Bilanz zur Saison 2018/2019

Wie der Bonner SC sich den Klassenerhalt sicherte

Ein Wechselbad der Gefühle erlebten Kris Fillinger und David Bors (links) in der abgelaufenen Saison mit dem Bonner SC. Hier durften die beiden nach einem Treffer jubeln.

Ein Wechselbad der Gefühle erlebten Kris Fillinger und David Bors (links) in der abgelaufenen Saison mit dem Bonner SC. Hier durften die beiden nach einem Treffer jubeln.

Bonn. Die Bonner haben sich im Herzschlagfinale am letzten Spieltag den Klassenerhalt in der Fußball-Regionalliga gesichert. Nun gilt es, aus den Fehlern der abgelaufenen Saison zu lernen und die Weichen für die kommende Spielzeit zu stellen.

Dirk Mazurkiewicz atmete erleichtert auf. „Wir können offenbar nur Drama“, meinte der Vorstandsvorsitzende des Fußballregionalligisten Bonner SC, nachdem der Mannschaft von Cheftrainer Markus Zschiesche trotz der 2:3-Niederlage am letzten Saisonspiel gegen den als Absteiger bereits fest stehenden 1. FC Kaan-Marienborn der Klassenerhalt geglückt war. Die SG Wattenscheid 09 hatte den gefährlich drängelnden SV Straelen zeitgleich mit 3:0 geschlagen und damit dafür gesorgt, dass Mazurkiewicz und Co. die vierte Regionalligasaison in Folge in Bonn planen können.

Schon in der Saison zuvor hatte es bis zum 34. Spieltag gedauert, bis Klarheit über die Ligazugehörigkeit herrschte. Damals fiel allen Beteiligten nach einem 0:0 bei der U 23 von Borussia Dortmund der sprichwörtliche Stein vom Herzen. Warum es auch in dieser Spielzeit zum Drama wurde, hatte verschiedene Gründe. Unter Trainer Daniel Zillken, der nach geglücktem Aufstieg, Platz neun und 13 in der Regionalliga rund um den Sportpark fast schon Kultstatus genoss, startete der BSC vernünftig. Das 3:3 am 4. Spieltag gegen den Aufsteiger TV Herkenrath nach einer 3:1-Führung markierte den ersten Bruch in der Leistungskurve der Zillken-Elf.

Es folgten fünf Spiele ohne Sieg und der Absturz auf Platz 16. Als Tabellenvierzehnter fuhr der BSC am 10. November zum Aufsteiger 1. FC Kaan-Marienborn. Schon vor der Partie hing der Haussegen zwischen Trainer und Mannschaft schief. Vier Tage zuvor war der BSC in der ersten Runde des Verbandspokals nach einer für Zillken indiskutablen Leistung gescheitert. Als dann auch noch die Partie in Siegen mit 2:3 verloren ging, hatte Zillken genug. Der BSC-Rekordtrainer trat unmittelbar nach dem Schlusspfiff zurück – und erwischte die Verantwortlichen um Sportdirektor Thomas Schmitz auf dem falschen Fuß.

Assistent Florian Mager sprang in die Bresche und gewann sein erstes Spiel in Dortmund mit 2:0. Dennoch glühte bei Schmitz der Smartphone-Akku, denn Magers Engagement endete verabredungsgemäß in der Winterpause. Der sportliche Leiter des BSC überraschte schließlich mit dem Berliner Markus Zschiesche, damals angehender Fußballlehrer mit ansehnlichen Referenzen als Coach des Berliner AK in der Regionalliga Nordost. Der 37-Jährige änderte die Spielweise von abwartend auf angreifend – und hatte damit zunächst Erfolg. Der 3:1-Sieg über Rot-Weiss Essen am 23. Spieltag riss die eher zurückhaltenden BSC-Fans zu regelrechten Jubelstürmen hin. Der BSC kletterte auf Rang zwölf. Die Abstiegsgefahr schien gebannt. Das 0:4 in Oberhausen korrigierte der BSC mit einem 3:0 gegen Lippstadt.

Dann aber folgten Niederlagen in Düsseldorf, Rödinghausen, gegen Mönchengladbach und Wuppertal. Die Zschiesche-Elf sammelte Komplimente für ihre Spielweise, aber keine Punkte. Erst der 2:1-Sieg am vorletzten Spieltag in Aachen ebnete letztlich den Weg zu dem am Ende glücklichen Klassenerhalt. „In der ersten Saisonhälfte haben wir zu reaktiv gespielt und zu viele Punkte gegen Mitkonkurrenten im Abstiegskampf liegen lassen“, fand der BSC-Sportdirektor. Unter Zschiesche gelang es dem BSC zwar, das Spiel zu bestimmen, zu oft aber verzettelten sich die BSC-Akteure.

Und so muss Schmitz wieder einmal mit gehöriger Verspätung die Pflöcke für die neue Spielzeit einschlagen. Lediglich Bernard Mwarome, Jannik Stoffels und Daniel Somuah verfügen über einen Vertrag. „Den Kern der Mannschaft wollen wir halten“, sagt Schmitz, der ergo viele Gespräche mit aktuellen und zukünftigen Spielern zu führen hat. An erster Stelle steht allerdings die Trainerfrage – wieder einmal. Noch in dieser Woche will Schmitz eine Antwort. Ob Zschiesche, der sich Bedenkzeit ausbat, Trainer bleibt, erscheint zumindest fraglich. „Derjenige, der den BSC in der Saison 2019/2020 trainiert, muss zum Budget passen“, sagt der BSC-Sportdirektor unmissverständlich. Aber auch der Etat für die kommende Saison ist laut Schmitz eine Baustelle, die noch nicht geschlossen ist.