff dann in die mentale Trickkiste und wechselte zwei Derbyhelden ein (74.). Simon Terodde und Marcel Risse hießen immerhin die Siegtorschützen bei den beiden jüngsten Erfolgen der Kölner gegen Mönchengladbach. Erst einmal aber musste Ehizibue in höchster Not einen Plea-Schuss von der Linie kratzen (75.). Nach einem Terodde-Kopfball (80.) kamen die Kölner erst in der Schlussphase zu hochkarätigen Chancen. Cordoba fand aus 15 Metern aber ebenso seinen Meister in Yann Sommer wie Terodde nach toller Ballan- und mitnahme aus sechs Metern (beide 88.). Danach passierte nichts mehr.

Und laut war es an diesem Derby-Nachmittag nur noch in der Nordkurve bei den feiernden Borussen-Fans. „Wir können nicht zufrieden sein, auch, weil es ein wichtiges Spiel für die Fans ist und wir ihnen keinen Sieg schenken konnte. In der zweiten Halbzeit hatten wir aber unsere Momenten. Mit der Art und Weise, wie wir uns dagegengestemmt haben, bin ich zufrieden. Wir werden uns von dieser Niederlage nicht umwerfen lassen“, resümierte FC-Coach Achim Beierlorzer.

Zwischenfall mit Fans bei Konrolle

Nach dem Spiel kam es bei Fahrzeugkontrollen im Stadtgebiet, die Gewalttaten in der Fußballstörer-Szene verhindern sollten, zu einem Angriff auf einen Polizisten. Bei der Überprüfung trat ein 27-Jähriger am Steuer aufs Gas anstatt auszusteigen. Er fuhr bedrohlich auf einen Einsatzwagen zu, woraufhin ein Polizist zur Seite springen musste. Er blieb unverletzt. Der 27-Jährige und seine Mitfahrer stiegen aus dem Auto aus und flüchteten, Beamte konnten sie nach kurzer Verfolgung stoppen. Der Pkw gehörte zu einer Kolonne von Fahrzeugen, die alle überprüft wurden. Dabei stellten die Beamten Schlagwerkzeuge und Vermummungsgegenstände sicher.

Die 25 Männer aus der Fahrzeugkolonne wurden verdächtigt, dass sie auf dem Weg zu einer Schlägerei waren. Die Polizisten nahmen den 27-Jährigen fest und die anderen in Gewahrsam. Bei ihren zahlreichen Kontrollen rund um das rheinische Derbyverzeichnete die Polizei insgesamt rund 800 gewaltbereite Fans - die Hälfte davon demnach aus Köln. Vereinzelt wurden noch Ruhestörungen verzeichnet, danach blieb die Nacht aber ruhig, wie ein Polizeisprecher sagte.

FC Köln: Horn; Ehizibue, Bornauw, Czichos, Hector; Verstraete (6. Kainz), Skhiri, Schaub (74. Risse), Drexler; Cordoba, Modeste (74. Terodde). –

M'gladbach: Sommer; Lainer, Ginter, Elvedi, Bensebaini; Kramer (83. Strobl), Neuhaus, Zakaria, Embolo; Thuram (78. Benes), Plea (87. Herrmann).

SR.: Aytekin (Oberasbach). – Zuschauer: 50.000 (ausverkauft). – Tor: 0:1 Plea (14.), . – Gelbe Karten: Hector, Risse; Kramer.

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