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SSV Heimerzheim spielt mit unstillbarem Torhunger

Der Trainer und sein Torjäger: Marcel Müller (links) begutachtet Angreifer Jamal Fakhrou.

Der Trainer und sein Torjäger: Marcel Müller (links) begutachtet Angreifer Jamal Fakhrou.

SWISTTAL. Nach jahrelanger Tristesse in der Kreisliga D greift der SSV Heimerzheim wieder an: Mit einer Torflut hat sich der Club den Aufstieg in die C-Klasse vorzeitig gesichert. Doch die Mannschaft will noch höher hinaus.

Wenn in der zweiten Staffel der Bonner Kreisliga D ein Spiel mit Beteiligung des SSV Heimerzheim auf dem Spielplan steht, ist gute Unterhaltung garantiert. In diesen Partien fallen durchschnittlich über neun Tore – fast acht von ihnen erzielt der SSV selbst. So kommt der bereits feststehende Meister auf insgesamt 210 Treffer in der laufenden Saison. Trainer Marcel Müller hat für die Überlegenheit seines Teams einfache Gründe: „Wir haben natürlich gute Spieler, aber das Besondere an unserer Mannschaft ist der Torhunger. Die Jungs haben einfach viel Spaß am Spiel und das hört nicht auf, wenn wir 3:0 führen. Wir machen dann immer weiter.“

Für Müller ist es die erste Saison in Heimerzheim, zuletzt war er in den höheren Kreisligen unterwegs. Der Gang in die niedrigste Spielklasse war für ihn keine einfache Entscheidung: „Als ich das Angebot vom SSV bekam, habe ich schon gezögert. In der Kreisliga D wird nun mal nicht der attraktivste Fußball der Welt gespielt“, erklärt der Coach. „Der Vorstand hat sich aber lange mit mir unterhalten und konnte mich überzeugen, dass es die richtige Entscheidung ist, hierhin zu kommen.“

Hybridrasen als Lockmittel

Um den neuen Trainer wurde auch eine fast komplett neue Mannschaft gebildet. Auch für viele der Spieler war der Wechsel in die Kreisliga D ein Rückschritt. „Da konnten wir aber mit dem neuen Hybridrasen reizen“, so Müller. Ende August des vergangenen Jahres wurde das Projekt rund um die Neugestaltung des Sportplatzes in Heimerzheim abgeschlossen. „So gute Plätze gibt es nicht oft, erst recht nicht in den niedrigen Ligen. Das hat die Spieler angezogen und auch viele Heimerzheimer dazu bewegt, zurückzukommen“, erklärt Trainer Müller.

Der Verein hat seit 1929 eine Fußballabteilung und spielte vor der Jahrtausendwende in der damaligen Bezirksklasse. Es folgten einige Abstiege und der SSV verbrachte viele Jahre in den niedrigen Kreisligen. Zur Saison 2008 wurde dann ein Projekt gestartet, das etwas an das aktuelle Vorhaben erinnert. Der Club feierte zwei Aufstiege in Folge, in der Kreisliga A war dann jedoch Schluss. „Dort wurde die Mannschaft Zweiter und verpasste knapp den erneuten Durchmarsch. Danach sind dann viele Spieler gewechselt und der SSV hatte Probleme, überhaupt ein Team zu bilden“, sagt Müller.

Dass Ähnliches noch einmal passiert, glaubt der Trainer nicht. „Natürlich weiß man nicht, wie es in zwei Jahren aussieht, wenn der Durchmarsch nicht funktioniert. Aber die Spieler fühlen sich wohl und wollen zusammen diesen Weg gehen.“ Laut Müller gab es jedoch sogar schon während der laufenden Saison Angebote für einzelne Spieler. „Bisher ist aber noch kein Spieler dem Ruf der oberen Ligen gefolgt – es wäre schön, wenn das auch so bleibt“, hofft der Trainer.

Durchmarsch bis mindestens in die Kreisliga B geplant

Während man beim SSV Heimerzheim schon vor der Saison fest vom Aufstieg ausgegangen ist, sorgen die Leistungen der Mannschaft beim Fußball-Verband Mittelrhein (FVM) zumindest für etwas Überraschung. „Die Kreisliga D ist einfach eine Wundertüte“, findet Kai Bechlenberg, Beisitzer des Spielausschusses für den Herrenbereich. „Manchmal blühen Teams plötzlich auf, manchmal kommt es zu Situationen wie beim SSV, dass eine komplett neue Mannschaft auf dem Rasen steht.“

Auch für Bechlenberg ist die neue Sportanlage in Heimerzheim ein entscheidender Faktor für den Erfolg. „So ein toller Platz ist definitiv ein Zugpferd, das die Spieler anzieht. Auf Hybridrasen möchte jeder Kreisligist gerne spielen.“

Wie es in den nächsten Jahren in Heimerzheim weitergeht, bleibt abzuwarten. Der Verein möchte mindestens in die Kreisliga B durchmarschieren. Dass das kein Selbstläufer wird, weiß man beim SSV. „In der nächsten Saison wird es schon deutlich härter für uns. Es gibt viele gute Teams in der Kreisliga C, die auch aufsteigen wollen“, erklärt Trainer Müller. Auch Bechlenberg vom FVM ist vorsichtig mit Prognosen. „Bei solchen Teams kann vieles passieren. Manche steigen direkt wieder ab, manche steigen innerhalb von zwei Saisons in die Kreisliga A auf. In der Regel folgt aber höchstens noch ein Aufstieg und in der B-Klasse ist dann Schluss.“

Die offensive Spielweise möchte Müller beibehalten. Wichtig dafür ist, dass treffsichere Angreifer wie Jamal Fakhrou und Christian Leusmann, die als Duo in dieser Saison 108 Treffer erzielt haben, im Verein bleiben. In der laufenden Spielzeit haben die Heimerzheimer noch drei Spiele – aufhören, viele Tore zu schießen, werden sie sicherlich nicht.