Später Ausgleich: 1. FC Köln bringt sich in Kiel um verdienten Lohn

Später Ausgleich : 1. FC Köln bringt sich in Kiel um verdienten Lohn

Kölner bringen sich beim 1:1 in Kiel durch ein Missverständnis selbst um den Lohn guter Defensivarbeit. Meré und Horn sind sich nicht einig, Mörschel nutzt das zum späten Ausgleich.

Wenn man als Maskottchen einen Geißbock besitzt, besteht zwangsläufig die Nähe zur Redensart, einen Bock geschossen, also einen groben Fehler begangen zu haben. Das geflügelte Wort geht auf den spätmittelalterlichen Brauch zurück, dem schlechtesten Schützen eines Schützenfestes einen Ziegenbock zu schenken. Den verdienten sich am Samstag Timo Horn und Jorge Meré beim 1:1 bei Holstein Kiel.

Später Patzer: In der 88. Minute segelte ein Schuss von Kiels Dominik Schmidt Richtung FC-Strafraum. An dessen Grenze standen sich Jorge Meré und Timo Horn abwartend vis-à-vis. Weil keiner eingriff, sprang Heinz Mörschel dazwischen und köpfte zum 1:1-Endstand ein. „Die beiden würden sich am liebsten selbst auffressen“, beschrieb Markus Anfang die Gemütslage von Meré und Horn. Die hüllten sich öffentlich in Schweigen, während es noch auf dem Platz Debatten wie zwischen Sportdirektor Frank Aehlig und Torwarttrainer Andreas Menger gab. Sportchef Armin Veh, bereits auf dem Weg in die Kabine, hatte die Szene gar nicht gesehen. Salomonisch meinte er: „Man kann auch mal mit einem Punkt leben. Abgesehen davon haben wir das Defensivspiel gut gemacht.“

Verletzungsmisere: Die Ausfallliste setzte sich bereits vor dem Anpfiff fort. Zu den Langzeitverletzten Christian Clemens, Vincent Koziello und Lasse Sobiech sowie den Rekonvaleszenten Marcel Risse und Niklas Nartey gesellte sich Marco Höger mit muskulären Problemen. Die hatte am Sonntag auch Matthias Bader. Zudem erhielt Louis Schaub einen Tritt vom Kollegen Benno Schmitz gegen den linken Knöchel und knickte schließlich noch um, weshalb er ausgewechselt werden musste (38.). Ebenso erging es Jannes Horn. Mit verletzter rechter Wade wurde er in die Kabine getragen, aus der er auf Krücken zum Bus humpelte. Am Sonntag gab es auch für ihn Entwarnung: Keine schwerwiegende Verletzung. Das Quartett soll im Wochenverlauf ins Training zurückkehren.

Taktikänderung: Erstmals in dieser Saison wich Markus Anfang von seinem 4-1-4-1-System ab. Um das Zentrum zu stärken und keinen Nachteil gegen die Mittelfeldraute der Kieler zu besitzen, bot er mit Jonas Hector und Salih Özcan bei gegnerischem Ballbesitz zwei Sechser auf. Auf diese Weise neu-tralisierten sich beide Mannschaften, Torchancen blieben Mangelware. Immerhin verwandelte Simon Terodde den an Dominick Drexler verwirkten Foulelfmeter (42./siehe Kasten) sicher. Es war sein 13. Saisontor.

Ärger über Kollegen: Erst verdrehte Markus Anfang während der Pressekonferenz die Augen, danach legte er im kleinen Journalistenkreis nach: „Das hat mit Jammern nichts zu tun. Der Kommentar war unnötig.“ Was den FC-Trainer auf die Palme gebracht hatte, war die Aussage seines Kieler Nachfolgers Tim Walter: „Köln wechselt Cordoba ein, ich einen A-Jugendlichen. Auf dem Niveau möchte ich auch mal jammern.“