Bonner SC

Steinmeier will sich beim BSC über Integration informieren

Der Bundespräsident informiert sich im Sportpark Nord über Integrationsarbeit an der fußballerischen Basis. Im Interview spricht BSC-Präsident Dirk Mazurkiewicz über die vielfältigen sozialen Projekte des Vereins.

Hoher Besuch hat sich angekündigt beim Fußball-Regionalligisten Bonner SC. Fifa-Chef Infantino? DFB-Boss Grindel? Wenn man so will, noch höher – viel höher. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird im Rahmen seiner regelmäßigen Arbeitstage am Amtssitz in Bonn mit Vereinsvertretern zusammenkommen. Am Freitag, dem 31. August, informiert er sich ab 14.30 Uhr im Sportpark Nord über Integrationsarbeit an der fußballerischen Basis. Dirk Mazurkiewicz, der Vorsitzende des BSC, wird dann viel zu erzählen haben. Mit Mazurkiewciz sprach Gert auf der Heide.

Herr Mazurkiewciz, wie hat man sich das vorzustellen? Das Telefon klingelt, das Büro Steinmeier ist am Apparat, jemand sagt: Guten Tag, der Bundespräsident würde gerne Ihren Verein besuchen?

Dirk Mazurkiewicz: Genau so.

Und dann?

Mazurkiewicz: Dann ist man erst einmal baff.

Weshalb ausgerechnet der BSC?

Mazurkiewicz: Das Steinmeier-Büro hat einen Verein gesucht, der gute Integrations- und Inklusionsarbeit leistet. Viele Menschen haben uns empfohlen und dasselbe über uns gesagt, auch aus der Politik.

Steinmeier hatte ja versucht, die Erdogan-Özil-Gündogan-Affäre zu moderieren und sich mit Mesut Özil und Ilkay Gündogan getroffen. Glauben Sie, dass sein Besuch beim BSC aus dieser Erfahrung entstanden ist?

Mazurkiewicz: Mir wurde mitgeteilt, dass Herr Steinmeier ein großes Interesse daran hat zu erfahren, wie ein Verein außerhalb der ersten Liga das Thema Integration und soziale Verantwortung bearbeitet. Natürlich kann es dazu einen Zusammenhang geben.

Was zeichnet den BSC aus?

Mazurkiewicz: Bei uns sind 249 Jugendliche aus 24 Nationen aktiv. Die Quote der Spieler mit Migrationshintergrund beträgt rund 60 Prozent. Das funktioniert. Darüber hinaus initiieren, fördern und unterstützen wir viele soziale Projekte. Gesellschaftliches Engagement ist uns wichtig.

Zum Beispiel?

Mazurkiewicz: Wir sammeln vor Weihnachten für die Bonner Tafel, kaufen Lebensmittel und spenden sie. Wir machen Live-Reportagen für sehbehinderte oder blinde BSC-Fans. Zusammen mit der Aktion Mensch unterstützen wir ein Projekt, in dem behinderte Menschen Werbematerialien produzieren. Wir helfen einer Schule in Bethlehem, in der christliche und muslimische Schüler gemeinsam unterrichtet werden, mit Fußball-Materialien und demnächst auch mit Besuchen von Trainern. Wir hatten ein Fußballturnier auch mit Flüchtlingsteams, bei dem Unternehmen Arbeitsplätze vermittelt haben. In Vorbereitung ist, dass wir zu den Kids auf die Bolzplätze gehen, um sie später auch fürs Lernen zu begeistern.

Warum macht der BSC so etwas? Der Verein war nie für sein soziales Engagement bekannt.

Mazurkiewicz: Genau deshalb machen wir das. Wir haben uns gefragt, was muss ein Verein leisten, um wahrgenommen zu werden? Fußball allein reicht da nicht. Nur wer gesellschaftliche Verantwortung trägt, darf irgendwann auch etwas fordern.

Sind diese Aktivitäten irgendwie gebündelt im Verein, finden sie sich im Organigramm wieder?

Mazurkiewicz: Seit 2016 läuft das unter der Überschrift „Löwenherz“. Wir planen, entsprechende Ämter in Vorstand und Aufsichtsrat einzurichten, um das noch stärker zu verankern.

Im Unternehmensjargon heißt so etwas heute CSR – Corporate Social Responsibility –, und die Proficlubs beginnen, darauf Wert zu legen. Wie verbreitet ist soziale Verantwortung in der Regionalliga?

Mazurkiewicz: Wir sind nicht die Einzigen. Rot-Weiss Essen zum Beispiel ist da auch schon lange unterwegs. Aber doch, ich glaube schon, dass wir irgendwie vorbildlich sind.