Niederlage in Mainz

Der 1. FC Köln verzweifelt am Videobeweis

FC-Abwehrspieler Dominic Maroh steht die Enttäuschung nach der erneuten Niederlage ins Gesicht geschrieben.

FC-Abwehrspieler Dominic Maroh steht die Enttäuschung nach der erneuten Niederlage ins Gesicht geschrieben.

MAINZ. Auch im zwölften Anlauf konnte der 1. FC Köln nicht den ersten Saisonsieg der laufenden Bundesliga-Saison einfahren. Die Niederlage nahm allerdings durch eine klare Fehlentscheidung ihren Lauf. Eine Analyse zur Lage des FC.

Auch der zwölfte Anlauf zum ersten Saisonsieg endete für die Kölner deprimierend. Schlimmer noch als die zehnte Niederlage war deren Zustandekommen durch eine klare Fehlentscheidung. „Das ist bitter. Es zu verkraften, ist in unserer Situation für die Jungs schwierig“, sagte Trainer Peter Stöger mit Blick auf seine Spieler.

Die Fehlentscheidung

In der 42. Minute ging Pablo De Blasis im FC-Strafraum zu Boden. Dr. Felix Brych entschied auf Strafstoß, fragte auf Intervention der Kölner bei Video-Assistent Tobias Welz nach. Der Polizeibeamte aus dem nahen Wiesbaden bestätigte die Entscheidung. „Ich habe auch De Blasis sofort und später nochmals befragt. Er sagte, es habe einen Kontakt gegeben. Den habe ich nach der Ansicht der Fernsehbilder nicht erkennen können“, gab der Jurist aus München die Fehlentscheidung zu.

Pablo De Blasis wehrte sich gegen den Vorwurf, den Elfmeter geschunden zu haben: „Es war kein Täuschungsversuch. Es gab den Kontakt. Aber ich hätte keinen Elfer geben.“

Genervt antwortete Dr. Felix Brych auf Nachfragen. Zum Beispiel, ob er sich die Szene nicht hätte am Monitor ansehen müssen: „Nein! Nach der Schlacht ist jeder General. Man kann immer etwas verbessern. Wir haben es so gelöst.“ Oder ob er sich vom Video-Assistenten allein gelassen fühle: „Dazu möchte ich nichts sagen.“

Peter Stöger mochte das Thema nicht vertiefen, meinte nur: „Ich muss wohl nicht verstehen, dass da einer sitzt und sagt, die falsche Entscheidung war richtig.“

Frankfurts Sportchef Fredi Bobic nannte die klare Fehlentscheidung eine „Vollkatastrophe“, Ex-Nationalspieler Dietmar Hamann meinte: „Mir ist es ein Rätsel, warum sich der Schiedsrichter die Szene nicht selbst am Monitor anschaut. So ist das kaum tragbar. Das Vergnügen, Fußball zu sehen, ist nicht mehr das, was es vor dem Videobeweis war. Für ihn hat der Fan einen hohen Preis bezahlt.“

Die Schreckensbilanz

Zwei Punkte nach zwölf Spielen, das gab es zwei Mal in der Bundesligageschichte. 1963 stand der FC Saarbrücken so schlecht da, 1977 1860 München. Beide Clubs stiegen ab.

Die Stimmung

Nach der Fehlentscheidung herrschte während der Halbzeitpause in der Kölner Kabine eine explosive Stimmung. Nicht Enttäuschung, sondern Wut überwog bei den Spielern. Peter Stöger bemühte sich, den Schiedsrichter aus der Schusslinie zu nehmen. Er forderte die Spieler auf, sich ausschließlich auf das Spielgeschehen zu konzentrieren.

Die Sportchef-Suche

Im Fußball-Talk von Sky bei Jörg Wontorra bestätigte FC-Beiratsmitglied Wolfgang Bosbach, dass man mit Kandidaten für den durch den Weggang von Jörg Schmadtke verwaisten Posten des Sportchefs gesprochen habe. Es müsse „ein Hochkaräter sein, denn wir wollen Spieler akquirieren, die uns in der zweiten Saisonhälfte wirklich weiterhelfen. Es muss jemand mit besten Beziehungen sein“. Zu Gerüchten über Klaus Allofs als neuem starken Mann sagte der CDU-Politiker: „Er wäre der Phänotyp, von dem man sich zurecht viel versprechen könnte.“ Der Begriff Phänotyp stammt aus der Genetik und steht für ein Erscheinungsbild, in diesem Fall der gesuchten Person.

Die Trainerfrage

Peter Stöger wiederholte in Mainz, nicht die Brocken hinzuwerfen: „Ich schließe zu hundert Prozent aus, davonzulaufen.“ Dominic Maroh bezeichnete ihn als „ärmste Sau. Er stellt uns akribisch auf die Gegner ein, wir versuchen es umzusetzen, treffen aber nicht. Vier Tore, das ist peinlich.“ Vize-Präsident Toni Schumacher sagte bei Sky: „Wenn in den nächsten Spielen keine Punkte geholt werden, müssen wir überlegen, ob wir es wie Freiburg machen, die mit Christian Streich in die Zweite Liga gegangen sind.“ Ex-Nationalspieler Christian Ziege sagte bei Sport1: „Peter Stöger hätte es verdient, weiterzumachen. Ich hoffe, sie ziehen es mit ihm durch.“