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Interview mit Höger und Risse: Am Anfang Sandburgen gebaut

Interview mit Höger und Risse : Am Anfang Sandburgen gebaut

Vor 22 Jahren lernten sich Marcel Risse und Marco Höger kennen. Die Vierjährigen lernten beim TuS Höhenhaus, der Kölner Talentschmiede, das Fußballspielen. Beim 1. FC Köln sind sie jetzt wieder Kollegen.

Im Gespräch mit Joachim Schmidt erinnern sie sich an die Anfänge.

Herr Höger, Herr Risse, welche Erinnerungen haben sie an den TuS Höhenhaus?
Risse: Wenige, wir waren ja Kinder. Gerade mal fünf, sechs Jahre alt. Aber in Leverkusen haben wir auch zusammen gespielt, bis wir elf waren. Da haben wir in derselben Mannschaft gespielt und auch gemeinsam in der Mittelrheinauswahl.

War es ein Thema, Profi zu werden?
Risse: Natürlich wurde bei Bayer darüber gesprochen. Das war für jeden von uns der Wunsch, das größte Ziel. Wir wussten aber auch, dass nur ein kleiner Prozentsatz es schafft. Dass es uns beiden gelungen ist, und dass wir jetzt auch noch gemeinsam für unseren Lieblingsclub in unserer Heimatstadt in der Bundesliga spielen, ist wie gemalt.

Höger: In Höhenhaus haben wir uns als Bambini- und F-Spieler natürlich so gut wie gar nicht darüber unterhalten, was man machen möchte, wenn man groß ist. Da hatte man einfach nur Spaß am Spielen und hat nebenbei Sandburgen gebaut. In Leverkusen war es dann anders: Jeden Tag Training, und Marcel ist dort sogar auf das Teilinternat gegangen. Da rückte der Fußball schon deutlich in den Vordergrund.

Risse: Meine Erinnerung an Höhenhaus ist auch eine Narbe am Knie. Das blieb auf den Ascheplätzen nicht aus. Besondere Duelle waren es natürlich, wenn wir mit Leverkusen da spielten.

Bedingt auch durch die Nähe zum Wohnort?
Höger: Ja, ich in Buchheim, Marcel in Mülheim und Kalk. Später sind wir interessanterweise beide mit unseren Eltern nach Bergisch Gladbach gezogen. Von da konnte ich mit dem Bus nach Leverkusen fahren. Deshalb bin ich von Höhenhaus zu Bayer gegangen – obwohl ich schon beim FC trainiert hatte. Damals auch noch auf Asche, da, wo heute der Kunstrasenplatz ist. Aber die Fahrten bis zum Geißbockheim dauerten mit öffentlichen Verkehrsmitteln viel zu lange, und meine Eltern konnten mich nicht täglich mit dem Auto fahren.

Risse: Bei mir war es so, dass Bayer mich zum Probetraining eingeladen hat – auch auf Asche, da war kein Unterschied zwischen Bayer und dem FC (lacht).

Stimmt es, dass sie zuerst von Ihrem Vater trainiert wurden?
Höger: Nicht nur von meinem, sondern auch von Marcels Papa.

Risse: Stimmt, aber ich weiß nicht mehr, wer es zuerst gemacht hat.

Höger: Ich meine, dein Vater hat angefangen, und meiner hat dann übernommen und das noch bis zur D-Jugend fortgesetzt, als wir schon weg waren.

Risse: Und meiner hat mich auch bei Bayer noch trainiert. Wir sind gemeinsam gewechselt.

Dann aber trennten sich im Alter von 16 Ihre Wege . . .
Höger: Während Marcel in Leverkusen blieb, bin ich zu Alemannia Aachen gegangen. Aber in den Auswahlmannschaften haben wir uns gesehen, und später in der Bundesliga sind wir uns auch immer wieder über den Weg gelaufen. So blieben wir immer in Kontakt.

Und wann wurde der Kontakt intensiviert?
Risse: Vor dem Rückrundenspiel gegen Schalke, als bekannt wurde, dass Marco zu uns wechselt, habe ich mir dann mal die Handynummer von Marco besorgt und angerufen.

Jetzt sind also auch Sie bei Ihrem Herzensclub. Wann hat die Liebe begonnen?
Höger: Als ich noch ganz jung war. Ich bin mit meinem Vater öfters zum Geißbockheim gefahren, um beim Training zuzuschauen. Mein Idol war Toni Poster. Ich habe mich zuerst kaum getraut, ihn und die anderen um ein Autogramm zu bitten.

Haben Sie die noch?
Höger: Nein. Jedenfalls nicht mehr bei mir zu Hause.

Risse: Die liegen wohl eher bei unseren Eltern.

Höger: Und so sorgfältig geht man als Kind ja auch nicht mit den Sachen um. (lacht)

Sie waren also auch ein FC-Fan, Herr Risse?
Risse: Und wie! Ich war öfters im Stadion und bei Saisoneröffnungen. In Leverkusen war es auch ein offenes Geheimnis, dass ich FC-Anhänger war. Die Liebe zum FC ist nie abgerissen.

Wie war eigentlich die Rollenverteilung bei Ihnen beiden damals auf dem Spielfeld?
Risse: Ich habe wie heute fast immer auf dem rechten Flügel gespielt, meistens offensiv..

Höger: Ich war meist Sechser und Achter. Angefangen habe ich als Zehner, aber irgendwann ist mir die Schnelligkeit ein bisschen abhandengekommen (lacht). Aber jetzt ist sie wieder da.

Nun könnte demnächst ein Problem auf Sie zukommen. Sie können schließlich beide Rechtsverteidiger spielen . . .
Risse: Ich denke nicht. Wir sind sehr flexibel, was unsere Einsatzmöglichkeiten betrifft. Es gibt genug Möglichkeiten, dass wir gemeinsam spielen.

Und was wollen Sie gemeinsam erreichen?
Risse: Wir haben uns in den letzten drei Jahren bei Peter Stöger immer weiter entwickelt. Wir haben immer eins draufgesetzt. Wir haben hier in Kitzbühel über unsere Zielsetzung gesprochen und als Mannschaft eigenen Ziel festgelegt: Platz 9 bestätigen und verteidigen. Das ist ambitioniert, aber wir wollen dafür in der neuen Saison alles geben.

Höger: Ich erhoffe mir, dass ich ein Teil der Entwicklung werde. Und mit dem gesteckten Ziel kann ich mich absolut identifizieren. Jetzt freue ich mich einfach, dass es bald richtig los geht und ich zum ersten Mal mit dem Geißbock auf dem Trikot vor 50.000 in Müngersdorf auflaufen werde.