Pyeongchang 2018: Die Momente der Winterspiele

Pyeongchang 2018 : Die Momente der Winterspiele

Die Olympischen Spiele in Pyeongchang sind beendet. Wir haben die emotionalen Höhepunkte noch einmal zusammengefasst.

Im Lager der Snowboarder gilt Ester Ledecka als besonders cool, extrem fokussiert. Keine Seltenheit bei den Athleten der trendigen, neuen Olympischen Disziplin. Und doch, die Tschechin wird als besonders abgebrüht beschrieben. Als sie am vergangenen Samstag im Parallel-Riesenslalom zu Gold fährt, fällt der Jubel verhalten aus. Alles Routine. Kein Wunder bei der Saison übergreifenden Bilanz der Tschechin. Eine Woche zuvor sieht die Welt jedoch anders aus. Als sie an diesem Samstag ins Ziel kommt, traut sie ihren Augen nicht. Auf der Anzeigetafel leuchtet ebenfalls die "1" auf. Erst auf Bestätigung des Kameramanns wird ihr bewusst, dass sie in diesem Moment Sportgeschichte geschrieben hat. Die zweimalige Snowboard-Weltmeisterin hat soeben Gold im Super-G der Damen gewonnen - wohlgemerkt der Ski-Fahrerinnen. Ledecka ist so überwältigt, dass die Tränen nur so fließen. So sehr, dass sie selbst bei den Feierlichkeiten noch ihre Skibrille trägt. Eine Woche später folgt das nächste Gold. Dieses Mal im Snowboard. Damit ist Ledecka eine von fünf Olympioniken, die jemals in zwei Disziplinen Gold gewonnen haben.

Sportgeschichte schreibt auch Marit Björgen. Die Skilangläuferin hat sich in Pyeongchang endgültig zur Königin des Wintersports gekrönt. Mit acht Gold-, vier Silber- und drei Bronzemedaillen steht sie an der Spitze der Winterolympioniken. Kein anderer Sportler hat bei Winterspielen mehr Medaillen gewonnen. Dabei musste Björgen auf ihr achtes Gold bis zum Schlusstag der Spiele und ihr letztes Olympisches Rennen warten. Über die 30 Kilometer läuft die 37-Jährige souverän zum Olympiasieg. "Als ich den letzten Anstieg hoch bin, habe ich Gänsehaut bekommen", sagte Björgen.

Die deutschen Überflieger

Die deutschen Überflieger kommen aus anderen Disziplinen. Traditionell aus dem Biathlon beispielsweise. Nach der enttäuschenden Bilanz von Sotschi starten die DSV-Jäger perfekt in die Spiele. Laura Dahlmeier wird am Eröffnungstag Olympiasiegerin im Sprint, es folgen Gold in der Verfolgung und Bronze im Einzel. Zwei weitere Medaillen sind in den Staffeln angepeilt, doch ihren Teamkollegen versagen teilweise die Nerven. Dennoch sind die Biathleten die erfolgreichsten Medaillensammler des DOSB. Arnd Peiffer gewinnt überraschend Gold im Sprint, Simon Schempp Silber im Massenstart und Benedikt Doll Bronze in der Verfolgung. Und auch im Team werden die Männer Dritter. Auch auf die Kombinierer und Skispringer ist wieder Verlass. Neben dem Dreifach-Sieg von der Großschanze gibt es Gold für Eric Frenzel von der Normalschanze und ein überlegenes Gold im Team. Es sind aber auch die Spiele des Andreas Wellinger. Der 22-Jährige trotzt allen Winden und gewinnt Gold von der Normalschanze sowie Silber von der Großschanze und im Team.

Auch im Eiskanal hamstern die deutschen Athleten Medaillen. Alleine drei Goldmedaillen sammeln die Rodler um Natalie Geisenberger ein. Ausgerechnet der Top-Favorit Felix Loch strauchelt aber. In Führung liegend unterläuft ihm im finalen Lauf ein folgenschwerer Fehler, der ihn Edelmetall kostet. Doppel-Olympiasieger wird unterdessen Francesco Friedrich. Der Bob-Pilot holt Gold im Zweier- und Viererbob. Dazu fährt überraschend auch Mariama Jamanka zu Gold. Im Skeleton enttäuscht Axel Jungk mit Rang acht, Jacqueline Lölling gewinnt bei den Frauen Silber. Die Sensation gelingt aber den deutschen Kufen-Cracks. Nach anfänglichen Schwierigkeiten steigert sich die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft, bezwingt im Viertelfinale überraschend Schweden und im Halbfinale Kanada.

