1. Sport
  2. 1. FC Köln

1. FC Köln: Angst abgelegt, Punkt gewonnen

1. FC Köln : Angst abgelegt, Punkt gewonnen

Der 1. FC Köln schafft dank einer Leistungssteigerung ein 1:1 beim FC Bayern München. Anthony Modeste trifft mit seinem fünften Saisontor.

Zwei Halbzeiten, zwei völlig unterschiedliche Auftritte ein und derselben Mannschaft – so erlebte man den 1. FC Köln beim zuvor in der Liga verlustpunktfreien FC Bayern München. Zurückhaltend, passiv und ängstlich vor der Pause, mutig, aktiv und offensiver danach, „nachdem uns das Wasser bis zum Hals gestanden hatte“, wie Mergim Mavraj beschrieb. Das 1:1: „Kein „duseliger Punktgewinn, sondern ein verdienter“, meinte der FC-Abwehrchef.

Nachdem sich der Kölner Trainerstab im Vorfeld zunächst uneins über die taktische Ausrichtung gewesen war, entschied man sich wie beim 0:4 im Vorjahr für eine Fünferkette in der Abwehr. Als der FC dabei aber nur unter Druck stand, wechselte man nach gut 20 Spielminuten auf die zuletzt gewohnten zwei Viererketten. Merklich besser wurde es dennoch nicht, weil nach wie vor vorne die Anspielstationen für das Umschaltspiel fehlten.

„In der Halbzeitpause waren wir alle enttäuscht, weil wir uns etwas anderes vorgenommen hatten und es die Jungs besser können. Auf die Gefahr hin, den Münchnern Räume zu bieten, sollten sie sich mehr zutrauen. Nur abzuwarten ist zu wenig, zumal wir Spielideen haben. Unsere Konter wurden besser, weil wir nun fünf statt eineinhalb Spieler vorne hatten. Dann trauten sie sich die Anspiele zu, nahmen durch Ballstafetten das Tempo heraus und befreiten sich so von der Dominanz der Bayern“, analysierte FC-Trainer Peter Stöger.

Trotz deren Überlegenheit hatte es bis zur 40. Minute gedauert, ehe den Gastgebern, bei denen rotationsbedingt die Stammkräfte Philipp Lahm, Thomas Müller, Arturo Vidal, Jerome Boateng und David Alaba zunächst auf der Bank saßen und Franck Ribéry sowie Thiago ganz fehlten, auf dem neu verlegten Rasen der Führungstreffer gelungen war. Joshua Kimmich köpfte im Tiefflug eine Hereingabe von Juan Bernat ein.

Weiteren Bayern-Treffern stand das Aluminium bei Javier Martinez‘ Kopfball (55.) sowie einer Volleyabnahme von Thomas Müller (77.) im Weg. „Ich hab‘ den Ball eigentlich optimal getroffen, aber den hat Timo schon gut gehalten“, zollte der Bayern-Stürmer FC-Torhüter Timo Horn Lob. Mit einem Weltklassereflex hatte der den Schuss an den Innenpfosten gelenkt. Obwohl die Münchner 19 Torschüsse abgaben, kam der Ball nur drei Mal bis zu Horn durch.

Auf das Bayern-Tor gab es nur fünf Versuche, von denen aber ebenfalls einer saß – auf äußerst spektakuläre Weise.

Und das passierte so: Marcel Risse schlug von rechts eine hohe Flanke in den Strafraum (63.), wo sich Anthony Modeste zwischen Mats Hummels und Javier Martinez hindurchstahl. Während das ganze Stadion – einschließlich Manuel Neuer – mit einem der gefürchteten Kopfbälle des Kölner Mittelstürmers rechnete, sprang der ab und drückte den Ball mit dem hochgerissenen rechten Fuß gegen die Laufrichtung Neuers in die Maschen. „Ich hatte das Tor erahnt, als der Ball unterwegs war. Ein typisches Modeste-Tor“, meinte FC-Manager Jörg Schmadtke.

„Das hat schon ein bisschen weh getan“, meinte der Franzose zu seiner extremen Verrenkung. Die habe er bei Yuya Osako, der wieder eine starke Leistung zeigte, einen Treffer wegen Abseits nicht anerkannt bekam, gelernt. Der sei Japaner und kenne sich aus mit Kampfsportsprüngen, erklärte Modeste lachend.

Auf eine Stufe mit dem ebenfalls bereits fünf Mal erfolgreichen Robert Lewandowski wollte er sich aber nicht stellen lassen. Der werde am Ende wieder seine 20, 25 Treffer erzielen. Mit so vielen rechne er nicht, „obwohl die Kollegen mich gut mit Vorlagen versorgen“.

Das tat auch Artjoms Rudnevs in der Nachspielzeit, als er den Ball exakt in den Lauf von Simon Zoller passte. Dessen Antritt vermochte kein Münchner zu folgen. Sein Schuss ging an Manuel Neuer vorbei, aber knapp auch am Tor, weshalb er untröstlich war: „Wenn man den Sieg auf dem Fuß hat, ist man enttäuscht.“

Dagegen meinte Mavraj, man solle die Kirche im Dorf lassen. Ein Sieg wäre des Guten zu viel gewesen. Und Stöger gab dem Fast-Torschützen Zoller mit auf den Weg: „Wenn du getroffen hättest, wäre noch in zwanzig Jahren über dich in Köln gesprochen worden. Das ist dein Problem, aber du hast alles richtig gemacht, nur eben nicht getroffen. Deshalb sei nicht geknickt.“

Ähnlich geerdet äußerte sich Schmadtke, der die Euphorie des Kölner Anhangs zu mäßigen versuchte. Schließlich sei es alles in allem ein glücklicher Punktgewinn gewesen, sagte der FC-Sportchef: „Aber der tut auch gut.“