1. FC Köln: Spielverbot für Uth gegen Schalke sorgt für Unverständnis

1. FC Köln : Spielverbot für Uth gegen Schalke sorgt für Unverständnis

Die Rechtmäßigkeit der Abmachung, dass der neue Stürmer des 1. FC Köln gegen seinen Ex-Verein nicht spielen darf, ist fraglich. BSC-Vorstand Mazurkiewicz: Alles hat seinen Preis.

Der Einstieg ist Mark Uth gelungen. Gleich in seinem ersten Testspiel für den 1. FC Köln traf der Winterzugang beim 2:2 gegen den KV Mechelen ins Schwarze. Die Hoffnung, dass bei dem gebürtigen Kölner in der Rückrunde noch viele weitere Tore auch in der Bundesliga dazukommen, ist bei allen Beteiligten beim FC groß. Einzig in einem Spiel steht schon jetzt fest, dass Uth sich sicher nicht in die Torschützenliste eintragen wird. Denn gegen den FC Schalke 04, seinen bisherigen Verein, darf der Stürmer gar nicht auflaufen, das haben sich die Knappen von den Kölnern zusichern lassen (der GA berichtete).

Der FC hat sich die Dienste des 28-Jährigen bis Sommer gesichert, muss dafür an Schalke keine Leihgebühr bezahlen und sogar nur Teile des Gehaltes von Uth übernehmen. Im Gegenzug dafür darf der Stürmer im direkten Duell am 24. Spieltag (29. Februar) nicht auflaufen.

Doch genau diese Klausel im Leihvertrag zwischen den beiden Clubs sorgt bei vielen für Unverständnis. FC-Fans sprechen in diversen Internetforen von einer „Lachnummer“ oder einer „bescheuerten Klausel“. Stefan Engels, FC-Legende und heute Spielerberater, ist ebenfalls verwundert: „Das spricht nicht gerade für ein übermäßiges Selbstvertrauen der Schalker“.

Regelung kommt öfter vor

Dabei kommt eine solche Regelung heutzutage öfter vor. Zuletzt war Vincenzo Grifo im vergangenen August von der TSG 1899 Hoffenheim zum SC Freiburg gewechselt – und durfte wenige Wochen später nicht für den SC gegen die TSG antreten. „Das hat Reiner Calmund angefangen“, erinnert sich Engels und spielt auf den Wechsel von Paulo Rink im Dezember 2001 von Leverkusen nach Nürnberg an. Calmund, damals Manager von Bayer Leverkusen, hatte sich eine Spielsperre gegen seinen Club zusichern lassen.

Für Dirk Dufner ist eine solche Klausel sogar eigentlich nicht statthaft. „Das entspricht einem Arbeitsverbot“, sagt der gelernte Jurist, der jahrelang selbst als Sportdirektor bei 1860 München, Freiburg und Hannover 96 erfolgreich gearbeitet hat. Und fügt an: „Schalke könnte das vor einem Gericht nur schwer durchsetzen, wenn die Kölner Uth trotzdem spielen lassen“.

Allerdings wird das Spielverbot kaum wörtlich im Vertrag vorkommen. Vielmehr, so erklärt ein Insider gegenüber dem General-Anzeiger, werden bei solchen Deals eher stattliche Nachzahlungen auf die Leihgebühr oder Ablösesumme ausgemacht, sollte der Spieler gegen seinen Ex-Club auflaufen.

Durch solche Formulierungen könnten Vertragsklauseln auch gegenüber der Deutschen Fußball Liga (DFL) statutenkonform gemacht werden. Die DFL betrachtet bei solchen vertraglichen Abreden – vor dem Hintergrund des Schutzes der Integrität des Wettbewerbs – die konkreten Umstände des Einzelfalls. Ein ausdrückliches Verbot derartiger Abreden enthält das Ligastatut nicht.

Verständnis für Reaktion des 1. FC Köln

Dass sich der FC auf den Pakt eingelassen hat, kann Stefan Engels dennoch verstehen. „Das ist ja eine Frage der Verhandlungsposition. Köln wollte den Spieler unbedingt haben und Schalke hat das ausgenutzt. Ob das dem Fairplay-Gedanken entspricht, sei dahingestellt“, sagt Engels, der aus seiner Erfahrung berichtet, dass solche Vertragszusätze im heutigen Profifußball gang und gäbe seien.

In Gelsenkirchen wolle man wohl vorbauen, dass Uth nicht ausgerechnet gegen seinen alten – und ab Sommer dann ja auch wieder neuen – Arbeitgeber trifft. „Das müssten die Schalker dann ihren Fans erklären, wenn sie gegen Köln verlieren“, sagt Engels.

Dirk Dufner, der heute als Spielerberater arbeitet, würde solche Konstrukte am liebsten abschaffen. „Es wird Zeit, dass man sich gegen solche Klauseln wehrt“, sagt er. Als Mitarbeiter der Berateragentur arena 11 sports group, an der auch Ex-Nationalspieler Thomas Strunz beteiligt ist, kennt Dufner die Situation genau. Schließlich berät die Agentur auch Vincenzo Grifo und bekam den Ärger zwischen Freiburg und Hoffenheim hautnah mit.

Der Spielerberater hat in einem solchen Fall allerdings wenig Einfluss. „Das ist eine reine Geschichte zwischen den Clubs, was die ausmachen“, erklärt Engels. Und Dufner fügt an: „Grifo hat es akzeptiert, er wollte endlich wieder regelmäßig spielen und hat dann lieber auf ein Spiel verzichtet.“

Dirk Mazurkiewicz kann über solche „skurrilen“ Praktiken nur schmunzeln. Der Vorstandsvorsitzende des Bonner SC kennt solche Fälle aus der Regionalliga nicht. Er sagt aber auch: „Ich habe gelernt: alles hat seinen Preis. Schalke hätte ja auch einfach mehr Geld für den Wechsel verlangen können“. Alles sei eine Frage der Verhandlungsmacht und grundsätzlich auch „nicht verwerflich“.