Im Endspiel schnuppert die DEB-Auswahl gegen die russischen Athleten sogar am Olympiasieg, muss sich aber in der Verlängerung geschlagen geben. Die aus deutscher Sicht emotionalste Goldmedaille gewinnen Aljona Savchenko und Bruno Massot im Eiskunstlauf. Nach dem Kurzprogramm liegt das deutsche Duo auf dem vierten Platz, abgeschlagen. Doch mit einer perfekten Kür erläuft das Paar den Olympiasieg.

Eisschnellläufer, Skilangläufer und alpine Skifahrer enttäuschen

Doch es gibt auch Enttäuschungen im deutschen Lager. Die Eisschnellläufer gehen leer aus - bereits zum zweiten Mal in Folge. Dabei hatte Claudia Pechstein Großes erreichen wollen. Die 45-Jährige träumte von einer zehnten Olympischen Medaille. Doch Pechstein scheiterte deutlich, wie auch Nico Ihle. Der Sprinter aus Chemnitz hatte ebenfalls mit Edelmetall geliebäugelt. Mehr als Rang acht war nicht für Ihle drin. Pechstein kündigte indes an, in vier Jahren wieder starten zu wollen. Auch die alpinen Skifahrer blieben hinter ihren Erwartungen zurück. Mehr als ein vierter Platz für Viktoria Rebensburg und ein fünfter Rang für Thomas Dreßen waren für den DSV nicht drin. Auch die Skilangläufer bleiben ohne Medaille.

Bilder der Spiele

Dennoch kann das "Team D" stolz nach Hause reisen. Noch nie hat ein deutsches Team Olympische Winterspiele so erfolgreich abgeschnitten. Einzig Norwegen bleibt im Medaillenspiegel vor den Athleten des DOSB. "Das Team D hat aus diesen Olympischen Spielen ein Spektakel gemacht", sagt Chef de Mission Dirk Schimmelpfennig: "Wir gehören wieder zu den führenden Wintersportnationen und haben die Nationalhymne so häufig gehört wie nie zuvor."

Die Schlussfeier

Weitere Olympische Momente

Nein, Sport und Politik sind auch bei den Olympischen Spielen nicht zu trennen. Ein wichtiges Zeichen setzt in Südkorea das gemeinsame Frauen-Team nord- und südkoreanischer Eishockey-Spielerinnen. Diese sorgen für einen besonderen Gänsehautmoment, als Randy Heesoo Griffin für Korea gegen Japan das Tor trifft. Die Fans rufen "Wir sind eins" und schwenken weiß-blaue Einheitsfahen.

Eine Szene erinnert ein wenig an Björn Daehlie und Philip Boit. Damals in Nagano wartete der König der Skilangläufer auf den Exoten aus Kenia. Dieses Mal sind es die vermeintlichen Skilanglauf-Exoten aus Tonga, Ecuador und Marokko, die im Ziel den Mexikaner German Madrazo in Empfang und anschließend auf die Schultern nehmen. Der französischen Eistänzerin Gabriella Papadakis riss während dem Kurzprogramm der Neckholder. Dennoch lief sie das Programm mit entblößter Brust zu Ende. Und wurde, dann aber aufgrund der starken Leistung, mit dem zweiten Platz belohnt.

Die großen Verlierer der Spiele sind aber die (Stand jetzt) vier Athleten, die bei den Spielen in Pyeongchang positiv getestet werden. So wird zu Beginn der Spiele der Japanar Kei Saito gesperrt. Im Blut des Shorttrackers wurde ein Verschleierungsmedikament gefunden. Der slowenische Eishockeyspieler Ziga Jeglic benutzt das unerlaubte Asthmamittel Fenoterol. Für das größte Aufsehen sorgen aber ausgerechnet die russischen Athleten Alexander Kruschelnizki und Nadeschda Sergejewa. Der Curler Kruschelnizki wird positiv auf das Mirttel Meldonium, Bob-Pilotin Sergejewa auf Trimetazidin getestet.

Die deutschen Medaillengewinner

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