Baseball: Bonns ehemaliger Pitcher Solbach verpasst EM

Baseball : Bonns ehemaliger Pitcher Solbach verpasst EM

Der ehemalige Bonner Pitcher Markus Solbach steht mit seinem US-amerikanischen Team im Playoff-Finale und verpasst dadurch die EM. Mit seiner Nominierung war der Verband ein bewusstes Risiko eingegangen.

Markus Solbach ist ein außergewöhnlich guter Pitcher. Deshalb ist es nur logisch, dass der ehemalige Spieler der Bonn Capitals zum Kader der deutschen Nationalmannschaft bei der Baseball-Europameisterschaft gehört. Das Problem nur: Solbach ist nicht da. Statt in der Bonner Rheinaue für das deutsche Team aufzulaufen, ist der gebürtige Dormagener noch immer in den USA, genauer gesagt in Tulsa im Bundesstaat Oklahoma. Da sein aktuelles Team, die Tulsa Drillers, die Finalserie der Texas-Liga erreicht hat, steht fest: Bei der EM wird Solbach nicht mehr für Deutschland spielen.

Solbach reagiert auf diese sportliche Entwicklung mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Einerseits ist es schön, dass ich mit meinem Team im Finale stehe. Aber es tut schon auch weh, in Bonn nicht mit dabei sein zu können“, sagt der 28-Jährige. Für ihn wäre die Teilnahme an der EM nicht nur sportlich reizvoll gewesen: „Meine Familie und Freunde leben direkt um die Ecke. Außerdem habe ich mit einigen aus dem Kader in Deutschland zusammengespielt“, sagt Solbach. Hinzu kommt noch, dass das Stadion in der Rheinaue das alte sportliche Zuhause des ehemaligen Capitals-Pitchers ist.

Vertrag bei den Los Angeles Dodgers

Auch beim deutschen Baseball-Verband führt der Erfolg von Solbachs Team zu gemischten Gefühlen: „Für ihn persönlich ist der Finaleinzug eine gute Sache. Dass er deswegen nicht bei der EM spielen kann, ist für das Nationalteam aber schon schade“, sagt DBV-Pressesprecher Philipp Würfel. Da Solbach einer der besten deutschen Pitcher ist, sei der Verband bei der Kadernominierung bewusst ein Risiko eingegangen. „Das machen andere Teams auch“, sagt Würfel, der einen Vergleich zum Eishockey zieht: „Wenn es da die Chance gibt, dass mit Leon Draisaitl oder Philipp Grubauer zwei NHL-Spieler verspätet zum Team stoßen, lässt man sich da auch diese Möglichkeit offen.“

Dass Solbach ein großer Gewinn für das deutsche Nationalteam gewesen wäre, steht außer Frage: Seit Anfang dieses Jahres besitzt er einen Vertrag bei den Los Angeles Dodgers in der Major League Baseball (MLB), der besten Baseball-Liga der Welt. Für eines der sogenannten Farmteams der Dodgers, die Tulsa Drillers, hat Solbach in dieser Saison acht Spiele bestritten und dabei überzeugt. „Dieses Jahr hat für mich Höhen und Tiefen“, erzählt Solbach. „Am Anfang des Jahres war ich lange verletzt, habe zuletzt aber sehr gute Leistungen gebracht.“

Jedes Spiel im Internet verfolgt

Nun hofft Solbach, dass ihm mit den Drillers das Gleiche gelingt wie mit den Capitals im vergangenen Jahr: den Titel zu holen. In der Finalserie gegen die Amarillo Sod Poodles stand es zuletzt nach Siegen 1:1, drei Erfolge sind für den Titel nötig. In der Nacht von Freitag auf Samstag fand das dritte Spiel statt – mit Solbach als Pitcher der Drillers.

Auch wenn er sich im rund 7800 Kilometer von Bonn entfernten Tulsa befindet, hat Solbach jedes Spiel der deutschen Mannschaft verfolgt. „Der Zeitunterschied ist dafür perfekt. Die deutschen Spiele am Abend habe ich hier mittags geguckt“, erzählt er. Am liebsten wäre Solbach natürlich selbst mit dabei gewesen – auf dem ihm bestens bekannten Werferhügel im Rheinauenstadion.